Wie wichtig gutes Benehmen im Berufsleben ist: Tipps einer Trainerin für Business-Etikette

Geheimnisse des Erfolgs

Bremen. „Nice to meet you!“ steht auf ihrer Visitenkarte. Direkt unter dem Namen.
23.12.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Geheimnisse des Erfolgs
Von Carolin Henkenberens

Bremen. „Nice to meet you!“ steht auf ihrer Visitenkarte. Direkt unter dem Namen. Dort, wo üblicherweise spröde Bezeichnungen wie „Geschäftsführer“ oder „Leiterin Abteilung Einkauf und Vertrieb“ zu lesen sind – oder auch hochtrabende englische Zungenbrecher wie „Chief Human Resources Officer“. Bei Gabriela Meyer steht an dieser Stelle einfach: Schön, Sie kennenzulernen! Sofort huscht dem Betrachter ein Lächeln über das Gesicht.

Genau das ist die Absicht. „Auch im Berufsleben sollte man andere viel öfter mal angenehm überraschen“, sagt Gabriela Meyer. Die Kommunikationstrainerin und langjährige PR-Koordinatorin an der privaten Jacobs University arbeitet als Expertin für gutes Benehmen in der Arbeitswelt. Als Inhaberin der Firma „Modern Life Seminars“ aus Oyten gibt sie Kurse für Geschäftsleute und Auszubildende. Meyer erklärt, wie sich das professionelle Auftreten verbessern lässt und was die Grundsätze der Business-Etikette sind. Einer lautet: Wer Ungewöhnliches macht und offen ist für neue Sichtweisen, ist dauerhaft erfolgreich. Und ungewöhnlich kann zum Beispiel schon ein netter Satz auf der Visitenkarte sein.

Um bei Geschäftspartnern, Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetzten gut anzukommen oder um beruflich wichtige Beziehungen zu knüpfen, zählen nicht nur fachliches Know-how, sondern vor allem ein gewinnendes Auftreten, sagt Gabriela Meyer. „Die Fähigkeit, Sympathie erzeugen zu können, ist oft ein Schlüssel zum Erfolg“, sagt Meyer. Nur wer freundlich, zuvorkommend und wertschätzend auftritt, wirke sympathisch.

„Zu einem guten ersten Eindruck zählt eine freundliche, herzliche Begrüßung“, sagt sie. Der Händedruck sollte angemessen kräftig sein, während man seinem Gegenüber gerade, aber sanft ins Gesicht sieht und nicht ins Weite blickt. Außerdem sei es ratsam, für die Begrüßung aufzustehen, wenn man selbst sitzt. „Mit dieser Haltung signalisieren Sie Respekt, und daran erkennt man gute Manieren“, findet die 49-Jährige.

In punkto Kleidung rät die Business-Etikette-Trainerin: „Kleiden Sie sich nach Möglichkeit immer einen Tick besser, als es Ihre Position verlangt.“ Allerdings sei der Look in vielen Branchen heute lockerer, Krawatte müsse nicht sein. Gar nicht angemessen seien ungepflegte oder zu verspielte Kleidung, ebenso wie durchsichtige Blusen oder unrasierte Achseln. Kettchen am Fuß untergrüben die Autorität.

Doch wie führe ich ein Gespräch mit dem Chef im Aufzug oder mit dem Geschäftspartner beim Essen? „Ein Trick für Smalltalk ist, das zum Thema zu machen, was Sie mit dem anderen in einer Situation teilen“, verrät die Kommunikationstrainerin. Zum Beispiel das wunderbare Essen, der strahlende Sonnenschein oder aber vielleicht auch der Stau auf der A1 bei der Anreise. Politik, Religion und Krankheiten seien keine geeigneten Smalltalk-Themen, sie trügen zu viel Konfliktpotenzial für eine lockere Plauderei.

„Es ist professionell und für die Kommunikation förderlich, sich vor einem Termin vorzubereiten und über den Gesprächspartner zu informieren, zum Beispiel über ein Business-Netzwerk wie Xing“, sagt die Knigge-Fachfrau. „Versuchen Sie nicht, sich interessant zu machen, sondern zeigen Sie Interesse an anderen. Das macht Sie interessant.“ Ebenso gelte: Hören Sie aufmerksam zu, stellen Sie Fragen, bringen Sie immer die Bereitschaft mit, etwas Neues dazulernen zu wollen.

„Einige Menschen merken nicht, dass sie ihr Gegenüber mit Details langweilen, sich ständig wiederholen oder ohne Pause von sich reden.“ Ein solches Feingefühl sei aber notwendig, um erfolgreiche Beziehungen aufzubauen. Kleine Gesten oder Hilfen könnten viel bewirken: „Grüßen Sie fröhlich, wenn Sie in einen Raum kommen, halten Sie der Kollegin einfach die Tür auf, oder bieten Sie Mitarbeitern Ihre Hilfe an.“

Aufmerksamkeit ist ein wichtiges Anliegen für Gabriela Meyer. Aus ihrer Sicht sind Empathievermögen und kleine Antennen für das Wohlbefinden des Gegenübers elementar für beruflichen Erfolg – und erlernbar. „Ich bin in einer griechischen Taverne in der Lüneburger Heide aufgewachsen und habe dort schon als kleines Mädchen die vielen unterschiedlichen Menschen beobachtet“, erzählt sie. Außerdem arbeitete sie vor ihrem Studium der Public Relations bei der Lufthansa als Flugbegleiterin.

Was sie in dieser Zeit gelernt hat: Es kann Wunder bewirken, sich zu bedanken. Nach einem Gespräch, nach einem netten Abend oder auch nach einem beruflichen Auftrag bedankt sich Meyer stets bei ihren Geschäftspartnern. Ihr Tipp: Bei neuen Kontakten direkt am Ball bleiben und innerhalb von 48 Stunden Kontakt über Xing, Twitter oder E-Mail halten. Wer andere um ihren Rat bittet oder sie nach ihrer Meinung fragt, gebe ihnen zudem die Möglichkeit, zu brillieren und sich wertgeschätzt zu fühlen.

Ein absolutes Tabu im beruflichen Kontext sei es, permanent schlechte Stimmung zu verbreiten, alles besser zu wissen oder anderen nicht zuzuhören. „Auch unangenehm ist es, fünf Tage die Woche über das Essen zu meckern“, findet Meyer. Was auch nicht geht: Kollegen, die in der Hierarchie unter einem stehen oder Servicepersonal nicht zu grüßen. Ebenfalls verbiete es sich, Wissen vorzutäuschen. „Wenn man etwas nicht weiß, sollte man das ehrlich sagen“, so die Fachfrau.

Und wenn im Aufzug oder beim Geschäftsessen doch mal peinliche Stille herrscht? „Auch männlichen Kollegen kann man einfach mal ein Kompliment zu ihrem Outfit machen“, rät Meyer. Damit die Stille gar nicht erst eintritt, sollte man stets offene Fragen stellen, die nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können.

Eine andere Option, die Gabriela Meyer lieber mag: „Humor! Machen Sie auf charmante Weise einen Witz über die Situation.“ Wer seine Gedanken in Worte fasse und sage „Jetzt stehen wir hier und schweigen uns an“ erzeuge mit seiner Ehrlichkeit einen Lacher. Und überraschend ist das oft auch.

„Wenn man etwas nicht weiß, sollte man das ehrlich sagen.“ Etikette-Trainerin Gabriela Meyer
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