37°: Die Wütenden - Di. 18.05. - ZDF: 22.15 Uhr „37°: Die Wütenden“

„Systemsprenger“: So geht es betroffenen Kindern im wahren Leben

Vor zwei Jahren begeisterte das Sozialdrama „Systemsprenger“ mit Helena Zengel in der Hauptrolle Zuschauer wie Kritiker gleichermaßen. Wie viel Wahrheit in der Geschichte des unkontrollierbaren Mädchens steckt, zeigt nun eine Dokumentation über Betroffene im wahren Leben.
23.04.2021, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Elisa Eberle
„Systemsprenger“: So geht es betroffenen Kindern im wahren Leben

Heute erscheint Luna ruhiger und ausgeglichener als noch vor wenigen Jahren.

ZDF / Anabel Münstermann

Es war ein Überraschungserfolg des Kinojahres 2019: „Systemsprenger“, jenes Drama über ein zutiefst traumatisiertes Mädchen, welches seine Gefühle in Wutausbrüchen und Schreiattacken zum Ausdruck bringt, erhielt zahlreiche Preise: vom Silbernen Bären bis zum Deutschen Filmpreis in gleich acht Kategorien. Was unter anderem an der grandiosen schauspielerischen Leistung der bei den Dreharbeiten erst zehnjährigen Helena Zengel lag. Doch es waren auch die erschütternden Fehler im deutschen Betreuungssystem, welche die Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Fingscheidt in dem Spielfilm abbildete. Wie nah diese tatsächlich an der Realität sind, das zeigt die Reportage „Die Wütenden. Wenn Kinder das System sprengen“ aus der ZDF-Sendereihe „37°“.

Die Filmemacherinnen Anabel Münstermann und Valerie Henschel haben zwei betroffene Jugendliche über einen längeren Zeitraum begleitet: Sowohl die 18-jährige Luna als auch der zwölfjährige Lennard durchliefen bereits viele Jugendeinrichtungen, Pflegefamilien und weitere Stationen. Auslöser waren, wie bei der fiktiven Benni im Film, überforderte Eltern und traumatische Kindheitserlebnisse.

Vom Gefühl, nirgendwo gewollt zu sein

Luna erinnert sich noch genau, wie es war, als vor knapp fünf Jahren ihr Elternhaus vollständig ausbrannte. Als ältestes von fünf Kindern musste sie sich fortan um ihre jüngeren Geschwister kümmern, ihre Mutter stand unter Schock. Irgendwann kamen schließlich die Erinnerungen an ihren gewalttätigen Vater wieder hoch: Luna wusste nicht damit umzugehen und wurde aggressiv. Die Polizei nahm sie mit, und von da an ging es für die Teenagerin stetig bergab. Heute lebt sie immerhin in einer eigenen kleinen Wohnung mit einem guten Betreuer und fühlt sich ruhiger und ausgeglichener. Jedenfalls so lange, bis ein Brief von Gericht ihr Leben erneut auf den Kopf stellt ...

Systemsprenger Lennard ist ein echter Tierfreund: Besonders der Hund aus der Nachbarschaft tröste ihn, wenn die Sehnsucht nach seiner Mutter besonders groß sei, erklärt er. Im Alter von gerade einmal zwei Jahren wurde Lennard von seiner damals noch sehr jungen Mutter getrennt. Er kam in Heime und Pflegefamilien, blieb wegen seiner unkontrollierbaren Wutausbrüche allerdings nie lange. Heute wohnt er in einer betreuten Jungen-WG im Harz. Seine Mutter und die kleine Schwester darf er einmal im Monat besuchen. Doch auch dieses Konzept geriet während der Dreharbeiten zur Dokumentation ins Wanken.

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