Bestatter und Spezialisten werden im Todesfall zu engen Gesprächspartnern der Angehörigen Individuelle Trauerarbeit zunehmend gefragt

Ein fester Händedruck oder ein aufmunterndes Lächeln sagen oftmals mehr als tausend Worte ­- dieses Sprichwort trifft besonders im Trauerfall und im Umgang mit Angehörigen auf viele Bestattungsunternehmen zu. Vor allem in den Erstgesprächen kurz nach dem Tod eines Angehörigen ist sehr viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl gefragt.
31.05.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Ein fester Händedruck oder ein aufmunterndes Lächeln sagen oftmals mehr als tausend Worte ­- dieses Sprichwort trifft besonders im Trauerfall und im Umgang mit Angehörigen auf viele Bestattungsunternehmen zu. Vor allem in den Erstgesprächen kurz nach dem Tod eines Angehörigen ist sehr viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl gefragt.

„Persönliche Gespräche sind bei unseren Beruf sehr wichtig“, darin sind sich Thomas Loleit von Horizont-Bestattungen aus Schwarme und Angela Peters von Peters-Bestattungen in Stuhr einig. Damit meinen sie nicht nur die direkten Trauergespräche. „Das Interesse und die Nachfrage nach Vorsorgegesprächen steigt kontinuierlich an“, erklärt Thomas Loleit. Diesen Trend beobachtet er zunehmend bei jüngeren Menschen zwischen 30 und 50 Jahren. Viele Interessierte würden zusammen mit ihren Eltern zu einen Beratungsgespräch kommen.

„In diesen Gesprächen können wir unsere gesamten Möglichkeiten aufzeigen. Daraus lässt sich vermutlich auch schließen, dass die Nachfrage nach komplett anonymen Bestattungen wieder rückläufig ist,“ so Loleit. Eine Alternative seien beispielsweise sogenannte halbanonyme Wald- und Naturbestattungen, bei denen die Angehörigen ohne großen Grabpflegeaufwand dennoch einen Ort zum Trauern vorfinden.

Liebevolle Erinnerungen

Es ist besonders dieser fest stehende Ort des Abschiednehmen, des Gedenkens und eben des Trauerns, den Marion Dittrich von Dittrich Grabmale in Kirchweyhe für so wichtig hält. „Ein Gang zum Grab oder zu einer Gedenkstätte soll doch im Optimalfall bei den Angehörigen liebevolle Erinnerungen wecken – und dies nicht nur in der ersten Zeit nach dem Tod, sondern bestenfalls langfristig“, sagt sie. In ihrem Unternehmen werde zudem der persönliche Umgang mit dem Tod großgeschrieben. „Wir nehmen uns viel Zeit für das Gespräch mit den Angehörigen. Dabei stoßen wir immer wieder auf persönliche Merkmale und Eigenschaften, die wir gegebenenfalls später auf dem Grabstein verewigen“. Dies könne eine besondere Schrift oder bestimmte Ornamente wie eine Note aus dem Lieblingslied oder auch eine Straßenbahn sein, wenn der Verstorbene beispielsweise mit Leidenschaft als Straßenbahnführer gearbeitet habe.

Steinmetz- und Bildhauermeister Robert Söffker aus Martfeld hat zuletzt einen Trend hin zum individuellen Grabstein festgestellt. „Viele meiner Kunden kommen mit konkreten Wünschen und Vorstellungen zu mir. Dies fängt bei den Schriften an und beinhaltet auch die Auswahl des Materials. So habe ich schon Glaskugeln oder Bronze-Elemente eingearbeitet“, verrät er. Anders als noch vor ein paar Jahren beobachtet er derzeit ebenfalls eine Abkehr von der anonymen Bestattung. Das komme sicherlich daher, dass die Menschen wieder verstärkt einen konkreten Ort zum Trauern suchen würden, so seine Meinung.

Persönliche Beratung

Allerdings hilft nicht allein ein bestimmter Ort des Trauerns über den großen Verlust hinweg, den ein Verstorbener bei seinen Angehörigen hinterlässt. „Jeder trauert anders“, diese Erkenntnis gibt die selbstständige Trauerberaterin und systemische Familienberaterin Anja Thorns aus Syke häufig an ihre Klienten weiter. Viele seien verzweifelt, weil sie sich in ihrer Trauer unverstanden und allein gelassen fühlen. Aus diesem Grund sei Zuhören ein wichtiger Teil der Trauerarbeit und darum biete sie Hinterbliebenen ihre Hilfe auf diesem Weg an. Zu ihr kommen sowohl Erwachsene als auch Kinder, die einen lieben Angehörigen verloren haben. Der Anlass für eine erste Sprechstunde – sei es in der Gruppe oder in Einzelgesprächen – mit der Trauerbegleiterin kann ganz unterschiedlich sein. Einige kommen bereits kurz nach dem Tod eines engen Angehörigen oder wenn ein weiterer Schicksalsschlag die ’alte’ Trauer wieder aufleben lässt. „Andere kommen zu mir mit der Frage, wie sie mit dem ersten Todestag, dem Hochzeitstag oder mit dem ersten Geburtstag des Verstorbenen umgehen sollen. Viele möchten diese besonderen Tage möglichst ohne Tränen, aber mit schönen Erinnerungen verbringen“, verrät Anja Thorns. Mittels eines intensiven Gesprächs versuche sie daraufhin herauszufinden, was für die jeweilige Person in diesen bestimmten Situationen am besten sei.

„Natürlich gibt es zunächst eine gewisse Hemmschwelle, um meine Hilfe in Anspruch zu nehmen“. Denn nach wie vor sei das Thema Tod in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. „Aber viele Trauernde wissen oftmals nicht mehr, mit wem sie über ihre Trauer, ihre Gefühle und ihre Ängste sprechen sollen. Oder sie fühlen sich unverstanden, wenn sie ihre Wut über ihre Situation zum Ausdruck bringen“, berichtet Anja Thorns aus ihrer langjährigen Erfahrung. xfl

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