In Wahrheit – In einem anderen Leben - Fr. 23.04. - ARTE: 20.15 Uhr „In Wahrheit - In einem anderen Leben“

Wenn dem Opfer nicht geglaubt wird

Im fünften Saarlandkrimi der Reihe „In Wahrheit“ ermittelt Kommissarin Mohn im Fall einer brutalen Vergewaltigung. Doch die Erinnerungen des Opfers sind lückenhaft -
20.04.2021, 08:30
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Von Maximilian Haase
Wenn dem Opfer nicht geglaubt wird

Barbara Falk (Anja Kling, zweite von links) wurde Opfer einer Vergewaltigung. Staatsanwältin Tanja Kretschmar (Susann Uplegger, links) und Kommissarin Judith Mohn (Christina Hecke) wollen ihr bei einem Zusammenbruch helfen.

ZDF/ARTE/Christine Schroeter

Das Opfer erinnert sich nicht genau, männliche Ermittler zweifeln, der Frau wird nicht geglaubt: Der fünfte Film der Reihe „In Wahrheit“ spielt durch, was bei einem Verdacht auf Vergewaltigung noch immer viel zu häufig geschieht. Dabei geht es im Saarlandkrimi unter Regie von Jens Wischnewski gar nicht so sehr um die Suche nach dem Täter. Eher schon um die Suche nach Beweisen - und den richtigen Umgang mit traumatisierten Opfern. Auch dank einer mitreißenden Anja Kling in der Episodenhauptrolle gelingt ein empathischer wie deprimierender Krimi.

Hauptkommissarin Judith Mohn (Christina Hecke) hat einen aufreibenden Fall vor sich: Barbara Falk (Kling), so der Name des Opfers, ist in ihrem Haus überfallen und vergewaltigt worden. Während ihr Mann sich auf einer Klassenreise befand, verschaffte sich der unbekannte Täter Zutritt und betäubte die Frau mit GPL respektive K.O.-Tropfen. Das Problem: Aufgrund der Tropfen erinnert sich Falk kaum mehr daran, wie es zur Tat kam oder wie der Täter aussah. Warum finden sich keine Einbruchsspuren? Kannte sie den Eindringling? „Als wäre ich unter Wasser“, beschreibt die Frau den Kommissaren das dumpfe Gefühl.

Machosprüche der Kollegen

Es kommt, wie es auch in Realität oft kommen muss: Vor allem die männlichen Ermittler aus Saarlouis, so auch Hauptkommissar Zerner (Rudolf Kowalski) und Freddy Breyer (Robin Sondermann), scheinen dem Opfer nicht mehr zu glauben. Die Zweifel haben Konsequenzen: Falk zieht ihre Anzeige zurück, verzweifelt gleichsam am Druck, den patriarchale Ungläubigkeit und verschwommene Erinnerungen erzeugen. Lediglich Kommissarin Mohn glaubt ihr, ermittelt ohne die Hilfe der Kollegen weiter, von denen etwa Mirco Hambach (Hendrik Duryn) auch gegenüber der Ermittlerin ohnehin lieber den alten Machospruch „Hat die ihre Tage oder was?“ auspackt. Immerhin: Nach seiner Verfehlung zeigt sich Hambach dann doch solidarischer als erwartet.

Bei einer Gegenüberstellung erkennt Falk seltsamerweise die Stimme des Täters. Sie bricht im Polizeirevier zusammen und landet in einer psychiatrischen Klinik. Anja Kling versteht es vortrefflich, die traumatischen Erlebnisse ihrer Figur in bedrückend-realistisches Schauspiel zu übersetzen, kontrastiert vom ermittlerischen Business-as-usual, das letztlich dazu führt, dass der Verdächtige entlassen und der Fall zu den Akten gelegt wird. Dass erst fünf Jahre später ein Leichenfund die mögliche Vergewaltigung von damals wieder ins Blickfeld der Ermittler rückt, erweist sich als kluger - und deprimierender - Krimi-Kniff: Der Zufall muss helfen, denn am Opfer wird gezweifelt.

ARTE zeigt den Film als Erstausstrahlung, das ZDF wird zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

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