Zwischen Krokodilstränen und Morgenlatte "Wissen macht Ah!" erklärt nicht nur Kindern die Welt

Wie macht man eine gute Kindersendung? Indem man sie nicht für Kinder macht. Findet zumindest Ralph Caspers.
11.05.2012, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine Metzger

Wie macht man eine gute Kindersendung? Indem man sie nicht für Kinder macht. Findet zumindest Ralph Caspers.

Die kleinsten sind oft die gemeinsten: Scheinbar harmlose Fragen der Sprösslinge können Eltern ganz schön ins Schwitzen bringen. Warum klopft man auf Holz, um Unglück abzuwenden? Wieso heißen Krokodilstränen Krokodilstränen? Und wie gehen eigentlich Tour-de-France-Fahrer aufs Klo? Solche Fragen werden im Fernsehen seit 2001 verlässlich beantwortet: bei "Wissen macht Ah!". Neue Folgen gibt es ab 28.05., immer montags bis donnerstags, um 19.25 Uhr, im KIKA, zu sehen. Ältere werden regelmäßig samstags, um 08.05 Uhr, im Ersten, wiederholt. Dabei haben einige der Zuschauer Übergröße ...

Wie macht man eine gute Kindersendung? Die verantwortliche Redakteurin Hilla Stadtbäumer erklärt die drei Ziele, die sie und ihr Team mit jeder Ausgabe erreichen wollen: "Es werden Fragen beantwortet, die Kinder interessieren, und sie werden so beantwortet, dass Kinder es verstehen. Es muss sehr unterhaltsam sein." Die Themen ergeben sich oft aus Zuschauerfragen, aber auch aus eigenen Überlegungen der Redaktion. Nach der Themenfindung werden die einzelnen Ideen sorgsam abgeklopft: Passen sie zur Zielgruppe der Acht- bis Zwölfjährigen? Lassen sie sich gut recherchieren? Und kann man sie überhaupt in der kurzen Zeit der Sendung schlüssig präsentieren?

Außerdem sehr wichtig bei "Wissen macht Ah!": Die Zuschauer sollen mitmachen können. Die erklärenden Doku-Clips der Sendung werden immer flankiert von Experimenten und Basteleien, die das Moderatorenduo im Studio präsentiert, und die von den Kindern daheim mit einfachen Mitteln selbst ausprobiert werden können. So zeigen Ralph Caspers und Shary Reeves etwa, wie man aus einer leeren Dose, ein wenig Klarsichtfolie und einem Klebeband eine Unterwasserlupe bastelt oder wie man mithilfe eines Einmachglases, eines Siebs und einer Schreibtischlampe die Tierchen untersuchen kann, die sich normalerweise tief in der dunklen Gartenerde vergraben.

Eine Menge Arbeit für Caspers, der nicht nur gemeinsam mit Kollegin Reeves das Gesicht der Sendung ist, sondern auch der Kopf dahinter: Er schreibt die Moderationen und recherchiert die Experimente, die in der Sendung vorgeführt werden. Dafür verwendet er Bücher oder spricht mit Experten; Internetrecherche kommt für ihn kaum in Frage: "Ich muss sicher sein, dass es ganz genau so stimmt." Doch selbst wenn alles ganz genau so stimmt - vor der Kamera klappt das längst nicht immer. "Von zehn Versuchen funktioniert einer", so Caspers. Manchmal nicht einmal das. Auch kein Drama, wenn man damit umzugehen weiß. Der Moderator erinnert sich etwa an einen feuchten Tag, an dem die statische Aufladung der Haare mittels eines Luftballons partout nicht klappen wollte. "Da haben wir eben erklärt, warum das so ist, und das war dann auch gut so."

Das Konzept kommt gut an - nicht nur in Deutschland: "Wissen macht Ah!" wurde bereits nach China exportiert, und auch in Russland gibt es einen Ableger, in dem nicht nur die Dokumentationen übernommen werden, sondern auch der Wortlaut der Moderationen. Und vielleicht kommt bald noch ein weiteres Land hinzu: "Wir haben gerade eine Anfrage eines arabischsprachigen Senders", verrät Redakteurin Stadtbäumer.

Doch die Sendung funktioniert nicht nur über Landesgrenzen hinweg, sondern auch über Altersgrenzen: "Es sind genauso viele Erwachsene wie Kinder - sogar welche, die nicht unbedingt selbst Kinder haben", sagt Moderatorin Shary Reeves über ihre Zuschauer. Kein Wunder: Die Sendung wird auch nicht für Kinder gemacht - oder zumindest nicht nur. "Ich mach das eher so für mich. Wenn ich etwas witzig finde, dann ist es gut so", erklärt Ralph Caspers. Auch Kollegin Reeves passt ihre Moderationen nicht an das kindliche Publikum an: "Das Einzige, was man beachten muss, ist, dass man authentisch ist", sagt sie - und schiebt dann doch ein kleines Zugeständnis hinterher: "Nur Fremdwörter sollte man nicht benutzen."

Für die große Fangemeinde der großen Zuschauer gab es auch schon drei "Spätausgaben", die nach 22 Uhr gesendet wurden. Da erklärten Caspers und Reeves unter anderem, wie und warum eine Morgenlatte entsteht; zu den Gaststars zählte auch Dolly Buster. Eine weitere Sendung, so Stadtbäumer, sei angedacht. "Aber es ist eine Frage des Sendeplatzes und des Geldes, und im Moment mangelt es an beidem. Aber es macht höllisch Spaß. Da konnte man alles ausleben, was man sonst nie konnte. Und es war trotzdem informativ!" Ein bisschen müssen sich die erwachsenen Klugscheißer - so die liebevolle Bezeichnung der Sendung für ihre wissbegierigen Zuschauer - noch bis zur nächsten Spätausgabe gedulden: "2013 kann man vielleicht damit rechnen."

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