In Nordbremer Kinderzimmern gehört der Griff zum Buch dazu: Umfrage in der Vegesacker Fußgängerzone Jeden Abend wird vorgelesen

Die Stiftung Lesen und Deutscher Bibliotheksverband sorgen zurzeit in der zweiten Phase in diesem Jahr dafür, dass in Bibliotheken und von Kinderärzten kostenlos „Lesestart Sets“ verteilt werden. Mit den Unterlagen sollen Eltern zum Vorlesen motiviert werden. Hintergrund ist, dass Kinder auf diese Weise möglichst früh an Bücher herangeführt werden sollen. Eine Umfrage in der Vegesacker Fußgängerzone zeigt, dass das abendliche Vorlesen in Nordbremer Kinderzimmern für viele selbstverständlich ist.
10.12.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sylvia Wörmke

Die Stiftung Lesen und Deutscher Bibliotheksverband sorgen zurzeit in der zweiten Phase in diesem Jahr dafür, dass in Bibliotheken und von Kinderärzten kostenlos „Lesestart Sets“ verteilt werden. Mit den Unterlagen sollen Eltern zum Vorlesen motiviert werden. Hintergrund ist, dass Kinder auf diese Weise möglichst früh an Bücher herangeführt werden sollen. Eine Umfrage in der Vegesacker Fußgängerzone zeigt, dass das abendliche Vorlesen in Nordbremer Kinderzimmern für viele selbstverständlich ist.

Früher waren Hanni und Nanni oder Pipi Langstrumpf die Helden der Kinder. Später der „Grüffelo“ oder Bibi Blocksberg. Fünf Freunde, Bob der Baumeister, Lauras Stern und durchaus auch die Kinderbuchklassiker von früher sind heute noch beliebt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sieht dennoch großen Bedarf darin, dass Eltern mit „Lesestart-Sets“ motiviert werden, ihren Kindern vorzulesen. Dass Ministerium finanziert das Programm „Lesestart – Drei Meilensteine fürs Lesen“. „Davon sollen insbesondere Kinder profitieren, die in einem bildungsbenachteiligten Umfeld aufwachsen und denen wenig vorgelesen wird“, heißt es in einer Pressemitteilung des Deutschen Bibliothekverbandes.

In Vegesack, so das Ergebnis einer Umfrage in der Fußgängerzone, müssen Eltern und Großeltern nicht groß animiert werden, ihren Kindern vor dem Einschlafen oder grundsätzlich vorzulesen. „Das machen wir jeden Abend“, sagt zum Beispiel Franziska Koppo-Winzenborn. Die berufstätige Mutter versucht, jeden Abend mindestens eine halbe Stunde Zeit einzuräumen, um ihrer sechsjährigen Tochter Johanna vor dem Einschlafen vorzulesen. „Es wird gelesen, erzählt und gekuschelt. Diese Zeit muss dem Kind gehören“, sagt sie. Ihre Tochter kenne das gar nicht anders. Es wäre für sie eine Strafe, ohne das Vorlesen ins Bett gehen zu müssen.

Die Mutter ist der Meinung, dass Kinder dadurch auch besser sprechen lernen und dass man es Kindern anmerke, wenn ihnen nicht schon frühzeitig vorgelesen worden sei. Franziska Koppo-Winzenborn ist mit Bilderbüchern angefangen, inzwischen ist sie zu Lauras Stern oder Laura und Leon übergegangen. Auch Minni Maulwurf oder „Conni“ liebe die Sechsjährige, die nun selber eine Büchereikarte haben möchte.

Max, fast vier Jahre alt, holt sich nach Aussage seines Opas Peter Weiß, jede zweite Woche Bücher aus der Bibliothek. Die Oma, früher einmal in der Lesumer Stadtteilbibliothek tätig, habe den Enkel an Bücher herangeführt. „Er liebt alles über Bauerhöfe und Maschinen“, erzählt der Großvater, der dem Kleinen vorliest, wenn er bei den Großeltern zu Besuch ist. Sonst machten das natürlich Mama und Papa. „Wir sind Partner“, begründet Peter Weiß den Part als Vorleser, was ja eigentlich aufgrund der beruflichen Ausrichtung bei der Oma angesiedelt wäre.

Martin Gampe und Ehefrau Nadin aus Hodenhagen, die mit einem Stand auf dem Vegesacker Weihnachtsmarkt vertreten sind, kennen das Vorlesen aus der eigenen Kindheit. Während Martin Gampe kaum Zeit dafür hat, ist seine Frau der Meinung: „Das ist abends schon wichtig.“ Sie versucht das vor allem bei ihrer jüngsten Tochter Gilliane, auch so zu halten. Die ist sechs Jahre alt, die großen Kinder können inzwischen selber lesen. In der Woche gelinge das. „Am Wochenende haben wir aber keine Zeit. Dann liest Oma.“ Die Gampes sind mit ihrer Familie aufgrund ihres Berufes ständig an einem anderen Ort, aktuell nun sieben Wochen in Vegesack.

Janne Weiß (20) ist mit Grimms Märchen, Wilhelm Busch, Pettersson und Findus großgeworden. „Meine Mutter hatte es eher mit den Klassikern“, erzählt sie. Ihr wurde jeden Abend vorgelesen. Auch die Großeltern taten das. Das dauerte so lange, bis sie sich selber in Bücher vertiefte. „In meiner Familie lesen alle. Dadurch bin ich reingerutscht“, ist sie überzeugt. Das abendliche Vorlesen hat sich bis heute ausgewirkt. Sie hört vor dem Einschlafen Hörbücher. „Ich liebe das. Mir liest ja keiner mehr vor“, sagt Janne Weiß und lacht. Ihrer Meinung nach ist das Vorlesen „als Ritual sehr wichtig und etwas Schönes“. Das gebe Sicherheit und sei etwas Vertrautes. Sie selber gibt ihre positiven Erfahrungen weiter und liest vor, wenn sie als Babysitterin im Einsatz ist.

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