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Frank Lüdecke erhält Deutschen Kabarett-Preis

Nürnberg. Mal laut, mal leise, mal gesungen, mal geschauspielert: Bei der Verleihung des Deutschen Kabarett-Preises 2009 haben die Preisträger am Samstag in Nürnberg den Finger in die Wunden der Gesellschaft gelegt.
10.01.2010, 12:50
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Frank Lüdecke erhält Deutschen Kabarett-Preis

Deutscher Kabarett-Preis 2009

dpa

Nürnberg. Mal laut, mal leise, mal gesungen, mal geschauspielert: Bei der Verleihung des Deutschen Kabarett-Preises 2009 haben die Preisträger am Samstag in Nürnberg den Finger in die Wunden der Gesellschaft gelegt.

Der mit 6000 Euro dotierte Hauptpreis ging an den Berliner Frank Lüdecke, der bei seinen satirischen Analysen die ruhigen Töne bevorzugt. Lüdeckes hintergründiges, klassisch-politisches Kabarett lebe von subtilen Pointen, nachdenklichem Spott und einem vielschichtigen Themenspektrum, urteilte die Jury.

Den Förderpreis im Wert von 4000 Euro erhielt Mathias Tretter, der sich als einer der wenigen Kabarettisten der jungen Generation explizit dem schnörkellosen Polit-Kabarett verschrieben habe. Den mit 2000 Euro ausgestatteten Sonderpreis sprach die Jury dem Bochumer Jochen Malsmheimer zu, der als Erfinder des epischen Kabaretts mit geschliffenen Formulierungen, feiner Ironie und umwerfender Komik auf der Bühne zu einer entfesselten Naturgewalt werde. Der Deutsche Kabarett-Preis wird seit 1991 vom Nürnberger Burgtheater verliehen, gestiftet ist er von der Stadt Nürnberg.

Sämtliche Preisträger gaben ebenso wie Vorjahresgewinner und Moderator Andreas Rebers vor einem begeisterten Publikum Kostproben ihres Könnens. Materialismus, Klimaschutz, Wirtschaftskrise: An aktuellen Themen war kein Mangel. «Wir haben in Deutschland seit 1818 die Trennung von Staat und Kirche. Und seit 1989 die Trennung von Wirtschaft und Moral», beklagte etwa Lüdecke, bevor er mit Blick auf deutsche Kommunalhaushalte Übersetzungshilfe leistete: «Cross boarder leasing bedeutet halbkriminelles finanzielles Scheingeschäft.»

Der gebürtige Würzburger Mathias Tretter hielt vor allem seiner eigenen Generation den Spiegel vor: In wahnwitzigem Tempo schlug der 37-Jährige den Bogen von derzeitigen Modenamen («Bei uns im Viertel heißen die Kinder heute Paul Echnathon!») über Kleinkindchinesisch, den Klimawandel, das gehäufte Auftreten von geländegängigen Sportwagen (SUVs) in Städten bis hin zur Beliebtheit von Kochshows, die sich im Freundeskreis in abgehobenen Dinner-Runden mit großer Abendgarderobe niederschlügen.

Bodenständig zeigten sich dagegen die Essgewohnheiten Malmsheimers, der dem guten alten Wurstbrot hinterhertrauerte. Und blitzschnell zwischen verschiedenen Rollen springend zeigte, dass auch das Radio in der guten alten Zeit besser war als das belanglose Geschwätz heutiger Gesprächsrunden. (dpa)

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