Take That-Sänger in Hamburg

Gary Barlow macht die Elbphilharmonie locker

Bei seiner einzigen Deutschlandshow zeigt der Take-That-Sänger Gary Barlow am Freitag in der Hamburger Elbphilharmonie sein Talent fürs Entertainment.
13.10.2019, 20:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Nadine Wenzlick
Gary Barlow macht die Elbphilharmonie locker

Nur vom Klavier begleitet fesselte Barlow zeitweise das Publikum mit seiner Stimme und versetzte viele Fans zurück in die 90er-Jahre.

Claudia Höhne

„Für alle, die heute in der Nähe des Theaters sind – wir machen um fünf Uhr einen Soundcheck. Wenn ihr draußen steht, gebe ich mein Bestes, um euch reinzuholen“, schrieb Gary Barlow am Freitagmorgen auf Twitter. So kommt es, dass gegen 16.30 Uhr vor der Elbphilharmonie bereits eine beachtliche Menschentraube Wind und Wetter trotzt. Wenig später wird tatsächlich rund 30 Fans Einlass gewährt. Ein kostenloser Soundcheck – das hat es in der Geschichte von Hamburgs Vorzeigekonzerthaus noch nie gegeben.

Vielleicht ist es ein Versöhnungsangebot von Barlow an seine Fans. Denn die Tickets haben in der teuersten Kategorie stolze 289 Euro gekostet. Immerhin: Barlows Auftritt im Großen Saal ist seine einzige Deutschlandshow. Eigentlich befindet der 48-Jährige sich gerade mitten in den Aufnahmen für ein Orchester-Album, das im kommenden Jahr erscheinen soll.

Nach einem kurzweiligen Auftritt des britischen Musikers Nick Howard, der 2012 als Sieger aus der zweiten Staffel der Castingshow „The Voice Of Germany“ hervorging, gehört die Bühne Gary Barlow. Es ist noch nicht lange her, dass er mit seiner Band Take That im Hamburger Stadtpark gastierte. In der Elbphilharmonie beweist er, dass er seine Kollegen Mark Owen und Howard Donald gar nicht braucht, um die zumeist weiblichen Fans in Wallung zu bringen.

Bis auf zwei Stücke aus seinem Solowerk – die Ballade „Forever Love“ und das folkige „Let Me Go“ – stammen alle Songs von Take That. Begleitet wird Barlow dabei von den Take-That-Live-Musikern.

Zahlreiche Songs aus den Neunzigern

Neben Stücken wie „Shine“ und „Greatest Day“, die aus der Zeit nach der Wiedervereinigung der einstigen Boyband stammen, gibt es auch zahlreiche Songs aus den Neunzigern – allerdings in frischem Gewand. „Sure“, „Everything Changes“ und „Could It Be Magic“ spielt Barlow in einer Swing-Version, an der er selbst mindestens genauso viel Spaß hat wie das Publikum.

Auf keinen Fall fehlen darf natürlich die Originalchoreografie zu „Pray“ aus dem Jahre 1993, deren Bewegungsablauf Autorin Anja Rützel in ihrem gerade veröffentlichten Buch über Take That wie folgt beschreibt: Auf den „Weihwasser verspritzenden Priester“ folgen „die Luftsäge, der Yoga-Jesus, die Noch-fünf-Bier-bitte-Bestellung, die Taumelmumie, der Meer teilende Moses, der brennende Bettvorleger, die Migräneattacke und der eingerostete Kranich“. Großes Johlen im Publikum. Die meisten hält es sowieso längst nicht mehr auf ihren Sitzen. Eine so ausgelassene Stimmung herrschte in der Elbphilharmonie wohl noch nie.

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„Das ist mein Lieblingsteil der Show“, sagt Barlow, als er wenig später am Flügel Platz nimmt und die Ballade „A Million Love Songs“ anstimmt. Auf einmal ist es mucksmäuschenstill. Nur vom Klavier begleitet fesselt Barlow das Publikum mit seiner Stimme. Es ist nicht nur der bewegendste Moment des Abends, sondern auch der, der unmissverständlich klar macht, warum Take That die einzige Boyband ist, deren Verfallsdatum auch nach 30 Jahren einfach nicht abzulaufen scheint.

Ein Künstler durch und durch

Barlow, der jenen Song im zarten Alter von 15 Jahren in seinem Kinderzimmer komponierte, ist Künstler durch und durch. Bis heute schreibt er die Lieder für Take That, hat darüber hinaus für andere Künstler komponiert und mehrere Musicals geschrieben – unter anderem das auf den Songs von Take That basierende Stück „The Band“, das gerade in München läuft.

Darüber hinaus ist Barlow einfach ein großartiger Entertainer. Immer wieder sucht er den direkten Kontakt zu seinen Fans. Von der ersten Reihe verabschiedet er sich per Handschlag und als er sieht, dass eine ältere Besucherin in der ersten Reihe Probleme mit ihrem Smartphone hat, kommt er ihr zur Hilfe und nimmt ein Selfie mit ihr auf. Als das Konzert nach 90 Minuten mit „Never Forget“ zu Ende geht, verlassen die Fans den Saal mit einem beseelten Lächeln im Gesicht. Warum es mit Barlows Solokarriere nach dem zwischenzeitlichen Ende von Take That nie geklappt hat, bleibt für immer ein Rätsel. Aber es ist ja bekanntlich nie zu spät – und Barlow fängt scheinbar gerade erst so richtig an.

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