In Brasilien überprüfen Studenten kulturwissenschaftliche Theorien / Ausstellung bis Ende Januar

Fotos über die Widersprüche eines Landes

Bremen. Drei Studentinnen und ein Student haben sich im August auf den Weg nach Brasilien gemacht. Sie forschten vor Ort und entdeckten das widersprüchliche Leben im Land.
11.01.2015, 00:00
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Von Antje Noah-Scheinert
Fotos über die Widersprüche eines Landes

Ethnologie-Studenten der Uni-Bremen – sie beschäftigten sich mit der brasilianischen Kultur und stellen die Ergebnisse aus.

Petra Stubbe

Drei Studentinnen und ein Student haben sich im August auf den Weg nach Brasilien gemacht. Sie forschten vor Ort und entdeckten das widersprüchliche Leben im Land. In einer Fotoausstellung in der Universität zeigen sie die Ergebnisse der kulturwissenschaftlichen Reise.

Gemeinsam mit ihrer Seminarleiterin Eliane Fernandes Ferreira vom Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaften machten sich Lennart Grabe, Manuela Skrabanik, Patricia Glabischewski und Behsad Hosseini Akhavan kurz nach dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 26. Juli auf den Weg nach Poços de Caldas in Brasilien. Die Stadt ist mit 150 000 Einwohnern verhältnismäßig klein und gilt als wichtiger Ort für Wirtschaft und Tourismus im Südosten Brasiliens. Diese Reise ging aus dem Seminar „Brasilien: Fußball und Kultur“ hervor. Die Studenten des siebten Semesters wollten vor Ort die Theorien überprüfen, die sie in der Universität lernten.

Manuela Skrabanik hatte sich gut vorbereitet. Die Kunststudentin wusste, dass sie in Brasilien keine innovative Kunstszene erwarten konnte: „Brasilien hat keine eigene Kunstgeschichte, die Trends kamen aus Europa.“ In Poços de Caldas nutzte sie die Gelegenheit, vor Ort Künstler, Galerien und Museen kennenzulernen. Ihr Fazit: „Ich habe ein Interview mit einem engagierten Künstler gemacht, aber festgestellt, dass Kunst kaum von der Bevölkerung angenommen wird und sich so nur schwer entwickeln kann. In der Schule gibt es zwar Kunstunterricht, aber dort wird keine Geschichte vermittelt.“

Lennart Grabe, Student der Politikwissenschaft, nahm sich die soziale Struktur im Land vor und war überrascht. „Poços de Caldas ist recht wohlhabend, dennoch gibt es auch hier die Kluft zwischen Arm und Reich.“ Verantwortlich macht er dafür die Schulbildung: „Schon die Grundschüler müssen auf teure Privatschulen geschickt werden, wenn sie eine gute Ausbildung erhalten sollen“, sagt Grabe, „ und das kann sich nicht jeder leisten.“

Begeistert waren er und seine Kommilitonen von der Sauberkeit der Stadt: „Das war sehr untypisch für Brasilien, aber beeindruckend.“ Ebenso erstaunlich fanden die Studenten, dass viele kulturelle Veranstaltungen gratis angeboten wurden. „Sie werden vom Staat bezahlt, so erhalten die Bürger etwas zurück“, meint der Politologe.

Um Sport und Essen kümmerten sich Patricia Glabischewski und Behsad Hosseini Akhavan. „Sportstudios sind teuer“, sagt Glabischewski, „deswegen treiben die meisten draußen Sport.“ Sie interessierte sich vor allem für das Angebot neben Fußball. „Paragliding gehört zu Poços und natürlich Capoeira, eine brasilianischen Kampfkunst.“ Beides hat sie ausprobiert und festgestellt, dass es Spaß macht, aber in Brasilien eine Männerdomäne ist. Sportliche Frauen gebe es nur selten.

Auch die Konsumgewohnheiten standen im Fokus. „Ohne Kaffee geht gar nichts“, stellte Behsad Hosseini Akhavan fest. Er werde stark gesüßt getrunken. „Überhaupt: Das Essen in Brasilien ist fleisch- und zuckerlastig. Aber die Menschen sind sehr gastfreundlich. Bei jedem kommt sofort eine Kleinigkeit auf den Tisch“, sagt er.

Ihre Eindrücke haben die Studenten in Tagebüchern festgehalten, die die Besucher der Ausstellung ansehen können. Vier weitere Kommilitonen blieben in Bremen und entwickelten nach dem Aufenthalt die Aufbereitung der Ergebnisse. „Özlem Arslan, Selina Jehle, Marie-Julie Knappertsbusch und Caroline Labes organisierten die Ausstellung, übernahmen die Öffentlichkeitsarbeit und das Sponsoring“, sagt die Dozentin.

Die Ausstellung ist bis zum 27. Januar im Foyer des MZH der Universität in der Bibliothekstraße zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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