Liebeslügen oder Treue ist auch keine Lösung

Frauenkomödie im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater

Ob single, verheiratet ohne Kinder oder überforderte Mutter - richtig glücklich sind die Frauen in "Liebeslügen oder Treue ist auch keine Lösung" alle nicht. Am Ende kommen sie aber alle zur gleichen Erkenntnis.
20.03.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulrike Cordes
Frauenkomödie im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater

Ex-„Blümchen“ Jasmin Wagner (links) als Birgit, Caroline Kiesewetter (Mitte) als Julia und Anke Fiedler als Nathalie in einer Szene aus „Liebeslügen“.

dpa

Ob single, verheiratet ohne Kinder oder überforderte Mutter - richtig glücklich sind die Frauen in "Liebeslügen oder Treue ist auch keine Lösung" alle nicht. Am Ende kommen sie aber alle zur gleichen Erkenntnis.

Eine Singlefrau sucht einen Lebensabendbegleiter, eine Verheiratete hadert mit ihrer Kinderlosigkeit, und eine überforderte Familienmutter scheint sich mit der Unvollkommenheit des Daseins abzufinden. Alle drei Freundinnen verstehen es dabei, ihre geschlechtsspezifischen Sorgen und Nöte wortwitzig und schlagfertig auf einen Punkt zu bringen.

So sieht es also aus, das Personal in Ildikó von Kürthys Komödie „Liebeslügen oder Treue ist auch keine Lösung“ – und es kommt einem in zweifacher Hinsicht sehr vertraut vor. Denn einerseits kennt man solche weiblichen Wesen in der Mitte des Lebens. Und andererseits bestücken diese seit 1999 die millionenfach verkauften Unterhaltungsromane der Journalistin und „Brigitte“-Kolumnistin.

Kein Wunder also, dass die Uraufführung von Kürthys’ erstem Bühnenstück am Donnerstagabend im privaten Hamburger Ernst-Deutsch-Theater zum Publikumserfolg geriet – bei den Damen mehr noch als bei den Herren, wie Foyergespräche signalisierten. Für die zweistündige Inszenierung des zeitgeistigen Konversationsstücks durch Andreas Kaufmann gab es jede Menge zustimmendes Gelächter und Applaus, auch für die 48-jährige Autorin, die am Ende strahlend auf die Bühne kam. Gerade erst hatte sie mit ihrem im Dezember erschienenen Selbsterfahrungsbericht „Neuland“, für den sie sich unter anderem vorübergehend die Haare blondierte, bundesweit Furore gemacht.

Prominente Besetzung

Der flotte Bühnen-Dreier ist mit dem einstigen „Rosenstar“ Caroline Kiesewetter (Familienmutter Julia), Ex-„Blümchen“ Jasmin Wagner (Ehefrau Birgit) und Musicaldarstellerin Anke Fiedler recht prominent besetzt. Die Aufmerksamkeit zieht zunächst Fiedler als blondlockiger Single Nathalie in schwarzen Ledershorts auf sich. „Er gefällt mir – er ist die perfekte Mischung aus Waschlappen und Bauarbeiter“ schwärmt die Männermordende von ihrer neuesten Eroberung – mal wieder ein verheirateter Mann.

Nathalie turnt auf der Sitzlandschaft der Szene-Bar herum, in der sich die Frauen treffen und reißt ihr Mundwerk auch sonst weit auf: „Ich bin Männer gewöhnt, die die ’Sportschau’ einschalten, wenn ich diskutieren möchte“, ätzt sie – um schließlich ihre Sehnsucht nach einem normalen, stinklangweiligen Frauenalltag zu bekennen.

Weibliche Sehnsucht nach einem Leben zu zweit

„Ich will auch eine lange Beziehung, in der ich Hosen mit Gummizug tragen kann“, gesteht sie ihren Freundinnen. Denn das ist der Twist an diesem klischeeträchtigen und verbal oft drastischen Geschlechterszenario: Jede der Frauen ist dann doch nicht die, als die sie scheint. So hat sich die brav bebrillte, von Wagner sympathisch verkörperte Birgit zwar bei ihrer frühen Eheschließung pragmatisch für Sicherheit statt für Leidenschaft entschieden, doch eines Tages rumoren auch in ihr Urtriebe. Derweil predigt Kiesewetters Julia, dank Beruf, Kind, dementer Schwiegermutter und inkontinentem Labrador in der Pflichtenfalle, „Verzicht aus Liebe“.

Manche der aphorismusartig zugespitzten Dialogsätze haften im Ohr. „Wer Liebe will, der muss auf Leidenschaft verzichten. Und wer Treue will, der muss auf beides verzichten“, heißt es etwa seitens Nathalie. Doch spätestens, wenn am Stückende alle drei den alten Schlager „Irgendwo auf der Welt gibt‘s ein kleines bisschen Glück“ singen, ist sie plötzlich wieder da: die ewige, nicht tot zu kriegende, Trouble machende, romantische weibliche Sehnsucht nach einem in jeder Hinsicht glücklichen Leben zu zweit.

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