In Bewegung bleiben Trotz Sparzwang und schwierigem Klima: Der BR hat auch 2010 TV-Fiction auf hohem Niveau in der Pipeline

Beim BR-"Filmbrunch" wurde wieder einiges übers Sparen, über Standortpolitik und Gebühren gesagt - viel mehr jedoch über die Qualität der 2010 ausgestrahlten Filme. Und das ist gut so.
15.01.2010, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Frank Rauscher

Beim BR-"Filmbrunch" wurde wieder einiges übers Sparen, über Standortpolitik und Gebühren gesagt - viel mehr jedoch über die Qualität der 2010 ausgestrahlten Filme. Und das ist gut so.

Nein, in München beim BR windet man sich nicht wie vielerorts mit Trotz-Floskeln der Güteklasse: "Krise? Welche Krise?" um die Tatsachen herum. Die Sparzwänge schlagen voll durch auf die Arbeit der Produzenten, Redakteure, Kreativen. "Es gibt in Bayern auch noch eine Medienwirtschaft. Das möchte ich der Politik ans Herz legen", hatte BR-Programmdirektor Dr. Gerhard Fuchs in Sorge um den Filmstandort München schon vor einem Jahr bekundet. Nun, beim BR-"Filmbrunch 2010", erklärte Fuchs, dass sich seither "einiges in Bewegung gesetzt" habe - "in die richtige Richtung". München stehe als Standort wieder besser da. "Lassen sie uns in Bewegung bleiben", resümierte Fuchs. Das Wort "Sparen" spielte aber nach wie vor eine zentrale Rolle, als am Freitag die Film- und Serienhighlights des Bayerischen Rundfunks vorgestellt wurden. Sparen muss sein - aber definitiv nicht an der Qualität, so der Tenor im Neuen Forum am Deutschen Museum.

Etwa eine Stunde dauerte das Trailerfeuerwerk, das diese These dann mit teilweise sehr beeindruckenden Bildern stützte. Bettina Reitz, die Leiterin des Programmbereichs Spielfilm-Serie, beschrieb zuvor in gewohnt charmanter Art und nicht ohne Spitzen in Richtung aller Kritiker am gebührenfinanzierten Fernsehen den Rahmen, in dem die Produktionen für 2010 entstanden. Die Sparzwänge hätten sich vor allem bei den Kino-Coproduktionen bemerkbar gemacht, betonte sie. Die "Korruptionsaffäre" um die ehemalige NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze habe den Druck auf das öffentlich-rechtliche fiktionale Fernsehen zudem verschärft und dafür gesorgt, dass die "Redaktionsarbeit unter Generalverdacht" stehe. Mit guter Arbeit müsse weiter dagegengehalten werden.

Der BR mühe sich gerade in schwierigen Zeiten nach Kräften, auch in Zukunft ein zuverlässiger und fairer Partner für die Filmbranche zu sein. "An einer Aufstockung der Gelder ist leider nicht zu denken", betonte Bettina Reitz, doch zusammen mit "einer kleinen Restgruppe an Gebührenzahlern" werde der BR weiter alles dafür tun, seiner Funktion als Kulturträger gerecht zu werden.

Auch in den Redaktionsstuben gingen die Mitarbeiter dafür "jeden Tag an die Leistungsgrenzen", so Bettina Reitz. Und das "nicht nur, weil wir alle an unserer Festanstellung kleben". Der Weg werde in Krisenzeiten noch stärker in Richtung Co-Produktionen gehen, meinte Bettina Reitz und verwies auf die zahlreichen Highlights im neuen Jahr - insbesondere der Mittwochsfilm in der ARD setze Zeichen und suche gar "auf der ganzen Welt seinesgleichen".

Tatsächlich rief solch ein Mittwochsfilm bei der Vorführung die mit Abstand heftigste Reaktion des Auditoriums (Schauspieler, Regisseure, Produzenten, Autoren, Redakteure, Film- und TV-Journalisten) hervor: Die Ausschnitte aus "Keiner geht verloren" (Mi., 21.04., 20.15 Uhr), ein komödiantischer Brückenschlag von Ost-Berlin nach Oberbayern von Regisseur Dirk Kummer mit Sylvester Groth in der Hauptrolle, sorgten für Lachsalven. Am Mittwoch, 31.03., 20.15 Uhr, läuft die BR-Produktion "In aller Stille" - Rainer Kaufmann inszenierte mit einem Star-Ensemble um Nina Kunzendorf (die neue HR-Kommissarin im "Tatort" wird), Michael Fitz und Maximilian Brückner eine packende Mischung aus Drama und Kriminalfilm. Auch der gemeinsam von Degeto und BR produzierte Film "Rosannas Tochter" (Mi., 24.11., 20.15 Uhr) nach einem Roman von Amelie Fried mit Veronica Ferres, Fritz Karl und der hoch talentierten Nachwuchsschauspielerin Mathilde Bundschuh lässt auf großes Fernsehen hoffen.

Verlässliches, aber, und das betonte Bettina Reitz, dabei auch für die Jugend spannendes Programm biete der BR mit den Krimis am Sonntagabend an. Zwei Münchner "Tatorte" sind im Kasten, wobei sich "Unsterblich schön" (So., 11.04., 20.15 Uhr) mit Robert Atzorn und Gudrun Landgrebe in den Episodenhauprollen womöglich unter die Kultfilme der ARD-Reihe gesellen wird. Ein tödliches Schokoladenbad - der Krimi geriet zur bissigen Attacke auf den Jugendwahn, dem bekanntlich auch in der Bayerischen Landeshauptstadt ausgiebig gefröhnt wird. Der zweite "Tatort" ("Nie wieder frei sein") ist für Sonntag, 3.10., 20.15 Uhr, geplant. Die bezaubernde Stefanie Stappenbeck ist die Heldin in zwei neuen "Polizeiruf 110"-Produktionen. Den Anfang macht am Sonntag, 24.05., 20.15 Uhr, der Film "Die Lücke, die der Teufel lässt" (mit Franz Xaver Kroetz). Am Sonntag, 21.11., ist "Zapfenstreich" an der Reihe - heikel: Es geht um dunkle Geheimnisse in Reihen der Bundeswehr.

Internationalen Co-Produktionen vom Zweiteiler "Augustinus", über "Pius XII", die im Ersten laufen, bis zu Kinostreifen wie Jo Baiers Epos "Henri 4" (startet am 18.3.), das historische Alpendrama "Bergblut", "El Nino" (mit Jessica Schwarz) oder "Das Ende ist mein Anfang" mit Bruno Ganz nach einem Roman von Tiziano Terzani stehen regionale, nur fürs Bayerische Fernsehen produzierte Filmjuwelen à la "Sau Nummer vier. Ein Niederbayernkrimi" gegenüber. Ein echter Brüller von Regisseur Max Färberböck mit allerlei Ferkeln und schrulligen Landeiern, der voraussichtlich im Herbst 2010 im BR gesendet wird.

Spektakulär muten die Bergsteigerbilder des Alpendramas "Die Route" an, in dem Maximilian Brückner und Stephan Luca eine Seilschaft vor der Zerreißprobe bilden. Aber das ist alles nichts gegen das schon seit geraumer Zeit angekündigte Dominik-Graf-Serienspektakel "Im Angesicht des Verbrechens", das nun endlich im Herbst, voraussichtlich freitags, 21.45 Uhr, im Ersten ausgestrahlt werden soll ...

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