Führungen rund um den Bunker-Bau

Jugendliche lehren Geschichte

Neuenkirchen. Sie sind gerade erst zwölf, 13 und 17 Jahre alt. Und doch hören ihnen 16 Erwachsene ganz gebannt zu: Talon Giepz, Finja Schäfermeier und Madelaine Schweinfurth haben sich auf ihre erste Führung durch den „Lernort Baracke Wilhelmine“ ein halbes Jahr vorbereitet.
08.10.2017, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Volker Kölling

Neuenkirchen. Sie sind gerade erst zwölf, 13 und 17 Jahre alt. Und doch hören ihnen 16 Erwachsene ganz gebannt zu: Talon Giepz, Finja Schäfermeier und Madelaine Schweinfurth haben sich auf ihre erste Führung durch den „Lernort Baracke Wilhelmine“ ein halbes Jahr vorbereitet. Nach der Premiere mit älteren Besuchern und den eigenen Familien wollen sie in Zukunft vor allen Dingen Kindern und Jugendlichen von der Vergangenheit berichten.

Madelaine Schweinfurth ist als 13-­Jährige allerdings aus eigener Erfahrung gar nicht dafür, schon Grundschulkinder mit all den Geschehnissen rund um den Bau des U-Boot-Bunkers Valentin zu belasten – der Zwangsarbeit, der Unterdrückung, all den Toten: „Ich bin dort mit zwölf Juniorguide geworden. Und es war anfangs wirklich eine ­krasse Belastung für mich als Zwölfjährige, auf einmal all dieses Wissen um die Dinge, die hier geschehen sind, im Kopf zu haben.“

Andererseits ist sie in einem Punkt ganz ­sicher: Sie könne Gleichaltrige eher erreichen als die älteren ehrenamtlichen Mitarbeiter der Heimatfreunde Neuenkirchen, die sich sonst um die Baracke Wilhelmine mit ihrer Dauerausstellung und den dazugehörigen Führungen kümmern. Das selbstbewusste Auftreten haben die drei frischgebackenen „Junior Guides“ sogar bei laufender Kamera geübt.

In jedem Fall soll die Jugendführung ­keine Eintagsfliege gewesen sein. Jetzt soll es erst richtig losgehen. „Wir machen das weiter,“ versprechen alle drei nach der Feuertaufe. Besonders Talon seufzt laut auf, als es geschafft ist und nur noch der Applaus eingesammelt werden muss.

Projektleiterin Adrienne Körner und Harald Grote von den Heimatfreunden Neuenkirchen wollen ihre kleine Freiwilligengruppe vielleicht schon bald auf das nächste Thema ansetzen: Die Ausarbeitung einer Jugendführung mit dem Schwerpunkt auf dem Gut Hohehorst und dem Treiben des Nazi-Vereins Lebensborn in dem Heim. ­Grote: „Das ist jetzt das zweite Jugendprojekt hier, und wir wollen diesen Weg auf jeden Fall fortsetzen. Es darf nicht vergessen werden, was hier passiert ist.“

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