Wenn den Kommissar der Mantel der Geschichte streift Udo Wachtveitl erklärt im BR "Das bayerische Jahrtausend" (ab Samstag, 31.03., zehn Teile, jeweils 22.00 Uhr)

Mit der zehnteiligen Geschichtsserie "Das bayerische Jahrtausend" ist dem Bayerischen Fernsehen (BR) ein unterhaltsames Stück Bildungsprogramm gelungen.
15.03.2012, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Wilfried Geldner

Mit der zehnteiligen Geschichtsserie "Das bayerische Jahrtausend" ist dem Bayerischen Fernsehen (BR) ein unterhaltsames Stück Bildungsprogramm gelungen.

Diesmal ist der Herr Kommissar, ist Udo Wachtveitl, den man vom "Tatort" her in der Rolle des Franz Leitmayr kennt, der Fremdenführer durch die Geschichte. Und was für eine Geschichte: Tausend Jahre Bayern erklärt der "Presenter" so, dass es einem nie langweilig wird. Leitmayrs Ghostwriter Christian Lappe (Idee und Buch) verfiel auf die glorreiche Idee, das vergangene Jahrtausend in zehn Jahrhundert-Kapitel zu unterteilen und deren jedes einer bayerischen Stadt zuzuteilen - von Bamberg und Würzburg bis München, wie sich versteht. Gut erhaltene Baudenkmäler, ein engagierter Sprecher und spannende Fragestellungen abseits des Schulwissens machen selbst ein gewisses Reenactment-Überangebot sehr erträglich.

Die Casting-Agenturen haben ganze Arbeit geleistet, die zur Verfügung stehende Laienspielschar aus allen bayerischen Gauen würde für ein gutes Dutzend Hollywood-Schinken reichen. Was einst auf dem Mist britischer History-Erfinder gewachsen ist, trägt auch im Falle der bayerischen Wurzelsuche Früchte. Selbst der Bademeister oder Ministrant von nebenan weckt mit seiner gotischen Silhouette Stoffinteresse, wenn er den Rittersmann oder Knappen spielt.

Die Staffelübergabe an den knorrnasigen Historienmoderator oder eben "Presenter" Wachtveitl klappt überraschend tadellos. Gelassener als manch einer, der sich beim Vorbild "Terra X" schon plagen musste, fühlt sich der hauptamtliche Kommissar in die Dozentenrolle ein. Gekrümmten Hauptes, sich schräg flätzend oder stramm fürbass schreitend, dazu fast immer ein wenig gequält ob der Last des Eigenwissens zelebriert Wachtveitl seine Zivilisations- und Kulturgeschichte - fast so, als hätte ihn tatsächlich der berühmte "Mantel der Geschichte" gestreift. Wird es stofflich doch mal dürr, hilft er mit Einfühlung und Superlativen nach - offensichtlich hat er den Karl May gelesen.

Zum Start der Serie (11. Jahrhundert) sind im Bamberger Weltuntergangs-Evangeliar - passend zur nahenden Apokalypse im Inka-Kalender - comichaft die Augen der Akteure auf das Weltenende gerichtet, und die Hände recken sich abweisend dem Satan entgegen. Insgesamt aber wandelt man während der zehn aufschlussreichen Kapitel von früher Knechtschaft hin zur mühsamen allmählichen Emanzipation. Vom Raubrittertum zur Demokratie samt ihren Abstürzen in jüngster Zeit. Das alles wird erstaunlich plastisch an, jawohl, bayerischen Orten vorgeführt.

"Lebendige Geschichte wird erzählt und nicht gelehrt", hat der Noch-Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks, Gerhard Fuchs, seinem Sender ins Stammbuch geschrieben und das Fernsehen zum "größten Geschichtenerzähler der Gegenwart" ernannt. Schönes Schlussplädoyer jedenfalls für ein gelungenes Programm.

Sendetermine im Bayerischen Fernsehen: 31.03., 02. bis 05.04., 08. bis 12.04., jeweils 22.00 Uhr. Die Sendungen werden mit einem umfangreichen Rahmenprogramm ab 21.04., jeweils samstags, 20.15 Uhr, bei BR-alpha wiederholt.

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