„Ich bin kein Elvis-Double im Karnevalskostüm“

Unter dem Künstlernamen Elvoice tourt Guido Regenhard durch die Republik. Der Bremer singt Elvis-Presley-Songs, will aber mehr sein als ein reines Double.
15.09.2013, 00:00
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„Ich bin kein Elvis-Double im Karnevalskostüm“
Von Jörn Seidel

Unter dem Künstlernamen Elvoice tourt Guido Regenhard durch die Republik. Der Bremer singt Elvis-Presley-Songs, will aber mehr sein als ein reines Double.

In Freißenbüttel ist der Rock ’n’ Roll zu Hause. Hier, in einer ländlichen Gemeinde Osterholz-Scharmbecks, hat sich der Bremer Guido Regenhard einen Probenraum eingerichtet. Als „Jungle Room“ bezeichnet er den alten Fachwerkschuppen im Garten eines Einfamilienhauses. Genauso nannte Elvis Presley jenen Raum in seiner Graceland-Villa, in dem er seine letzten beiden Alben aufnahm, bevor er 1977 starb. Umgeben von alten Presley-Plakaten, Kunstpalmen und einer grünen Couchgarnitur steht Regenhard mit Haartolle und Koteletten in einem schlichten, schwarzen Elvis-Kostüm. Aus einem Lautsprecher ertönen laute Knackgeräusche vom alten Mikrofon in seiner Hand. Während eine Playback-CD zu spielen beginnt, prasselt Regen auf das Wellblechdach.

Regenhard beginnt zu singen, und plötzlich verwandelt sich der kleine „Jungle Room“ in eine große Bühne. „You‘re the devil in disguise“, schmettert er mit packender Stimme und perfekter Intonation. „Ich bin kein Imitator, kein Elvis-Double im Karnevalskostüm. Ich bin ein Tribute-Artist“, sagt der Sänger später, der einst als Weser-Elvis begann und heute hauptberuflich als Elvoice durch die Gegend tourt.

Zehn Jahre vor Presleys Tod, an einem Freitag, den 13., kam Guido Regenhard auf die Welt. Als Kind erlebte er den „King of Rock ’n’ Roll“ im Radio und in der Zeitung. Voll Begeisterung sah er die Elvis-Spielfilme auf dem neu gekauften Farbfernseher. Gesungen hat Regenhard schon immer – aber immer nur für sich selbst. Statt zu musizieren fuhr er drei Jahre lang als Decksjunge zur See, renovierte später Antiquitäten, wurde zur Bundeswehr eingezogen, zweimal strafversetzt und studierte danach Design. Er arbeitete in der Werbung, in der Immobilienbranche und handelte mit Echtblattpalmen.

Plötzlich, im Alter von 40 Jahren, machte Regenhard eine Entdeckung, die sein Leben verändern sollte. Bei einer Elvis-Ausstellung in Bremen-Vegesack stieß er auf Playback-CDs mit Presley-Songs. Ganz ohne Band konnte er nun dem „King“ nacheifern. Ein benachbarter Musiker nahm mit ihm Lieder auf und stellte sie ins Internet. Seitdem steht Guido Regenhard als Elvis-Sänger auf der Bühne.

Fast jedes Wochenende singt Elvoice irgendwo in Deutschland. Sein treuer Begleiter ist ihm sein silberner Ford Taunus mit rot-weißem Interieur, Baujahr 1966. „Das ist wie eine Zeitkapsel“, sagt der Sänger und lässt den Motor aufbrummen. Erst kürzlich sang er beim Elvis-Festival im hessischen Bad Nauheim. Die Krönung war seine Teilnahme bei dem berühmten Wettbewerb „The European Elvis Championships“ vor drei Jahren im englischen Blackpool. Regenhard war noch ein Neuling, aber kam auf Anhieb unter die besten 14 von 128 Sängern.

In Großbritannien habe er schon einen eigenen Fankreis, sagt Elvoice. Auch in Deutschland begegne er begeisterten Zuhörern. Aber manchmal, so Regenhard, stoße er hierzulande auf merkwürdige Reaktionen. „Du bist ja gar nicht wie das Original“, würden sich einige beschweren. „Aber darum geht es nicht“, sagt Elvoice. „Ich bin nicht Elvis. Keiner kann Elvis sein. Aber ich und all die anderen Tribute-Artists halten die Musik von Elvis Presley am Leben.“

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