Ulrich Noethen über sein Debüt als parkinsonkranker TV-Ermittler und sein Nein zum Münster-„Tatort“ „Ich bereue diese Entscheidung nicht“

Er ist einer der führenden deutschen Charakterdarsteller: Ulrich Noethen. Jetzt geht er für das ZDF unter die TV-Ermittler – in der neuen Krimireihe „Neben der Spur“ spielt der 55-Jährige einen an Parkinson erkrankten Psychologen, der beruflich in blutige Kriminalfälle verwickelt wird.
23.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Cornelia Wystrichowski

Er ist einer der führenden deutschen Charakterdarsteller: Ulrich Noethen. Jetzt geht er für das ZDF unter die TV-Ermittler – in der neuen Krimireihe „Neben der Spur“ spielt der 55-Jährige einen an Parkinson erkrankten Psychologen, der beruflich in blutige Kriminalfälle verwickelt wird. In der ersten Folge mit dem Titel „Adrenalin“ (heute 20.15 Uhr) klärt der Seelenarzt eine Serie von Frauenmorden auf. Im Interview mit Cornelia Wystrichowski erzählt Ulrich Noethen, was ihn an der Rolle reizt, und was er heute über sein Nein zum Münster-„Tatort“ denkt.

Herr Noethen, Sie gehen fürs ZDF in einer neuen Krimireihe unter die TV-Ermittler. Haben Sie denn gar keine Bedenken, sich in das große Heer der TV-Kommissare einzureihen?

Ulrich Noethen: Keineswegs. Der Krimi ist fester Bestandteil des deutschen TV-Programms. Die Vorlagen von Krimiautor Michael Robotham sind außerdem gut geschriebene, sehr komplexe Thriller mit einer Fülle von Stoff. Es ist eine Herausforderung, sie zu einem 90-Minüter zu komprimieren.

Der von Ihnen gespielte Joe Jessen ist an Parkinson erkrankt. Wie spielt man einen Parkinsonkranken?

Die Geschichte beginnt, als Joe Jessen die Diagnose bekommt, dass er an Parkinson leidet. Wesentlich für ihn ist das, was sich fortan in seinem Kopf abspielt: Durch den Ausbruch dieser Krankheit wird sein Leben erschüttert, vieles läuft nicht mehr so ab wie gewohnt. Es wird aber nicht so sein, dass ich in der Rolle die ganze Zeit zittere. In den ersten beiden Filmen wird es punktuell gezeigt. Wir wollen die Krankheit nicht so in den Vordergrund rücken, dass wir nicht mehr dazu kommen, den Krimi zu erzählen.

Haben Sie sich in der Vorbereitung auf die Rolle speziell mit dem Thema Parkinson befasst?

Ich habe auf jeden Fall einiges über die Krankheit erfahren. Zum Beispiel, dass es verschiedene Erscheinungsformen gibt. Eine ist, dass die Gesichtszüge einfrieren und die Mimik vorübergehend zur undurchdringlichen Maske erstarrt. Das sorgt beim Gesprächspartner für Irritationen. Im Film haben wir dieses Erscheinungsbild aber nicht eingesetzt.

Ermittler Johannes Jessen ist kein klassischer Kommissar, sondern Psychologe und wird auf diese Art in seine Fälle verstrickt. Er kann schon aufgrund kleinster Beobachtungen wesentliche komplexe Zusammenhänge erkennen . . .

Damit wird überspitzt gezeigt, welch gute Beobachtungs- und Kombinationsgabe er hat – ein wie ich finde sehr sympathisches Sherlock-Holmes-Zitat.

Sind Sie als Schauspieler selber auch ein kleiner Psychologe, der im Alltag andere Menschen und deren Verhalten genau beobachtet?

Bei der Begegnung mit einem Schauspieler denken manche Menschen, dass das jemand ist, der gerne im Vordergrund steht und die Leute entertainen will, und sie fragen sich: Studiert der mich jetzt, um mich später zu verwenden? Wie es einem auch manchmal geht, wenn man mit einem Psychologen zu tun hat. Man denkt, alles, was man sagt und tut, wird bewertet. Aber in der Regel ist das natürlich Unfug.

Sie wären vor Jahren beinahe Ermittler im „Tatort“ aus Münster geworden: Ihnen wurde die Rolle angeboten, die jetzt Jan Josef Liefers spielt, aber Sie haben abgelehnt. Bedauern Sie das heute?

Ich bereue diese Entscheidung nicht. Ich finde es toll, was die da machen, und es ist ein bemerkenswerter „Tatort“ daraus geworden. Jan Josef macht das super.

Wäre Ihr „Tatort“-Pathologe ein ähnlicher Typ geworden wie der von Jan Josef Liefers gespielte Professor Boerne?

Naturgemäß wäre er ein wenig anders geworden, weil wir zwei verschiedene Menschen und Schauspielertypen sind, aber das hätte ja an den Büchern nichts geändert. Das Kabbeln von Kommissar und Pathologe wäre auch komisch geworden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+