Hafensänger- Contest

Wer wird Bremens erster „Hafensänger“? Diese Frage dürfte bald beantwortet werden. Ende des Jahres findet das Finale des Singer-Songwriter-Wettbewerbs statt.
24.12.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Linda Bussmann
Hafensänger- Contest

Feli rockt

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Wer wird Bremens erster „Hafensänger“? Diese Frage dürfte bald beantwortet werden. Ende des Jahres findet das Finale des Singer-Songwriter-Wettbewerbs statt. Seit April standen zahlreiche Künstler im Tower auf der Bühne. Drei Vorrunden waren notwendig, um einem Großteil der Bewerber eine Chance zu geben.

Dass sich der gesamte Contest über den Rest des Jahres erstreckte, war den vielen Bewerbungen geschuldet. Aus den drei Vorrunden ergab sich noch ein Halbfinale, das im Oktober stattfand. Nun folgt der Abschluss. „Es war der erste ,Hafensänger Contest‘ und das Interesse der Musiker war sehr groß“, berichtet Joshua Weingärtner vom Tower-Team. „Wir hatten über 80 Bewerbungen für den Wettbewerb, von denen wir aber nur 33 für die Vorrunden annehmen konnten. Wir sind gespannt, wer gewinnen wird, immerhin gibt es ja schon Preise, die sich sehen lassen können.“ Der Erstplatzierte erhält eine professionelle Studioaufnahme im Harbor Inn Musikstudio in der Bremer Überseestadt. Doch auch die weiteren Preise lassen Musikerherzen höher­schlagen: Es gibt einen Auftritt beim „Rocken am Brocken“-Festival 2018 in Elend bei Sorge im Oberharz (Platz zwei), einen Equipment-Gutschein vom Musikland Osterholz-Scharmbeck (Platz drei) sowie einen Support-Gig im Tower für den Viertplatzierten. Die Gewinne wurden sorgsam ausgesucht. „Wir haben überlegt, was wir den Leuten, die mitmachen, bieten können – worauf sie Bock haben und wovon sie profitieren“, erklärt Musikclub-Betreiber Oliver Brock. „Wir wollen jetzt auch nicht nur eine Trophäe überreichen.“

Im Finale geht niemand leer aus, denn insgesamt haben sich vier Teilnehmer für die letzte Runde qualifiziert: Aron L. Flow, Howald & Thölen, Feli rockt und Fragmentshader. Eigentlich wären es fünf gewesen, doch Michel Ryeson hat aus privaten Gründen abgesagt.

Die Regeln für die Teilnehmer waren von Anfang an klar definiert: Höchstens drei Musiker durften auf der Bühne stehen, ein Schlagzeug war nicht erlaubt, Cajon und Becken jedoch schon. Zudem durften die Künstler ausschließlich Eigenkompositionen präsentieren. Eine Fachjury und das Publikum stimmten am Abend ab.

Einer, der die Gunst seiner Zuhörer erhielt, war der Singer-Songwriter Aron L. Flow. Von Haus aus Blues- und Rockgitarrist – Einflüsse aus Punk, Metal, Jazz und Klassik schimmern durch –, haben sich 2013 aus seinen gesammelten Gitarrenlicks Songs und Geschichten entwickelt. Er singt und spielt vom Leben, der Liebe, über Wut, Kaugummi und den Umzug nach Nordkorea. Seitdem wächst sein Songbook kontinuierlich. Für den Musiker, den es zuweilen auch mit Band gibt, „ist das Songschreiben mittlerweile eine Maßnahme zur seelischen Hygiene geworden“. Aron L. Flow wirkte in den vergangenen Jahren in verschiedenen Musik-, Theater- und Kunstprojekten mit und spielte Songs von Iron Maiden bis Kurt Tucholsky.

Howald & Thölen sind Künstler, die ihre Songs mit ihrer individuellen, authentischen und manchmal auch sarkastischen Handschrift skizzieren. Das Liedermacher-Duo aus Bremen schreibt seine Texte manchmal mit einem Lächeln im Mundwinkel, manchmal aber auch mit Melancholie und der ungeschönten Wahrheit. „Unsere Texte folgen dem Motto: Leben, Liebe, Politik“, so die Musiker.

Hinter dem Namen Feli rockt verbirgt sich eine Singer-Songwriterin, die Lieder aus dem Norden für alle Lebenslagen, auf Hochdeutsch oder Platt, zum Lachen, Weinen, Lauschen und Mitsingen präsentiert. Mit Akkordeon oder Gitarre singt sie ihren Zuhörern Hafenwind um die Nase. Fragmentshader entstammen aus den Genres Bluegrass und Folk. Die drei Herren Joschua, Jeffrey und Niklas machen seit mehr als drei Jahren Bremen und umzu musikalisch unsicher. Mittlerweile hat das Trio zwei EPs herausgebracht und zahlreiche Konzerte gegeben. Auf der Bühne präsentieren sich die drei mit Gitarre, Banjo, Bass, einer Bass-Drum und Gesang eher minimalistisch instrumenta­lisiert.

Diese vier Acts stehen nun im Finale und haben bis dahin knapp 30 Mitbewerber hinter sich gelassen. Was zeichnet diese Musiker aus? „Ich denke, die verbliebenen Künstler konnten einfach das beste Gesamtpaket abliefern“, so Weingärtner. „Es geht bei der Bühnenshow auch um das Auftreten, das Songwriting und das musikalische Können. Leider haben es auch Teilnehmer, die auf jeden Fall sehr talentiert sind, nicht in das Finale geschafft, weil wiede­rum andere die eine Kleinigkeit doch noch ein bisschen besser vorgetragen haben. Aber so ist das halt bei einem Contest.“

Der Wettbewerb an sich wurde von Musikern und Besuchern gut angenommen. Das Team vom Musikclub Tower hat den Contest gemeinsam erarbeitet. Weingärtner und seine Kollegen waren sich damals sicher: „In Bremen gibt es viel mehr gute Musiker, als man denkt!“ Und so war es dann auch. Mehr als 80 Bewerbungen sprechen für sich. Es waren obendrein unbekannte Künstler dabei, die sich noch keinen Namen in der hiesigen Musik­szene erspielt hatten. Insbesondere im Bereich Singer-Songwriter würden nicht wenige Leute zu Hause sitzen und Songs für sich und vielleicht noch für ihre engsten Freunde spielen, so Joshua Weingärtner. Diese wollten sie mit dem „Hafensänger Contest“ auf die Bühne locken. „Uns war es wichtig, die Stimmung der Musiker vor, während und nach dem Auftritt mitzubekommen“, erklärt der Tower-Mitarbeiter. „Ich denke, das Drumherum war für die Teilnehmer angenehm. Viele von ihnen haben vorher noch nie oder nur selten auf einer professionell ausgestatteten Bühne gestanden, und wir als Team haben uns Mühe gegeben, dass sie sich wohlfühlen. Es war immer eine gute Stimmung im Publikum. Daher denke ich, dass es auch für die Gäste eine gute Zeit war. Der Contest lebt vom Publikum.“

Und gerade weil es für die Teilnehmer, Besucher und Mitarbeiter des Musikclubs eine gute Zeit war, dürfte einer Fortsetzung im neuen Jahr nichts im Weg stehen. Dem pflichtet Weingärtner bei: „Der Grundgedanke bei diesem Contest war und ist noch immer, dieses Event bekannter und größer zu machen. Wir hatten selbst jetzt im ersten Durchgang Musiker aus dem Umland bis hin nach Hamburg dabei. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen, um weiterzumachen.“ Was nach dem Finale folgt, sei ein Gespräch mit allen Beteiligten – Jury, Moderatoren und Techniker eingeschlossen. „Wir wollen über den Wettbewerb sprechen und eventuell auch Kleinigkeiten ändern. Das Grundkonzept wird aber weiter in die vorhandene Richtung gehen.“ Doch vorerst wird der erste „Hafensänger“ Bremens gekürt.

Das Finale des „Hafensänger Contests“ findet am Freitag, 29. Dezember, ab 20 Uhr im
Tower statt.

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