Ausstellungseröffnung im Haus der Kassenärztlichen Vereinigung mit Werken von Peter Holz Ins Kunstwerk fließen Gefühle von früher

In Bewegung zu bestimmten Musikstücken entstehen die Bilder des Bremer Sprach- und Kommunikationswissenschaftlers Peter Holz, der seine „getanzten Bilder“ mit Öl und Acryl auf Holz bannt. Am Mittwoch wurde seine Ausstellung „Holz auf Holz – trans_formation professionnelle“ im Haus der Kassenärztlichen Vereinigung eröffnet. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Duo Kerstin Burlage und Andreas Bäuml.
19.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Renate Schwanebeck

In Bewegung zu bestimmten Musikstücken entstehen die Bilder des Bremer Sprach- und Kommunikationswissenschaftlers Peter Holz, der seine „getanzten Bilder“ mit Öl und Acryl auf Holz bannt. Am Mittwoch wurde seine Ausstellung „Holz auf Holz – trans_formation professionnelle“ im Haus der Kassenärztlichen Vereinigung eröffnet. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Duo Kerstin Burlage und Andreas Bäuml.

Normalerweise finden Ausstellungsbesucher in Museen allerorten den Hinweis „bitte nicht berühren“. Das sieht Peter Holz ganz anders. Im Gegenteil: Er fordert seine Besucher ausdrücklich auf, seine Bilder anzufassen, die Farbe und das Holz zu beschnuppern, die Bilder mit allen Sinnen zu erkunden und in sich aufzunehmen.

So vielseitig die Betrachtungsmöglichkeiten in dieser Ausstellung sind, so vielschichtig kommt in dieser Ausstellung „Holz auf Holz – trans_formation professionelle“ von Peter Holz das Holz zur Geltung, wie Jörg Hermann, der Vorstands-Vorsitzende der Bremischen Kassenärztlichen Vereinigung, in seiner Begrüßung zur Ausstellungseröffnung betonte.

Nicht nur, dass der Bremer Künstler Peter Holz seine Farbwerke auf Holz aufbringt – nein, an Stelle einer Laudatio zur Eröffnung stand am Mittwoch ein Fachgespräch zwischen Peter Holz und der Kulturwissenschaftlerin Donata Holz. Jörg Hermann: „Künstler und Kuratorin haben mir versichert, dass sie weder verwandt noch verschwägert sind. In dieser Ausstellung ist Holz Name und Werkstoff zugleich.“ Auch als Mediziner könne man sich in die Bilder vertiefen und über die Farben und das Thema „Transformation“ sinnieren, so Jörg Hermann.

Dicke Farbschichten sitzen auf den Kunstwerken, die mal in aufstachelnden Rottönen gehalten sind, dann wieder ganz dunkel und düster, wenn dunkles Blau von dunklem Braun durchbrochen wird. Aber es gibt auch Bilder in hoffnungsvollem Grün, das auf einem der Werke sogar das wütende Gelb und Rot zu überwuchern scheint.

Die Bilder tragen Titel wie „Try to set the Night on fire“, „Gestern nicht mehr“, „Morgen noch nicht“, „Echo with Laughter“ oder „Probably come to die in this Town“ – Fragmente aus der Musik, die der Künstler bei der Anfertigung seiner „getanzten Bilder“ hört. Donata Holz wollte wissen, wie der Künstler zum Werkstoff Holz gekommen ist. Früher habe er oft mit Flaschen gearbeitet. „Dabei sind die Papiere oft kaputtgegangen. Sie waren für meine Art von Kunst nicht widerstandsfähig genug.“

Donata Holz: „Wie können wir uns die Entstehung eines solchen Kunstwerkes vorstellen?“ Peter Holz berichtet aus seiner Biografie: „Im Jahre 1974 wurde mein Bruder bei einem Verkehrsunfall getötet. Das beschäftigt mich heute noch als Vater. Ich habe Verlustängste. Die Gefühle, die damals in den 70er Jahren nicht gelebt werden konnten, kommen jetzt ans Licht. Dann nehme ich eine Holzplatte, die zu meiner Größe passt, höre Musik, nehme den Spachtel … Es ist Energie, die schließlich herausbricht.“

Donata Holz fragt nach: „Immer wieder begleitet von der Musik, die inspiriert, zum Tanz um das Bild herum?“ Peter Holz: „Musik ist so etwas wie Treibstoff und Schmiermittel, ich habe immer ein Lied im Kopf, und dann entstehen körperliche Bewegungen.“ Bands wie „Metallica“, „The Doors“, „Nirwana“ oder „Einstürzende Neubauten“ sind die Favoriten des Künstlers.

So wie der damals vierjährige Peter Holz den Unfalltod seines 13-jährigen Bruders erlebte, so versucht er heute, den Schmerz zu verarbeiten. Und das zeigt sich auch in der Verletzlichkeit der Oberfläche. Das demonstriert der Sprachwissenschaftler und Mediator, als er ein Beil ergreift und mit einigen Schlägen die rote Oberfläche eines Bildes zerstört. „Erst wenn es verkauft ist, habe ich keinen Zugriff mehr.“

Die Verletzlichkeit der Oberfläche ist auch das Thema der Performance, die der Künstler am 12. März um 17.30 Uhr im Haus der Kassenärztlichen Vereinigung veranstaltet. Schon heute weiß er, dass das Bild des Himmels, das an einer Kette im offenen Treppenhaus des Ärztezentrums hängt, die Performance nicht überleben wird. Manchmal werden bei ihm aus Bildern bei solchen Aktionen Plastiken. Man darf gespannt sein, was im Haus der Kassenärztlichen Vereinigung passieren wird.

Die Ausstellung in der Schwachhauser Heerstraße 26/28 ist noch bis zum 18. April 2014 montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags bis 14 Uhr zu sehen.

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