Wieder Mord im Dritten Uwe Ochsenknecht und Diana Amt im charmanten Regio-Krimi "Der Bulle und das Landei" (Montag, 10. Mai, 20.15 Uhr, SWR-Fernsehen)

Regional ist besser - der SWR zeigt den nächsten Lokal-Krimi und lässt Uwe Ochsenknecht und Diana Amft in der Eifel ermitteln.
07.05.2010, 00:00
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Von Frank Rauscher

Regional ist besser - der SWR zeigt den nächsten Lokal-Krimi und lässt Uwe Ochsenknecht und Diana Amft in der Eifel ermitteln.

Was der nicht abebbenden Flut aus Hochglanzkrimis made in USA entgegensetzen? Regional ist besser! So heißt jedenfalls das neue, oder besser: das so eben wiederentdeckte Credo der deutschen Fernsehfiktion. Nachdem der BR mit seinen beiden nur im Bayerischen Fernsehen gezeigten Dialektkrimis "Freiwild. Ein Würzburg-Krimi" (2008) und "Erntedank. Ein Allgäu-Krimi" (2009) erfolgreich vorlegte und bereits unter dem viel sagenden Arbeitstitel "Sau Nummer vier" auch in Niederbauern einen dritten derartigen Film abgedreht hat, geht es nun im SWR-Fernsehen im gleichen Sinne weiter. "Der Bulle und das Landei" heißt der mit Uwe Ochsenknecht und Diana Amft in den Hauptrollen stark besetzte Heimatkrimi, der am Montag, 10. Mai, 20.15 Uhr das Publikum in ein schrulliges Eifelidyll entführt und dabei durchaus Reihenpotenzial offenbart.

Dieses neue, alte, also definitiv zeitlose Fernsehen beruht auf den Erfolg von Serien wie "Dahoam is dahoam", "Franzi" (BR), "Mord mit Aussicht" (ARD), "Die Fallers" (SWR) oder "Die Anrheiner" (WDR) und setzt deren Charme mit den Mitteln des relevanten Spielfilms und Krimis fort. "Tatort", mit noch klarerem Bekenntnis zum Regionalen und mit deutlich mehr Humor, könnte man sagen. Oder auch der "Tatort", wie ihn der WDR in Münster bereits exerziert. Das ZDF kommt wohl mit seiner Essener "Lutter"-Reihe am nächsten hin.

Natürlich, auch hier kommt dieser doch recht einfache, vorhersehbare "Bulle von Tölz"-Humor zum Tragen, der sich fast immer ums tödliche Charakter-Dreieck Bürgermeister-Pfarrer-Firmenboss dreht. Auch hier werden zwischen Fachwerk, Dorffest und Feldarbeit sämtliche gängigen Provinzklischees abgefeiert. Und auch hier werden zwei Polizisten zusammengeschmissen, die eigentlich gar nicht miteinander können, sich alsbald aber doch mögen. Irgendwie. Aber so etwas kann man eben lieblos machen - oder man macht es so charmant und mit allem gebührenden Respekt vor dem gastgebenen Provinzflecken, wie es der unter anderem auch für zahlreiche "Tatorte" verantwortlich zeichnende Regisseur Hajo Gies mit seinem Team hier tut.

Lustig: "Der Bulle und das Landei" beginnt im vollen C.S.I.-Großkotzduktus auf dem Parkdach eines Frankfurter Wolkenkratzers. Big-City-Kulisse, miese Mafiatypen im Designeranzug, fette Amischlitten, Geldkoffer mit Millionenbeträgen, Schusswaffeneinsatz ... Hauptkommissar Bernd Killmer (Uwe Ochsenknecht, mal wieder in einer herrlich kongenialen Macho-Rolle) hat ganze Arbeit geleistet und die schweren Jungs dingfest gemacht. Im schicken Großstadtpräsidium genießt er den Applaus und in der Nacht im Bett die Gegenwart einer Blondine, die selbst an den Stränden in Florida oder Malibu noch ein echter Hingucker wäre. Geiles Kommissarenleben, denkt man sich. Doch dumm nur: Killmers Chef schnallt soeben, wer da hinter seinem Rücken seine Frau vernascht. Für Killmer heißt es: sofortige Versetzung. In ein Eifel-Nest namens Monreal.

Dort ist es, wie nun erste Kamerafahrten übers hügelige Eifel-Land beweisen, zwar wirklich wunderschön. Aber für den strafversetzten Großstadtcop könnte der (tatsächlich existierende) Ort Monreal genauso gut auch "Hölle" heißen. Er will nur eines: so schnell wie möglich wieder zurück an seinen alten Arbeitsplatz. Denn: "Keine Kneipe, kein Kino, keine Weiber. Gar nichts. Die haben nicht mal einen Puff!" Auch die adrette junge Kollegin vor Ort, Kati Biver (Diana Amft, mindestens genauso zum Knutschen wie in der RTL-Serie "Doctor's Diary"), lässt ihn da erst mal völlig kalt. Doch dann, natürlich, geschieht ein Mord, und die Geschichte (Buch: Uwe Kossmann) nimmt eine entscheidende Wendung und richtig Fahrt auf ...

"Auch in kleinen Geschichten können sich große Probleme spiegeln", sagt Hajo Gies, der seinen Krimi mit federleichtem Schwung inszenierte. Und fürwahr: Es geht im Folgenden um durchaus Relevantes: Um die Bedeutung von Heimat etwa, um Freundschaft und Familienzusammenhalt - und um die Liebe sowieso. Es geht in jedem Augenblick, wenn auch manchmal verkitscht, um Identität. Und diese zu fördern, ist ja wohl primäres Anliegen der Dritten Programme der ARD.

"Der Film ist wunderbar in der Eifel verankert. Er wurde komplett in Monreal und Umgebung gedreht, die dortige Landschaft, der Dialekt, der Menschenschlag, all das spielt eine große Rolle", erklärt Autor Uwe Kossmann. "Land und Leute werden mit liebenswertem Augenzwinkern geschildert, Diana Amft und Uwe Ochsenknecht als Ermittlerduo wider Willen sind wahnsinnig komisch. Die werden die Menschen überall zum Lachen bringen." Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass der hier gesprochene Eifeldialekt dann doch um einiges verständlicher ist, als es bei den Kollegen in Franken oder im Allgäu der Fall war.

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