Katja Saltner aus Brillit fertigt und vertreibt ihren hausgemachten Brotaufstrich in 30 verschiedenen Sorten

Fruchtig und in aller Munde

Gnarrenburg. Gretas Gesicht ist mit leuchtend rotem Brotaufstrich verschmiert. Noch einmal beißt sie genüsslich vom Brot ab, während ihre Mutter lächelnd zusieht.
22.05.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Gabriele von Döllen

Gretas Gesicht ist mit leuchtend rotem Brotaufstrich verschmiert. Noch einmal beißt sie genüsslich vom Brot ab, während ihre Mutter lächelnd zusieht. Eine Szene wie aus der Werbung. Doch sie ist real. Die Mutter heißt Katja Saltner, wohnt in Brillit und hat während der Erziehungszeit eine ganz neue Erfahrung gemacht. „Ich dachte vorher, Marmelade zu kochen sei etwas für Omas“, sagt sie. Jetzt ist die junge Mutter selbst auf den Geschmack gekommen. Und der Erfolg gibt ihr Recht: Saltners Produkte sind gefragt und werden bereits von diversen Feinkosthändlern und in zwei Supermärkten angeboten. In nur wenigen Monaten hat sie es geschafft sie es, mit ihren fruchtigen Brotaufstrich unter dem Namen „KaSa‘s“ Käufer über die Landkreisgrenzen hinaus zu gewinnen.

Ihre Gründergeschichte beginnt typisch. Nach der Geburt der Tochter verkürzt Katja Saltner ihre Arbeitszeit; plötzlich hat sie mehr freie Zeit, denn Greta schlief am Anfang viel. Die riesige Brombeerhecke hinter dem Haus bringt die junge Mutter auf den Gedanken, Marmelade einzukochen. „Mit dem Babyfon in der Tasche habe ich die Brombeeren geerntet“, beschreibt Saltner die Anfänge.

Zunächst finden die Marmeladen begeisterte Abnehmer im Freundes- und Familienkreis. Ein kleines Geschenk ist immer willkommen; wenn es etwas selbst Hergestelltes ist, kommt noch die persönliche Note hinzu. „Auch meine Großmutter hat zu der Idee beigetragen“, berichtet Saltner weiter. Keine Ernte darf verkommen; das ist ein Leitspruch, den gerade die Kriegsgeneration tief verinnerlicht hat. Und so hilft die 92-jährige Oma tatkräftig mit, wenn es gilt, Brombeeren, Äpfel oder Birnen zu ernten.

Weitere glückliche Umstände helfen Saltner bei der Ausweitung der heimischen Produktion. Sie erinnert sich: „Wir hatten neu gebaut. Für meine Traumküche wurde das Geld knapp.“ Der Kompromiss ist eine günstige Küchenzeile in einem gesonderten Raum des Hauses, damit irgendwann die Wunschküche an ihrem ursprünglichen Platz als Blickfang im Wohn- und Essbereich installiert werden konnte. Das ist inzwischen längst geschehen, doch die alte Küchenzeile im abgetrennten Raum ist als Marmeladenküche geradezu ideal. Aus dem Fenster schweift der Blick über die weite Landschaft, lediglich begrenzt durch die große Brombeerhecke.

Direkt vor dem Fenster befindet sich die Sandkiste von Tochter Greta. Noch so eine praktische Lösung. In einer Ecke des Raumes stapeln sich Gläser bis unter die Decke. In einem gläsernen Kühlschrank türmen sich fertig etikettierte Gläser, und auf einer kleinen Anrichte in der Ecke warten hübsch verpackte Geschenke auf ihre Abholer.

Ein Reich, an dem auch die Lebensmittelkontrolle nichts zu mäkeln hat. Anfängliche Bedenken der strengen Aufseher hätten sich als unbegründet erwiesen, so Saltner. Sie könne dorthin jederzeit Kontakt aufnehmen und erhalte Hilfe auch bei komplizierteren Fragen. Diese tauchen zu Beginn insbesondere bei der Etikettierung auf. Marmelade? Konfitüre? Fruchtaufstrich? Für den Normalbürger handelt es sich zumindest um ähnliche Produkte, aber es ist genau geregelt, welche Bezeichnung auf dem Etikett stehen darf.

„Mit Fruchtaufstrich macht man nichts falsch“, erläutert Saltner. Die Bezeichnung Marmelade, hierzulande umgangssprachlich für vieles verwendet, sei als korrekte Etikettierung ausschließlich Produkten aus Zitrusfrüchten vorbehalten. Diese Bezeichnung und die der Konfitüre regeln sich durch die Konfitürenverordnung. Dabei sei eine Prozentangabe der Inhaltsstoffe obligatorisch. Für industrielle Fertigung kein Problem. Doch bei Saltners relativ kleinen Mengen ist die Vorgabe nur mit sehr hohem Aufwand zu erfüllen, da es sich zum Teil um extrem kleine Zutatenmengen handelt.

Daher also die Bezeichnung Fruchtaufstrich, denn für die genügt eine Liste der einzelnen Inhaltsstoffe. „Trotzdem dauert das Entwerfen und Kleben der Etiketten manchmal länger als das Kochen“, stellt die Köchin fest. Für solche Arbeiten nutzt sie die Fernsehabende. Um die Fruchtaufstriche auch außerhalb der Saison anbieten zu können, haben Saltners zwei große Gefriertruhen angeschafft. „Während der Heidelbeerernte war allein eine Truhe damit gefüllt“, sagt Saltner. Für Kirschen seien sie ins Alte Land gefahren, Äpfel und Birnen gibt es im Herbst auf dem Hof ihrer Mutter reichlich.

Überrascht wurde Katja Saltner durch die hohe Nachfrage. Vielen Familien fehle oft die Zeit für ein gemütliches, gemeinsames Frühstück, sucht Saltner nach einer Begründung. Das Wochenende sei da meist die einzige Gelegenheit. Viele möchten dann etwas Besonderes auf dem Tisch haben. Womöglich waren ihre hausgemachten Fruchtaufstriche genau das, wonach sie suchten. Denn Saltner bemüht sich, moderne und frische Kompositionen anzubieten: den etwas anderen Fruchtaufstrich. Der sei nicht nur fürs Brot gedacht, sondern schmecke hervorragend auch zu Milchreis, Pfannkuchen, Waffeln oder Eis.

„Mein Renner ist die Sorte Erdbeer-Lakritz“, verrät sie. Diese Zusammenstellung habe sie einer Kundin zu verdanken, die sich „etwas mit Lakritz“ gewünscht hatte. Da gerade Erdbeerzeit war, bot sich diese Mischung an. Saltner ist für Vorschläge jederzeit offen, probiert gerne neue Mischungen aus. Nur so ergeben sich die ungewöhnlichen Aufstriche ihres Angebots. Kiwi kombiniert mit Weißer Schokolade, Holunderblüten mit Apfel oder, zur Weihnachtszeit Spekulatius-Apfel oder Kirsch-Marzipan. Insgesamt sind es zurzeit mehr als 30 Sorten.

Um auf sich aufmerksam zu machen, besucht Saltner diverse Märkte. Auch die sozialen Netzwerke nutzt sie, um die Bekanntheit ihrer Produkte zu erhöhen. Über diese Kontakte kommen neben Anfragen und Bestellungen viele Anregungen zu neuen Kompositionen zu ihr. Die greife sie gern auf, bestätigt Saltner. Das Konzept funktioniere weit besser als erwartet. Inzwischen stößt sie an die Grenzen ihrer Kapazität. Freie Wochenenden sind selten geworden, aber einer ihrer größten Wünsche ist durch den Erfolg mit ihren Fruchtaufstrichen in Erfüllung gegangen: Für ihre Tochter ist sie jederzeit zu Hause, kann sich optimal kümmern.

Flexibel ist die Familie dennoch. Nach dem Vorbild der Gemüsestände an den Straßen hat ihr Mann die „Fruchtklappe“ gebaut. Am Haus steht damit Tag und Nacht ein Angebot an unterschiedlichen Fruchtaufstrichen bereit. So müssen keine Abholtermine abgestimmt werden. Bestellungen, die aus der Umgebung bei ihr eingehen, werden einfach in die „Klappe“ gestellt. Versand per Post bietet sie ebenfalls an.

Inzwischen sind auch örtliche Geschäfte aufmerksam geworden. Bäckereien, Modeläden und Schlachtereien, die spezielle Feinkostartikel anbieten möchten, nutzen die Chance einer Zusammenarbeit. Auch die beiden Edeka-Märkte in Gnarrenburg und Tarmstedt haben KaSa‘s Fruchtaufstriche inzwischen im Programm. „Das ist ein tolles Gefühl, wenn ich am Samstag das Regal aufgefüllt habe und am Dienstag schon einige Gläser weg sind.“

Katja Saltner hat noch einiges vor. Demnächst möchte sie auch den Gelierzucker selbst herstellen, da es dazu einige Anfragen gab. Man merkt ihr an, wie viel Freude sie am Experimentieren mit den Früchten und Zutaten hat. Ihre Fruchtaufstriche dürften weiterhin „in aller Munde“ sein.

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