"Ewiger Optimist und großer Junge"

TV-Geschichte aus erster Hand: David Hasselhoff veröffentlichte seine Autobiografie nun auch in Deutschland

Vom Auf und Ab des Lebens in seinen extremsten Auswüchsen und von allem, was dazwischen liegt, zeugt David Hasselhoffs nun auch in Deutschland veröffentlichte Autobiografie.
23.04.2010, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Frank Rauscher

Vom Auf und Ab des Lebens in seinen extremsten Auswüchsen und von allem, was dazwischen liegt, zeugt David Hasselhoffs nun auch in Deutschland veröffentlichte Autobiografie.

Es klingt eigentlich viel zu absurd, um wahr zu sein - aber da dies beinahe für David Hasselhoffs komplette, jetzt auch in einer deutschen Überarbeitung veröffentlichte Autobiografie "Wellengang meines Lebens" zutrifft, kann man sich auch diese herrliche Szene aus dem Leben des Kult-Entertainers ganz gut bildlich vorstellen: wie er in London ins Taxi steigt und dort tatsächlich auf den Vater von Amy Winehouse, einen Taxifahrer, trifft. Der "Hoff" erinnert sich: "Er kutschierte mich durch die Gegend und erzählte mir dabei, wie es ist, wenn man eine Tochter hat, die dauernd in Schwierigkeiten kommt. Und ich erzählte ihm davon, wie es ist, wenn man selbst der Typ mit den Schwierigkeiten ist - es war ein herrliches Gespräch." David Hasselhoff schlägt in seiner jetzt um aktuelle Anekdoten ergänzten Lebensbeichte einen selbstkritischen, ehrlich klingenden und oft genug auch selbstironischen Ton an, was die Beschäftigung mit der illustren Vita des Stars aus "Baywatch" und "Knight Rider" zu einem recht kurzweiligen Erlebnis macht.

Man darf schmunzeln hier und da. Aber David Hasselhoffs im Herbst 2006 erstmals veröffentlichte Biografie - Originaltitel: "Making Waves" - ist keine Lachnummer, sondern eine durchaus ernste, manchmal auch etwas ausufernde Angelegenheit. Und es ist das zweitmeistverkaufte Buch des Jahres 2006 in Großbritannien. 2007 erschien "Making Waves" mit einem veränderten Cover in den USA. Nun folgt die deutsche Erstausgabe, von Musikbuch-Spezialistin Kirsten Borchardt aus dem Amerikanischen übertragen und von David Hasselhoff selbst vollständig aktualisiert und überarbeitet. Flankiert wird die Veröffentlichung von diversen TV-Auftritten, unter anderem im "Musikantenstadl" und bei Markus Lanz.

Und natürlich geht es jetzt vor allem wieder um jene Episode, die Hasselhoffs Leben in der öffentlichen Wahrnehmung um ein Vielfaches mehr prägt, als all die Szenen neben traumhaft schönen Bikinimädchen am Pazifikstrand zusammen. What happens in Vegas stays in Vegas? Von wegen! Jeder kennt die Bilder: Hasselhoff der Trinker. Der Rabenvater. Der delierende Dilettant. Der gefallene Star und der Assi, über den jeder lachen darf. Es ist das Traurigste an der ganzen höchst abenteuerlichen Geschichte des am 17. Juli 1952 in Baltimore, Maryland, geborenen Sängers und Schauspielers, dass ein 2006 von seiner Tochter Taylor-Ann aufgenommenes, mehr als diskreditierendes Video, das ihn im volltrunkenen Zustand beim Versuch, einen Burger zu essen, zeigt, alles andere in den Schatten stellt.

Hasselhoff beschönigt kaum etwas. Aber er bringt einiges Licht ins dunkle Geheimnis seiner in dieser Zeit arg strapazierten Künstlerseele. Das Video rotierte ausgerechnet zu der Zeit durch die Welt, als der Sorgerechtsstreit um die beiden Töchter mit seiner Ex-Frau Pamela eine neue Eskalation erreichte. Er wisse, wer das Video in Umlauf brachte - aber er will es nicht verraten, so Hasselhoff, der einige Stunden nach dem gefilmten Totalabsturz tatsächlich noch einen Auftritt in Las Vegas absolvierte. Auf mehreren Seiten setzt er sich mit jenen schlimmen Tagen auseinander, und er macht keinen Hehl aus seinem Problem, vom Alkohol loszukommen.

"Dieses Buch", schreibt Hasselhoff, "ist für mich eine großartige Form der Therapie gewesen. Es hat mir den Glauben an mich selbst zurückgegeben, mir gezeigt, wer ich wirklich bin, und bewiesen, dass die aggressiven Verleumdungskampagnen der Boulevardzeitungen mir letztlich nichts anhaben können." In den aktuellen Passagen am Ende der Biografie schwingt dann auch eine große Portion Euphorie mit.

"Ein neuer Anfang", heißt das finale Kapitel, in dem er glaubhaft versichert, nun in privater wie beruflicher Hinsicht allerbestens aufgestellt zu sein: "Heute tue ich genau das, was ich immer schon tun wollte. Ich habe den Respekt meiner Kinder und meiner Kollegen erlangt, und wenn man diesen Respekt genießt, dann ist man auf dem richtigen Weg." Nach einer ersten Reality-Soap "Meet The Hasselhoffs" ("im Grunde nur Urlaub mit der Kamera") werde es nun "wieder ernst" und großformatiger: Zehnmal 30 Minuten beim US-Sender A & E werden Einblicke in das Leben von David und seinen ebenfalls vor einer Entertainmentkarriere stehenden Töchter geben. Außerdem geplant: "Tales of the Hoff" - eine gescriptete Reality-Serie, in der er sich selbst auf die Schippe nehmen soll. "Es wird sicher ein Riesenspaß, diesen David Hasselhoff zu parodieren, den ewigen Optimisten und großen Jungen, der sich dauernd im Wege steht", schreibt er. Hasselhoff träumt von vielen Gaststars - Freunde und Bekannte wie Jerry Springer, Ashanti, die Jackson 5 - "oder vielleicht sogar Amy Winehouse, wenn sie es schafft, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen" ...

Der "Looking For Freedom"-Interpret Hasselhoff, der 2010 auch als Sänger wieder vermehrt auf die Bühne will, nimmt sich als Autor seines eigenen Buches natürlich alles Recht der Welt, sich über weite Strecken als der darzustellen, der er ja auch ist: eine Ikone des Fernsehens der 80er- und frühen 90er-Jahre. Und einer der ersten Weltstars, denen das zweifelhafte Vergnügen zuteilwurde, die gerade erst losgetretene Globalisierung in Form eines weitgehend öffentlichen Lebens zu spüren.

Manchmal erdrückende Anerkennung, dann gnadenlose Ablehnung. Viel Licht, viel Schatten - schon in jungen Jahren.

Viele Seiten lang wird "Baywatch" dekliniert, Hasselhoff schreibt locker und lange über die vielfältigen Versuchungen, denen er als verheirateter Mann unter all den karriereorientierten Jung-Darstellerinnen ausgesetzt war, schwingt sich zu einer Hommage an Pamela Anderson und das Rettungsschwimmerwesen an sich auf, doch es sind die vielen kleinen Einschübe, die vor allem hängen bleiben. Das Treffen mit Bill Clinton etwa. Der damalige Präsident nahm ihn mit zum Joggen ... "und redete dann über 'Baywatch".

("David Hasselhoff: Die Autobiografie - Wellengang meines Lebens", Edition Koch, Hannibal-Verlag, Hardcover, 416 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen, 24,95 Euro.)

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