Die Rastatter Prozesse - Kriegsverbrecher vor Gericht - Di. 04.05. - ARTE: 20.15 Uhr Die Rastatter Prozesse - Kriegsverbrecher vor Gericht

Verbrechen gegen die Menschlichkeit: KZ-Täter auf der Anklagebank

Am 15. Mai 1946 begann im Rastatter Schloss einer der spektakulärsten Kriegsverbrecherprozesse der Nachkriegszeit. Das „Tribunal Général“ der Franzosen verurteilte in den folgenden Jahren über 2.000 Angeklagte. Die SWR / ARTE-Dokumentation erinnert an das lange vergessene Prozessgeschehen.
01.05.2021, 12:00
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Von Hans Czerny
Verbrechen gegen die Menschlichkeit: KZ-Täter auf der Anklagebank

Die junge Anwältin Helga Kloninger (Stefanie Bruckner) bereitet sich auf ihr Debüt vor Gericht vor. Täglich bekommt sie neue Fälle zugeteilt, in denen sie Nazi-Verbrecher vertreten soll, da sonst niemand diese Arbeit übernehmen möchte.

SWR / Moving Story Media / Hans Jakobi

„Die Rastatter Prozesse“, die der Dokumentarfilm von Judith Voelker (SWR / ARTE) mittels Akten und Zeugenaussagen rekonstruiert, waren 235 Prozesse, geführt wegen „Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verbrechen gegen den Frieden“. Angeklagt war ab dem 15. Mai 1946 vor allem Personal aus KZ-Lagern.

Anders als in den Nürnberger Prozessen ging es hier nicht um die Drahtzieher, sondern um die Handlanger, um direkt Beteiligte in den KZs auf jetzt französischem Besatzungsgebiet. Insgesamt mussten sich vor dem „Tribunal Général“ in Rastatt bis 1949 über 2.000 Angeklagte verantworten. Viele der Täter - sie wähnten sich in den KZs im rechtsfreien Raum - waren weder Gestapobeamte noch Mitglieder der NSDAP.

62 Angeklagte wurden hingerichtet

62 der Beschuldigten wurden schließlich hingerichtet. Nur ein knappes Viertel wurde freigesprochen. Dass die Prozesse hierzulande weitgehend unbekannt blieben, liegt nicht zuletzt an der Geheimhaltung der französischen Akten bis zum Jahr 2052. Historiker erhielten jedoch vor kurzem Einblick in die Akten, auf ihnen fußt das im Film rekonstruierte Geschehen. Dabei wird mit vielen Schauspielerin in Spielszenen gearbeitet.

Die vor Publikum geführten Rastatter Prozesse sollten ein Ort der Umerziehung sein. Vorbild waren die Prozesse der Amerikaner in Nürnberg und Dachau. Hier wie dort lautete die Anklage „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, eine neue juristische Neudefinition angesichts der Ungeheuerlichkeit der Naziverbrechen. Doch die Beweislage war oft nicht leicht, zudem mangelte es den Franzosen an juristischem Personal.

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