Henry Charles Albert David Windsor wird 30 / Vom Party-Prinzen zum Volkshelden Harry wird erwachsen

Wenn junge Männer in Großbritannien 30 werden, haben sie sich in der Regel drei Fragen zu beantworten: Habe ich den richtigen Job, habe ich die richtige Frau und habe ich genug Geld, um mir ein Haus zu kaufen? Prinz Harry, Enkel von Queen Elizabeth II. und derzeit Nummer fünf der Thronfolge, kann zwei Fragen sicher mit Ja beantworten. Nur mit der richtigen Frau hapert es noch.
14.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von JOCHEN WITTMANN

Wenn junge Männer in Großbritannien 30 werden, haben sie sich in der Regel drei Fragen zu beantworten: Habe ich den richtigen Job, habe ich die richtige Frau und habe ich genug Geld, um mir ein Haus zu kaufen? Prinz Harry, Enkel von Queen Elizabeth II. und derzeit Nummer fünf der Thronfolge, kann zwei Fragen sicher mit Ja beantworten. Nur mit der richtigen Frau hapert es noch.

„Ich kann es kaum erwarten, dass mein Bruder William jetzt noch mehr leiden muss“, kommentierte Prinz Harry die Nachricht, dass seine Schwägerin Kate wieder schwanger ist. Das bedeute doch, dass er selber in der Thronfolge auf den 5. Platz absacke, wurde ihm bedeutet. „Großartig!“, kommentierte Harry die sinkende Wahrscheinlichkeit, dereinst selber König werden zu müssen. So kennen ihn die Briten: Ein Prinz, der Spaß haben will. Heute wird Henry Charles Albert David Windsor 30 Jahre alt.

Harrys Hang, das Leben in vollen Zügen zu genießen, wurde schon früh ein beliebtes Thema für die Boulevardpresse. Bereits als 17-Jähriger machte er Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass er Haschzigaretten rauchte und sich gerne betrank. Als Zögling des Elite-Internats Eton soll er sich durch die Abiturprüfung geschummelt haben. Die Boulevardpresse ging mit dem Prinzen eher gnädig um, lieferte er doch die besten Geschichten, wenn er wilde Partys feiert oder sich in einem Striptease-Club vergnügt.

Image-Wandel

Nur einmal trat er richtig daneben. Im Januar 2005 erschienen Fotos im Blatt „Sun“, die die ganze Nation aufstöhnen ließen. Die Titelseite zeigte Prinz Harry als Nazi verkleidet. In der khaki-farbenen Uniform steckend und mit einer Hakenkreuzbinde am linken Arm, vergnügt sich der Windsor-Sprössling auf einer Kostüm-Party von Freunden. Der Aufschrei über diese Entgleisung war groß. Ging es hier doch darum, dass ein Mitglied des Königshauses nicht die Sensibilität besaß, um zu erkennen, wie verletzend Nazi-Insignien für Veteranen des Krieges und jüdische Mitbürger sind. Prinz Charles las seinem Jüngsten die Leviten und verdonnerte ihn dazu, sich den Film „Schindlers Liste“ anzusehen.

Die Standpauke scheint genutzt zu haben. Seitdem ist der Prinz in keine größeren Fettnäpfchen mehr getreten. Selbst die Nacktfotos, die ihn vor zwei Jahren auf einer Striptease-Party in Las Vegas zeigten, haben ihm nicht wirklich geschadet. „Großbritannien“, urteilte damals die „Times“, „wird seine letzten buchstäblichen Enthüllungen mit einem Grinsen und einem Schulterzucken kommentieren.“

Was den Image-Wandel vom Party-Prinzen zum Volkshelden allerdings so richtig beförderte, war Harrys Dienst als Soldat. Nachdem er die Kadetten-Schmiede Sandhurst besucht hatte, machte er eine Ausbildung zum Hubschrauber-Piloten. Und bestand danach darauf, auch in Krisengebieten eingesetzt zu werden. Mit deutlichen Worten. Er wolle nicht „zu Hause auf meinem Arsch sitzen, während meine Jungs da draußen sind und für ihr Land kämpfen“, polterte er. Sein Wunsch wurde ihm erfüllt. 2008 wurde er zu einem Einsatz nach Afghanistan geschickt und wiederholte vier Jahre später diese Tour.

Nach seiner Heimkehr von der Front wurde er als Kriegsheld und Vorbild für die Jugend gefeiert. Eine wahre Euphorie ergriff das Land. Die „Sun“ rief ihre Leser dazu auf, Poster des Kriegshelden ins Fenster zu hängen. Und als die BBC Bilder vom Prinzen zeigte, wie er die Taliban mit seinem Maschinengewehr beharkt, erschien den Briten der Afghanistan-Krieg viel schöner und aufregender als es die blutige Realität war.

Ein Prinz spielt Krieg, und alle applaudierten. Die britische Nation schwelgte in einer Heldenverehrung, wie man sie lange nicht gesehen hat. Das half der Armee, die unter Rekrutierungsproblemen zu leiden hat, ebenso wie dem Königshaus, das traditionell den Streitkräften verbunden ist und mit Harrys Einsatz demonstrieren konnte, dass auch ein Royal sich der Todesgefahr ausgesetzt hatte wie die anderen Tausenden Soldaten in Afghanistan.

Dies Krieger-Image dominiert bis heute. Soeben hat das Wachsfigurenkabinett „Madam Tussauds“ Harry als heroischen Soldaten in Khaki-Uniform aufgestellt. Passend zu seinem 30. Geburtstag laufen in London die „Invictus Games“, ein internationaler Sportwettkampf für Kriegsversehrte. Harry hatte „Invictus“ ins Leben gerufen, um zu zeigen, was Veteranen „nach einer Verletzung leisten können und wie sie ihren Kampfgeist in einem integrativen Sportwettkampf feiern“. Wohltätigkeitsarbeit und Militär – perfekt kombiniert.

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