Johann Büsen stellt seine futuristischen Werke unter dem Titel „Scripted Reality“ in der Galerie Mönch aus

In bunten Bilderwelten lauern Abgründe

Abgründig und poppig bunt: Das sind die digitalen Bilderwelten, die Johann Büsen aus den unendlichen Weiten des weltweiten Netzes zusammenmontiert und dann auf Leinwand druckt. Seine futuristischen Werke sind bis Sonntag, 23. Februar, in der Galerie Mönch, Oberneulander Landstraße 153, zu sehen.
16.01.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sigrid Schuer

Abgründig und poppig bunt: Das sind die digitalen Bilderwelten, die Johann Büsen aus den unendlichen Weiten des weltweiten Netzes zusammenmontiert und dann auf Leinwand druckt. Seine futuristischen Werke sind bis Sonntag, 23. Februar, in der Galerie Mönch, Oberneulander Landstraße 153, zu sehen.

Johann Büsen ist ein multimedial talentiertes Kind unseres digitalen Zeitalters. Mühelos und ziemlich erfolgreich spielt er auf der Klaviatur der verschiedensten Künste: Straßenkunst, Illustration, Fotografie, Grafikdesign, Malerei und digitale Malerei. Und genau letztere ist bis Sonntag, 23. Februar, in der Galerie Mönch, Oberneulander Landstraße 153, zu sehen. Hinter den poppig bunten Bilderwelten, die der Künstler geschickt aus den Fischgründen des Internets herausfiltert, lauern Abgründe. Er bearbeitet seine futuristischen Szenerien digital, färbt sie ein, montiert sie zusammen und druckt sie dann in seinem Atelier per Großraumdrucker direkt auf die Leinwand. Der Ausstellungs-Titel „Scripted Reality“ spricht für sich. Johann Büsen erschafft sich am Computer seine eigene Realität. Auf einem seiner Werke wird kommentarlos und ohne zu werten gezeigt, wie asiatische Demonstranten von Polizisten zu Boden geworfen werden. Der neongrüne Kopf einer demontierten Diktatoren-Statue wird, an einem Seil baumelnd, abtransportiert. „Vice“, Sünde, ist der Titel eines Pigmentdrucks, auf dem unter einer Militärmütze ein Augenpaar den Betrachter durch eine verfremdete Dollarnote hindurch anblickt. In „Gatekeeper“ schwingt ein Jedi-Ritter ein regenbogenfarbenes Schwert, das die gleiche Farbe wie sein Gesicht hat. Wie Darth Vader aus der „Star Wars“-Saga mutet dagegen der „Diver“, der Taucher an, den Büsen in ein Punkteraster hineinplatziert hat. Der Betrachter soll sich sein eigenes Bild machen und seine eigenen Assoziationen entwickeln. Ganz so, wie es Andrea Rauschenbusch, Professorin an der Hochschule für Künste Bremen, formuliert: „Büsens Bilder inspirieren zu Imaginationen und beflügeln unsere Vorstellungskräfte. Der Betrachter wird im Sog der Elemente in das Bildgeschehen verwickelt“.

Beim Surfen durch die unendlichen Weiten des weltweiten Netzes stößt der 29-Jährige auf Dinge, die ihn bewegen, „von Alltäglichem bis hin zu tagesaktuellen Nachrichten. Daraus lege ich ein digitales Archiv an, aus dem ich mich immer wieder bedienen kann“, erläutert er. Aber auch von künstlerischen Zitaten, Filmen und historischen Dingen lasse er sich inspirieren. „Bei diesem filmischen Montageverfahren arbeitet er mit drei bis vier Bildschirmen parallel“, erläuterte Dieter Begemann bei der Ausstellungseröffnung in seinen einführenden Worten. Das Resümee des Künstlers und Kunstwissenschaftlers: „Der Weltuntergang kann auch Spaß machen“. Zumindest in der künstlerischen Version von Johann Büsen. Begemann wies darauf hin, dass Büsen in „Gravity“ ein tanzendes Paar vor düsterem Himmel in einer antiken Säulenszenerie die Schwerkraft überwinden lässt. In „Luminescence“ reckt sich ein weißer Wal mit weit aufgerissenem Maul aus vielfarbig brodelnden Meeresfluten empor. Und am dunkelblauen Himmel flimmert dazu eine Vielzahl von neonfarbenen Leuchtpunkten. Götterdämmerung für Moby Dick ?

Mit Kunstpreis ausgezeichnet

Der Künstler, der von 2005 bis 2010 an der Hochschule für Künste studierte, wurde unter anderem 2010 mit dem Paula Modersohn-Becker-Nachwuchs-Kunstpreis von der Kunsthalle Worpswede ausgezeichnet. Im gleichen Jahr legte er sein Diplom in der Klasse von Professor Peter Bialobrzeski an der HfK ab. Ab Sonnabend, 1. März, ist er einer der Nominierten des 37. Bremer Förderpreises, die bis Sonntag, 4. Mai, in der Städtischen Galerie Bremen, ausstellen.

In den Feuilletons überregionaler Tageszeitungen war in den letzten Wochen öfter über die zunehmende Degenerierung des Menschen in Richtung kontrollierter Maschine zu lesen, die die schöne, neue, virtuelle Welt hervorbringe. Und genau da setzt Johann Büsen an, wenn er beispielsweise in „Spy“ einen Spion mit Militärmütze zeigt, der hilflos in ein Räderwerk verstrickt zu sein scheint. „Seine Arbeiten sind ein Spiegel unserer Gesellschaft und ein zeitgemäßes Abbild des reizüberfluteten und orientierungslosen Informationszeitalters“, heißt es in einer Kritik zu Büsens „Human Playground“ und weiter: „Realer Alltag und profane Alltagskultur vermischen sich mit fiktionalen Welten“. Treffender ließe sich das futuristische Werk des Künstlers kaum umreißen. Dass das Großstadtleben zuweilen mehr Fluch als Segen sein kann, scheint der 1984 in Paderborn geborene Künstler, mit dem Pigmentdruck „Green scull“ sagen zu wollen, in dem er einen großen, grünen Totenkopf über eine Hochhauskulisse gelegt hat. Rätsel geben auch die drei Schwestern auf, die Büsen, die traurigen Gesichter von farbigen Masken geschient, in einen farben- und formenreichen Garten Eden gestellt hat. In „Floating“ scheint die Natur zurückschlagen zu wollen: Paradiespflanzen scheinen einen liegenden Körper förmlich zu überwuchern. Verstörend wirkt die kunterbunte Amme, die ein nicht näher definierbares Bündel in ihren Armen hält, während gleich daneben eine kopflose Gestalt steht. Die Nonne mit dem apfelgrünen Gesicht, in das der Künstler ein Spitzenmuster integriert hat, schaut dagen unter ihrem schwarzen Habit mit unwahrscheinlich blauen Augen keck hervor.

Die Ausstellung „Scripted Reality“ ist bis Sonntag, 23. Februar, in der Galerie Mönch, Oberneulander Landstraße 153, zu sehen. Öffnungszeiten: Sonntags 16 bis 19 Uhr und jeden Tag nach telefonischer Vereinbarung. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter Telefon 255481 und www.moench-bremen.com

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