Chuck Plaisance liefert ein Konzert mit Session-Charakter ab

Gewölbe wird zum Irish Pub

Vegesack.„Ausverkauft“ vermeldete das Plakat vor dem Eingang zum Vegesacker Gewölbe in der Sagerstraße am Freitagabend, als der Amerikaner Chuck Plaisance seinen Nordbremer Zuhörern zum wiederholten Male seine Aufwartung machte. Entsprechend herrschte im Inneren reger Betrieb.
20.01.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Pfeiff
Gewölbe wird zum Irish Pub

Seine Stärke ist der Live-Auftritt: US-Bluesrocker Chuck Plaisance.

Christian Kosak

„Ausverkauft“ vermeldete das Plakat vor dem Eingang zum Vegesacker Gewölbe in der Sagerstraße am Freitagabend, als der Amerikaner Chuck Plaisance seinen Nordbremer Zuhörern zum wiederholten Male seine Aufwartung machte. Entsprechend herrschte im Inneren reger Betrieb. Die Atmosphäre erinnerte indes eher an eine Kneipenveranstaltung als an ein konzertantes Kulturereignis: Anstatt stumm und auf den musikalischen Vortrag konzentriert an den bereitstehenden Tischen zu verharren, gönnten sich die Besucher bisweilen einen kleinen Klönschnack, stärkten sich am Buffet oder nickten wohlwollend zum Takt der Musik. Von Respektlosigkeit kann jedoch keine Rede sein, im Gegenteil schien der Amerikaner diese Atmosphäre zu forcieren und zu genießen: „Ich habe 25 Jahre in Hollywood gelebt. Das Publikum dort ist anders: Wenn man in Clubs auftritt, fühlt man sich von den Zuhörern herausgefordert, sie um jeden Preis beeindrucken zu müssen. Hier sind die Menschen offener und zugänglicher, wollen einfach Musik genießen und eine gute Zeit haben“, vermutet der seit sieben Jahren in Deutschland lebende Amerikaner. Sein Bremer Publikum kennt er durch mehrfache Auftritte im Gewölbe sowie bei „Tee im Park“ oder auf dem Festival Maritim bereits zur Genüge; die stimmlichen Qualitäten des professionellen Gesangslehrers haben sich augenscheinlich herumgesprochen. Von einem Konzert im klassischen Sinne lässt sich jedoch schwerlich sprechen: Über mehrere Stunden gibt Plaisance auf seiner zwölfsaitigen Akustikgitarre Auszüge aus seinem weit über tausend Songtitel umfassenden Repertoire zum Besten. Dass dies nicht immer hundertprozentig text- und akkordsicher vonstatten geht, scheint keinen der Anwesenden zu stören, die Atmosphäre im Gewölbe ist an diesem Abend am ehesten mit der eines irischen Pubs inklusive Livemusik vergleichbar. Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ ertönt ebenso wie Pink Floyds „Wish you were here“, Lynyrd Skynyrds „Sweet Home Alabama” und der Creedence-Clearwater-Evergreen „Bad Moon Rising”. Das Highlight des Abends folgt zu später Stunde: Mit den Gewölbebetreibern Martin Zemke und Regina Mudrich sowie Schlagzeuger Frank Konditt und Gitarrist Jacob Lewy formiert sich gegen Ende des Abends eine Band aus den Reihen des Musikervereins Kulturbunker um Plaisance, um mit ihm gemeinsam Standards wie „Johnny B. Goode“ und „Nights in white satin“ anzustimmen. „Zusammen geprobt haben wir nicht“, gibt Plaisance schmunzelnd zu Protokoll. Seine Vorliebe für Sessions ist es auch, auf die seine häufigen Reisen nach Bremen zurückzuführen sind: „Nach einem Auftritt in Münster wollten wir noch ein kleines Bluesfestival in Rheine besuchen“, erinnert sich Regina Mudrick an die erste Begegnung mit dem umtriebigen Amerikaner. „Leider waren die Konzerte dort schon vorbei, Chuck saß noch an der Theke, und als wir nach einem kurzen Gespräch feststellten, dass wir alle Musiker sind, holte Chuck aus einem Nebenraum der Kneipe noch spontan ein paar Gitarren, mit denen wir gemeinsam loslegten. Daraus ist schließlich ein freundschaftlicher Kontakt entstanden.“

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