Mit jeweils fünf Preisen teilen sich "The Artist" und "Hugo Cabret" den Oscarsieg Stichwort Nostalgie

Trotz gleicher Preisanzahl sticht "The Artist" den Favoriten "Hugo Cabret" aus. Deutschland ging bei der 84. Oscarverleihung leer aus.
01.03.2012, 00:00
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Von Annekatrin Liebisch

Trotz gleicher Preisanzahl sticht "The Artist" den Favoriten "Hugo Cabret" aus. Deutschland ging bei der 84. Oscarverleihung leer aus.

Eine Kostprobe von Sandra Bullocks Deutschkenntnissen bei der Präsentation des "Besten fremdsprachigen Films" blieb leider der einzige deutsche Beitrag zur 84. Oscarverleihung: Weder "Pina"-Regisseur Wim Wenders noch "Anonymous"-Kostümbildnerin Lisy Christl oder die Kurzfilmer Max Zähle und Stefan Gieren ("Raju") konnten den wichtigsten Filmpreis der Welt in Empfang nehmen. Jubeln durften stattdessen die Franzosen: Fünf Preise, darunter "Bester Film", "Beste Regie" und "Bester Hauptdarsteller" sprach die Academy of Picture Arts and Sciences dem Stummfilm "The Artist" zu.

Nachdem der Verjüngungsversuch im vergangenen Jahr gründlich missglückte - die Show mit Anne Hathaway und James Franco wurde von "Fox News"-Zuschauern nicht zu Unrecht zur schlechtesten Oscarverleihung aller Zeiten gewählt - versuchten die diesjährigen Produzenten Brian Grazer und Don Mischer, die Zuschauer ihre Leidenschaft für das Kino wiederentdecken zu lassen. Von der klassischen Gestaltung des Bühnenbilds über die Showeinlage des Cirque du Soleil bis hin zu den Einspielern, in denen sich Hollywoodstars an ihre initialen Kinomomente erinnerten - Nostalgie ist das Stichwort, unter dem sich die diesjährige Ausgabe der Preisverleihung abheften lässt.

Idealerweise kürten die 5.783 stimmberechtigten Mitglieder der Academy auch die thematisch passenden Sieger: Mit jeweils fünf Auszeichnungen konnten gleich zwei Filme, die an die Anfänge des Kinos erinnern, ihren Favoritenrollen gerecht werden. Martin Scorseses elffach nominierte Hommage an den Filmpionier Georges Méliès, "Hugo Cabret", gewann in den Kategorien "Beste Kamera", "Art Direction", "Visual Effects" sowie "Tonschnitt" und "Tonmischung". Der eigentliche Abräumer der vierstündigen Zeremonie wurde jedoch auf der Zielgeraden noch "The Artist", der Stummfilm über das Ende der Stummfilmzeit, der sowohl in der Königskategorien "Bester Film", "Beste Regie" (Michel Hazanavicius), "Bester Hauptdarsteller" (Jean Dujardin) als auch für den "Besten Soundtrack" und die "Besten Kostüme" ausgezeichnet wurde. Während Dujardin übermütig die wahrscheinlich lauteste Rede hielt, dankte Hazanavicius glücklich allen, die verrückt genug waren, Geld in dieses ungewöhnliche Filmprojekt zu investieren.

Meryl Streep nutzte die Zeit für ihre Danksagung besonders gewissenhaft - immerhin, so die "Beste Hauptdarstellerin" des Jahres, habe sie vollstes Verständnis dafür, wenn die Academy sie nun nach drei Oscars nicht ein weiteres Mal auf die Bühne lasse. Wie in ihrem letzten Siegerfilm, "Sophies Entscheidung" von 1982, kümmerte sich J. Roy Helland in dem Thatcher-Biopic "Die Eiserne Lady" um das Make-up der Actrice - auch er wurde, gemeinsam mit Mark Coulier, mit einer Auszeichnung bedacht.

Während Streep mit 17 Anläufen weiterhin den Rekord der am häufigsten nominierten Darstellerin hält, wurde ein anderer in der Oscarnacht 2012 eingestellt: Mit 82 Jahren darf sich Christopher Plummer nun der älteste Schauspieler nennen, der einen Academy Award - nämlich den für den "Besten Nebendarsteller" in "Beginners" - entgegennahm. "Du bist nur zwei Jahre älter als ich", richtete der Kanadier das Wort an seinen Oscar, "wo warst du mein Leben lang?" Nicht das einzige Loblied auf die goldene Statue: Die "Beste Nebendarstellerin" Octavia Spencer ("The Help") dankte der Academy unter Tränen dafür, sie mit dem heißesten Typen der Veranstaltung zusammengebracht zu haben.

So sicher, wie nach der Vergabe der Golden Globes Spencers, Plummers, Dujardins und Streeps Oscartriumph galt, dürfte Billy Crystal nach diesem Abend die gewohnte Emmy-Nominierung für seine Gastgeberqualitäten sein: Zum neunten Mal führte der 63-Jährige durch die Show - zwar ohne persönliche Highlights, aber mit unterhaltender Routine und dem nötigen Stilbewusstsein. Und einem Programmteil, der dem awardshowgeprüften Teil des deutschen Publikums seltsam bekannt vorgekommen sein dürfte: Wie wenige Wochen zuvor Hape Kerkeling bei der Verleihung der "Goldenen Kamera", behauptete der Moderator, er könne die Gedanken der Stars lesen, auf denen der Fokus der Saalkamera liege. Auch Crystal pickte sich dabei unter anderem Morgan Freeman heraus. Mit dem Unterschied, das Freeman diesmal über den Gag lachen konnte ...

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