Kindergruppe des Kindergartens St. Paulus besucht ein arabisches Restaurant und die Fatih-Moschee

Hortkinder in der Moschee

Oyten. Die Hortgruppe des katholischen Kindergartens der St. Paulus Gemeinde im Familiengarten in Oyten hat sich auf den Weg gemacht.
22.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Die Hortgruppe des katholischen Kindergartens der St. Paulus Gemeinde im Familiengarten in Oyten hat sich auf den Weg gemacht. Im Rahmen des Projektes „Fremde Kulturen“, das die Gruppe schon seit vielen Wochen beschäftigt, wollten die Kinder mehr über den Islam und die arabische Welt erfahren. Die Kinder hatten, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse, viele Fragen und waren sehr neugierig.

Das erste Ziel des nachmittäglichen Ausflugs war das Aldar, ein syrisches-libanesisches Restaurant in der Überseestadt in Bremen. Das Restaurant liegt im Schuppen Eins, einer riesigen, zur Oldtimerwelt umgebauten Lagerhalle direkt am ehemaligen Überseehafen. Irgendwo zwischen all den glänzenden Autos aus vergangenen Zeiten war der Eingang in eine fremde Welt. Das Aldar ist sehr orientalisch, sehr bunt, sehr arabisch eingerichtet. Überall stehen und hänge seltsame Lampen, man sitzt auf riesigen Holzstühlen, kann bunte Wasserpfeifen bewundern und Tische und Stühle sind voll mit weichen Kissen und glitzernden Decken. Die Betreiberin des Restaurants, Naila Trabulsi, hatte die Gruppe eingeladen. Dennoch ließen es sich die 19 Kinder und elf Erwachsenen nicht nehmen, Geld einzusammeln und anschließend zu übergeben. „Das spende ich direkt dem Flüchtlingsheim der AWO.“

Naila Trabulsi erklärte, dass dort viele Flüchtlinge aus Syrien, dem Libanon und vielen anderen Ländern leben und darauf warten, wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. „Wenn dort endlich dieser schreckliche Krieg zu Ende ist.“ Anschließend gab es Essen satt. Eine ganze Armada von schwarzgekleideten Männern und Frauen verteilte viele Schüssel und Teller mit bunten und fremdartig aussehenden Gerichten auf den beiden großen Tischen, an denen die Gruppe Platz genommen hatte. Kichererbsenbrei, Joghurt-Minze-Salat, Kus Kus, gegrilltes Hühnchen und und und. Dazu syrisches Brot. Dünn, knusprig und seltsam gewürzt. Zum Erstaunen der Erwachsenen hauten die Kinder richtig ein. Alles wurde probiert. Zum Schluss blieb tatsächlich kaum etwas übrig.

Besonders der Nachtisch, sehr cremiges, sehr süßes Feigeneis, wurde begeistert verspeist. „Wer hätte das gedacht.“ Monika Sachse, mitreisende Einrichtungsleiterin, war begeistert. „Von wegen am Liebsten Nudeln und Fischstäbchen. Ich hätte nie gedacht, dass wirklich alle Kinder die unbekannten und exotischen Speisen probiert und gegessen haben.“ Irgendwann musste sich die Gruppe verabschieden. Leider. Nicht ohne sich mit dem Koch fest zu verabreden: für einen Falafel-Kochkurs. „Das machen wir auf jeden Fall.“ Die sichtlich amüsierten und gut gelaunten Servicekräfte und Köche haben sich mehrfach versichert. „Ihr kommt doch bestimmt wieder?“. Klar.

Danach durften sich die Kinder noch ein wenig zwischen den vielen alten Autos austoben, um dann weiter zu fahren zur Fatih-Moschee in Bremen-Oslebshausen. Dort hatte man sich zur Besichtigung verabredet. Gut vorbereitet wollten einige schon gleich im Treppenhaus die Schuhe ausziehen. Was aber nicht nötig war. Der Imam erklärte alles ganz genau: Von der Treppe direkt auf den Teppich. Nicht vorher. Dann durften sich alle im riesigen Gebetsraum, dem Herz der Moschee, umschauen. Mit weichem Teppich und Fußbodenheizung ein Vergnügen. Erstaunlich, wie selbstverständlich man es dort nahm, dass die Kinder herumrannten, alles anfassten und hinter jeden Vorhang schauten. Im großen Kreis lernten die Kinder dann viel über den Islam und die muslimischen Türken, die die größte Moschee in Bremen unterhalten: Dass eine Moschee viel mehr ist, als ein Gebetsraum, nämlich das soziale Zentrum der Gemeinde. Dass es in Bremen über 100 Moscheen gibt. Dass jede Moschee einen Teppich und eine Gebetsnische hat, die Richtung Mekka zeigt. Dass die Muslime fünfmal am Tag zu festgelegten Zeiten gemeinsam beten. Dass alle Kinder am Wochenende drei Stunden lang Arabisch lernen, um später den Koran, die „Bibel“ der Muslime, im Original lesen zu können oder dass man keine Bilder von Mohammed, dem Gründer der Religion machen darf. „Wir wollen keine Bilder oder Skulpturen anbeten. Wir verehren nur Mohammed selbst.“ Fragen gab‘s viele. Zum Beispiel, warum die Frauen oben auf dem Balkon und die Männer unten im Saal beten? „Um die körperliche Distanz zu wahren.“ Oder warum in der einen Ecke des Saales eine gemütliche Holzbank mit Kissen steht. „Für den Muezzin, der vom Minarett, dem weithin sichtbaren Turm der Moschee, zum Gebet ruft und ab und zu auch mal schlafen muss.“ Oder warum der Imam die arabische Sprachfibel falsch herum hält. „Weil man im Arabischen von rechts nach links liest.“

Ziemlich müde machte sich die Gruppe spätabends auf den Heimweg. Voller Eindrücke und begeistert. Die achtjährige Olivia sagte: „Ab morgen bin ich Muslime.“ Lenni (6) sagt: „Ich frage mal im Kindergarten, ob die dort einen Koch aus Syrien einstellen können.“ Der acht Jahre alte Can meint: „So verwöhnt und bedient wurde ich ja noch nie beim Essen.“ Gian- Luca (7) meint: „Ich glaube, die freuen sich wirklich, dass wir ihre Kirche besuchen.“ Der sieben Jahre alte Marcel sagte: „Wer so gut kochen kann, muss nett sein.“

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