"Polizeiruf 110"-Rezension Zu viel gewollt

Bremen. Die Onlineredaktion des WESER-KURIER rezensiert jeweils die aktuelle Folge des "Polizeiruf 110" - diesmal: "Kinderparadies" des BR.
30.09.2013, 06:10
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Zu viel gewollt
Von Sarah Haferkamp

Bremen. Die Ermittlungen in einem Mordfall führen Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) bei seinem sechsten Fall in einen Elite-Kindergarten. Die dortige Heile-Welt-Fassade bröckelt allerdings schnell. Weniger schnell ist der Täter zu ermitteln, denn der mit Rückblenden gespickte Krimi lässt den Zuschauer erst einmal verwirrt dastehen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Ella Werken (Lisa Wagner), die Mutter der kleinen Lara, wird ermordet aufgefunden. Erste Ermittlungen führen Hanns von Meuffels in den frisch eröffneten elitären Kindergarten „Kinderparadies“, den Werkens Lebensgefährte Joachim Grand (Johannes Zeiler) mit viel Geld und Engagement aufbaut. Von Meuffels hat allen Grund, hier zu ermitteln: Die Elternschaft ist gerade dabei, sich wegen des aggressiven zweijährigen Bruno zu zerstreiten, der anderen Kindern angeblich regelmäßig schwere Bissverletzungen zufügt. Die Mutter von Bruno, Valeska Steier (Annika Kuhl), wird als Kindergartenleiterin doppelt zur Verantwortung gezogen und Ella Werken als Wortführerin des Konflikts ausgemacht.

Lesen Sie auch

Regisseur Leander Haußmann (Sonnenallee, Herr Lehmann) arbeitet mit allerhand Rückblenden, die einerseits Wiederholungen gezeigter Szenen sind und andererseits Zusammenhänge erklären. Das verwirrt - vor allem zu Beginn des Krimis. Besonders konfus wird es, als Haußmann den Kommissar durch eine Erinnerung des verdächtigen Joachim Grand wandern lässt. Das lässt zwar einen Hauch von amerikanischer Krimiserie wehen, wirkt aber leider zu angestrengt modern. Davon abgesehen überzeugt Haußmanns Regiearbeit. Über dem Film hängt kein Krimi-Inszenierungs-Muff wie es der Zuschauer von diversen Tatort-Produktionen gewohnt ist. Rückblenden als Stilmittel einzusetzen, passt ins verstrickte Bild der Beziehungstat, die im Film langsam aufgedröselt wird. Ein sparsamerer Umgang damit wäre jedoch besser gewesen.

Haußmann muss jedoch auch gezwungenermaßen auf Emotionalisierungen setzen, denn das Drehbuch (Daniel Nocke) gibt nicht viel her. Eine Beziehungstat im Kreise eines Elite-Kindergartens – weder das Thema, noch der Mord rühren wirklich an.

Eigentlich ist das schade, denn Matthias Brandt als distinguierter Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels ist einer der besten Ermittler in der Tatort- und Polizeiruf-Landschaft. Er spielt den stoisch gelassenen Kommissar, der übrigens von Bremen aus an die Isar gekommen ist, überzeugend und mit viel Charme. Eine echte Alternative zu den Münchener-Tatort-Ermittlern Batic und Leitmayr, die seit 1991 den Tatort-Zuschauer langweilen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+