Sonderkonzert mit den Weltklassemusikern Till Brönner und Sergei Nakariakov in der Glocke Jazz, Klassik und zwei Trompeten

Bremen. Zwei Trompeter der Extraklasse, zwei musikalische Welten, ein Konzertabend. Auf diese Formel lässt sich das Sonderkonzert in der Reihe der Meisterkonzerte bringen: Jazz-Trompeter Till Brönner und „Klassik“-Trompeter Sergei Nakariakov beglückten ein begeistertes Publikum in der voll besetzten Glocke mit ihrem Können.
12.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Markus Wilks

Zwei Trompeter der Extraklasse, zwei musikalische Welten, ein Konzertabend. Auf diese Formel lässt sich das Sonderkonzert in der Reihe der Meisterkonzerte bringen: Jazz-Trompeter Till Brönner und „Klassik“-Trompeter Sergei Nakariakov beglückten ein begeistertes Publikum in der voll besetzten Glocke mit ihrem Können. Jazz und Klassik in einem Konzert zu vereinen, ist nicht neu und wird regelmäßig auch von Bremer Musikern praktiziert. Wenn sich aber zwei Weltklassetrompeter musikalisch annähern, ohne dabei die Herkunft von der Klassik oder vom Jazz verleugnen zu wollen, klingt das gleichwohl nach einem spannenden Experiment – vor allem für das Publikum.

Till Brönner, Sergei Nakariakov sowie Stephan Braun (Violoncello), Dieter Ilg (Bass) und Gil Goldstein (Klavier, Keyboard, Akkordeon) besitzen längst Routine im gemeinsamen Musizieren, auch mit dem in der Glocke vorgestellten Programm. Sie wissen, welche Stücke „passen“ – etwa Bachianas Brasileiras Nr. 5 & 6 von Heitor Villa-Lobos, Bartoks Rumänische Volkstänze und eigene Kompositionen oder Improvisationen. Das gilt auch für die charmante Moderation von Till Brönner, der im Stil eines Dieter Nuhr sprach und sich bescheiden in die zweite Reihe stellte („Mit Sergei Nakariakov zu spielen ist wie Ostern und Weihnachten an einem Tag.“). Dennoch war es Brönner, der mit seinem Musikverständnis und der Werkauswahl den Abend prägte.

Zwar spielte Sergei Nakariakov die „Variations sur une Tyrolienne“ (Jean-Baptiste Arban) in einem atemberaubenden Tempo und überzeugte durch den blitzsauberen, weichen Ton seiner Trompete, doch so richtig „klassisch“ ging es eigentlich selten zu, denn Jazz und jazzartiges Musizieren standen im Mittelpunkt. Das war auch äußerlich erkennbar, denn das Podium der Glocke wurde mit schwarzen Vorhängen vom Konzertsaal zur schlichten Jazzbühne umgestaltet und Nakariakov spielte überwiegend die Musiker an und nicht ins Publikum. Großen Anteil am Gesamteindruck hatte Gil Goldstein, der sämtliche Arrangements aus der Sicht des Jazzers erarbeitet hatte und an den Tasteninstrumenten echte Musizierlust durchlebte. Dieter Ilg sorgte mit gezupften und geschlagenen Tönen am Kontrabass für die klangliche Basis und lieferte in „Peng! Peng!“ (gemeinsam mit Till Brönner) eine wilde Performance ab – ganz sicher ein Höhepunkt des Abends. Stephan Braun nutzt sein Cello auch als Schlagzeug und wusste sich an den wichtigen Stellen gekonnt in den Mittelpunkt zu spielen. Dass diese Band oft elektronisch leicht verstärkt und klanglich verändert wurde, gehört zum Wesen der Musik, nahm Trompete und Cello aber manchmal etwas von ihrem reinen Sound.

Und Till Brönner? Er musste sich keineswegs hinter Nakariakov verstecken. Sein Musiziergefühl drückte er mit der Trompete und dem Flügelhorn (ein Verwandter der Trompete) vorzüglich aus. Gerne hätte man ihm bei einer seiner Moderationen widersprochen und sehr wohl echte Klassiker aus der Welt des Barocks, der Sinfonie oder der Oper im „Brönner-Stil“ gehört. So wird diese Art der Annäherung zweier musikalischer Welten vielleicht ein anderes Mal zu erleben sein.

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