Bei „Vergissmeinnicht“ können Angehörige gemeinsam um verstorbene Kinder trauern

Jedes Leben ist ein ganzes Leben

Schwanewede. Den Titel „Vergissmeinnicht“ trug die Veranstaltung am vorvergangenen Sonntag, für die eigens ein Vergissmeinnichtbild gemalt worden war. Während der Gedenkstunde wurde das Bild so von der Sonne beleuchtet, dass es noch weiter an Strahlkraft gewann.
20.08.2017, 00:00
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Jedes Leben ist ein ganzes Leben

Das eigens für die Veranstaltung gemalte Vergissmeinnichtbild stand im Mittelpunkt der Veranstaltung.

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Schwanewede. Den Titel „Vergissmeinnicht“ trug die Veranstaltung am vorvergangenen Sonntag, für die eigens ein Vergissmeinnichtbild gemalt worden war. Während der Gedenkstunde wurde das Bild so von der Sonne beleuchtet, dass es noch weiter an Strahlkraft gewann. Cordelia Rose, Zahnärztin aus Schwanewede, die freie Trauerrednerin Katja Jenrich und die Hebamme Dorte Erasmi hatten erstmals einen Sommertermin zum Gedenken an verstorbene Kinder angeboten.

Der jährliche Termin am zweiten Sonntag im Dezember, zu der die drei Frauen und die Kirchengemeinde Schwanewede ebenfalls einladen, bleibt natürlich trotzdem bestehen. An diesem Tag wird jährlich weltweit verstorbener Kinder gedacht. „Jedes Leben ist ein ganzes Leben“, sagte die Trauerrednerin. Schon im Vorfeld hatten viele Interessierte angerufen und sich erkundigt. Auch Menschen, deren Verlust schon Jahre zurück liegt. „Endlich gibt es für uns einen gemeinsamen Tag zum Trauern, das hat uns so gefehlt“, sagte eine Besucherin am Ende und war froh, dass es diese Möglichkeit des gemeinsamen Gedenkens auch weiterhin geben wird. Jeweils am letzten Sonntag vor den Sommerferien.

Die Zusage von Friedwald gibt es schon. „Das hat mir gut getan. Die Atmosphäre war schön, der Wald ist so friedlich. Natürlich bleibt die Trauer um mein Kind, der Grund, warum ich gekommen war. Aber hier in der Natur und mit den Worten, die gesprochen wurden, kam zur Trauer noch ein zweites Gefühl dazu: Die Dankbarkeit, mit meinem Kind gelebt zu haben – wenngleich es in meiner Wahrnehmung so ist, dass die gemeinsame Zeit viel zu kurz war,“ sagte eine andere Teilnehmerin.

Ungefähr 30 Kinder und Erwachsene hatten sich versammelt. Sabine Stoewenau begrüßte im Namen der Firma Friedwald und der niedersächsischen Landesforsten die Familien und Freunde der verstorbenen Kinder. Während der Veranstaltung wurden Texte verlesen und die Teilnehmer knüpften ein Band aus einzelnen Bindfadenstücken als Zeichen der Verbundenheit betroffenen Familien. Die geriatrische Tagespflege in Friedehorts hatte Vergissmeinnichtkarten mit den Namen der verstorbenen Kinder gebastelt. Diese wurden verlesen und an dem Band befestigt, sodass sie im Grün der Bäume leuchteten. Materialien aus dem Wald wurden gesammelt, um gemeinsam ein Gedenkbild zu legen. Symbolisch entstand eine Kerze, da im Wald kein Feuer gemacht werden darf und deswegen auch keine Kerzen entzündet werden können. Die Kerzen jedoch gab es zum Schluss zum Mitnehmen. Diese sollten um 19.00 Uhr angezündet werden, als Zeichen der Verbundenheit der Familien untereinander, um trotz der räumlichen Trennung gemeinsam der verstorbenen Kinder zu gedenken. Der Chor „Lerchen“ unter der Leitung von Hauke Scholten sang Lieder aus „Siris Reise“. Die Texte passten zum gesprochenen Wort und verstärkten dessen Aussage: „So lange ich atme lebst Du in mir, mein Kind!“ Die Stücke des Chores erinnerten daran, dass wir alle Teil eines großen Lebenskreislaufs sind. „Nichts geht verloren in dieser Welt: Keine Asche und kein Wassertropfen, kein Sternenstaub und auch kein Blatt, kein Sandkorn, keine Liebe!“

„Da ist eine Lücke – und die Lücke bleibt. Denn mit der offen gehaltenen Lücke bleibt auch die Verbindung“, zitierte Cordelia Rose eine Passage, die schon lange Leitgedanke der Gedenkveranstaltungen für verstorbene Kinder ist. Noch lange nach dem Ende der Veranstaltung saßen Familien zusammen und tauschten sich aus.

Schon tags darauf gingen wegen der vielen Nachfragen von Bestattungsinstituten, Kinderhospizdiensten und vielen interessierten Einzelpersonen die Einladungskarten in Druck. Darauf ist auch die Adresse der Webseite zu finden (vergissmeinnicht-sterne.jimdo.com) Hier finden Interessierte zukünftig alle Informationen zu den Veranstaltungen, sowie die Ansprechpartnerinnen. „Wir freuen uns sehr über die nachhaltige Resonanz. Das zeigt uns einmal mehr, wie wichtig unsere Arbeit um die Gedenkveranstaltung ist“, sind sich die Initiatorinnen einig.

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