Initiative „Fotokunstbremen“ organisiert seit mehreren Jahren Ausstellungen / Herbstprogramm vorgelegt

Fotografie als Zeitmaschine

Bremen. Es ist eigentlich eine Binsenweisheit, und jeder professionelle Fotograf wird es bestätigen. Es kommt bei einem guten Bild nicht unbedingt auf die Technik an, sondern eher auf den Blick des Fotografen.
29.08.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Fotografie als Zeitmaschine
Von Uwe Dammann

Es ist eigentlich eine Binsenweisheit, und jeder professionelle Fotograf wird es bestätigen. Es kommt bei einem guten Bild nicht unbedingt auf die Technik an, sondern eher auf den Blick des Fotografen. Die Fotografie ist das Medium unserer Zeit – aber ist sie auch reif für Kunstmuseen und Ausstellungen? Diese Frage würde die Initiative Fotokunstbremen eindeutig mit ’ja’ beantworten. Seit vier Jahren setzt sich die Initiative dafür ein, Fotokunst in Ausstellungen zu präsentieren. Jetzt legt sie ihr neues Herbst- und Winterprogramm vorgelegt.

2011 haben die Galeristen und Kulturschaffenden Detlef Roth, Ele Hermel, Bernd Neumann und Ulrich von Behr „Fotokunstbremen“ ins Leben gerufen. Ulrich von Behr ist mittlerweile wieder ausgeschieden, aber die Initiative arbeitet engagiert weiter.

Seither wurden etliche Ausstellungen, Präsentationen und Gesprächsrunden zur Fotografie in einer eigenen Veranstaltungsreihe zusammengestellt, die jeweils ab Herbst für rund drei Monate stattfindet und den Besuchern ein vielseitiges Programm rund um das Thema Fotografie bieten will. „’Fotokunstbremen’ will den Diskurs über Fotografie in Bremen stärken und den Bedeutungswandel des Mediums veranschaulichen“, betonen Hermel, Roth und Neumann. Das Prinzip dabei: die Veranstalter, Museen, Fotografen und Galerien gestalten ihre Ausstellung autonom. Sich schwerpunktmäßig der Fotokunst zu widmen und damit aus den Milliarden von täglich produzierten Bildern nur wenige für eine Ausstellung auszuwählen, erscheint im Zeitalter der Digitalkameras mutig, aber gleichzeitig auch sinnvoll. Denn Fotografie ist wahrlich nicht gleich Fotografie. In früheren Jahrzehnten seit der Erfindung durch Louis Daguerre im Jahre 1837 bestimmten technische Entwicklungen die Welt des fotografischen Fortschritts. Man erfand Glasplatten, Negativ, Objektive und immer präzisere Kameras.

Täglich Millionen Fotos

Die daraus entwickelte Aufnahmetechnik wird heute analoge Fotografie genannt. Allerdings: Wer fotografiert heute noch auf Film? Mittlerweile beherrscht die digitale Fotografie den Markt. Heute werden täglich Millionen von Fotos aufgenommen, mit kleinen oder größeren digitalen Kameras oder mit Smartphones. Die technische Seite der Fotografie ist dabei einfacher geworden. Blende, Belichtungszeit zu beherrschen, stellt nicht mehr die größte Hürde dar. Und schlecht sind die Bilder, die irgendwo in sozialen Netwerken oder anderswo gepostet werden, keinesfalls. Entscheidend ist der Blick des Fotografen, der Fotografin – damals wie heute. Trotzdem stellt sich die Frage, wie es kommt, dass die Fotografie trotz der enormen Bilderflut immer noch das Medium der Zeit ist. „Das fotografische Medium ist eine Zeitmaschine, die den Wandel festhält, und darin eine Beständigkeit bewahrt – wie wir uns sehen, wie wir leben, wie wir uns ändern, wie Bilder gemacht werden, wie wir die Bilder selbst und die Welt interpretieren“, betonen die Vertreter von „Fotokunstbremen“. Die Kraft des stillen Bildes sei geblieben, sogar als einzelnes vermag es im Augenblick die Welt festzuhalten. Unabhängig von der technischen und massenhaften Entstehung filtert sich Qualität in der Fotografie. Und Qualität finde sich in allen Genren der Fotografie – dokumentarisch, inszeniert, szenisch, situativ, künstlerisch. „Das fotografische Bild behauptet sich als globale Kommunikationsform und somit auch als Zeitmesser unserer Welt, unserer Lebenswelten und entsprechend unserer Bildwelten“. So begleitet jeder selbst den eigenen Wandel als Profi- oder Laienfotograf. Bilder ohne Ende. „Wir können das als Reichtum sehen, was vielleicht andere als Niedergang empfinden. Jeder Druck auf den Auslöser schafft Vergangenheit, die wir offenbar unendlich fortschreiben“, so die Sprecher der Bremer Fotokunstinitiative. Um die Vielfalt der fotografischen Lösungen aufzuzeigen, organisiert „Fotokunstbremen“ auch in diesem Jahr ein umfangreiches Ausstellungsprogramm, an dem die unterschiedlichsten Bremer Einrichtungen beteiligt sind. Im Focke-Museum ist noch bis zum 13. September die Ausstellung von Julia Baier zu sehen, die die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen auf ihren Tourneen begleitet hat. Ab dem 3. September ist in der Produzentengalerie im Schnoor die Ausstellung „Verborgene Orte“ zu sehen. Die Fotografin Elke Schmidt hat Orte im diffusen Abendlicht fotografiert.

Am 4. September gibt es in der Galerie des Westens die Ausstellung „Fantasy“ der Künstler Henrik Jacob und Manfred Kirschner, die hier unter anderem großformatige Fotos zeigen, die in ein Gesamtwerk aus Fotografie, Objekten, Malerei integriert werden. In der Galerie K startet ebenfalls am 4. September die Ausstellung „Ukrainische Nacht – Fotografien Miron Zownir“. Durch den engen Kontakt zu lokalen Aktivisten vor Ort konnte der Fotograf Einblicke in die schwierige Lebenswirklichkeit von Teilen der Bevölkerung, wie zum Beispiel von drogenabhängigen, in Ruinen hausenden Jugendlichen in Odessa gewinnen.

Interessant dürfte auch der Abend im Konzertsaal der Hochschule der Künste am Freitag, 11. September, werden. „Poems of Love and Rain“ feierte seine Weltpremiere 1965 im Metropolitan Museum in New York. Ned Rorems vertonte Gedichte werden begleitet von projizierten Bildern des Essener Medienkünstlers Piet Wessing. Und ab dem 18. September gibt es in der Weserburg, im Zentrum für Künstlerpublikationen, eine Fotoausstellung von Manfred Förster zu Künstler/Büchern zu sehen. Am 25. zeigt die Galerie Mitte im Kubo Bilder von Fotografen aus Bremen und Riga.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Ausstellungsreigens im September. Auch in den darauffolgenden Monaten werden weitere Fotoschauen zu sehen sein. Unter anderem ab 18. Oktober in der Villa Sponte „Flora & Fauna der GFF – Gruppe zur Förderung zeitgenössischer Fotografie“ oder die Ausstellung „Die Entdeckung der Dinge. Fotografie und Design“ ab dem 6. November im Wilhelm-Wagenfeld-Haus. Komplettierend gibt es ein Programm mit Vorträgen, Gesprächen, Fotoprojektionen und Musik, einen klassischen Lichtbild-Vortrag, außerdem ein Tages-Fotoshooting „sich portraitieren lassen”.

Genaue Details zum umfangreichen

Ausstellungsprogramm gibt es unter

www.fotokunstbremen.de

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