Großkatze mit kleinem Hund geködert Jungluchs "Paul" ist zurück

Der entwichene Jungluchs "Paul" ist zurück im Nationalpark Harz. Eine Spaziergängerin hatte ihn mit ihrem kleinen Hund als vermeintlich leichter Beute angelockt und in Schach gehalten, bis Hilfe kam.
17.11.2014, 12:09
Lesedauer: 2 Min
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Zwei Wochen nach der illegalen Freilassung dreier junger Luchse aus dem Gehege des Nationalparks Harz ist ein zweites Tier wieder da. Unbekannte hatten Anfang November Löcher in den Zaun des Luchs-Schaugeheges an den Rabenklippen bei Bad Harzburg geschnitten, durch die die Tiere entkommen waren.

Luchsprojektleiter Ole Anders konnte den einjährigen "Paul" bereits am Wochenende in der Nähe von Stapelburg (Sachsen-Anhalt) mit einem Narkosegewehr betäuben und einfangen. Jetzt fehlt nur noch die junge Luchsin "Alice". Ihre Zwillingsschwester "Ellen" war bereits eingefangen worden.

Jungluchs "Paul" befinde sich derzeit zur Beobachtung auf der Krankenstation des Geheges, sagte Anders am Montag. Das Tier sei zwar nicht verletzt, "aber in diesem Gehege kommen wir am besten an ihn ran". Eine Frau, die mit ihrem kleinen Hund im Wald spazieren ging, habe "Paul" dort am Sonnabend entdeckt und in Schach gehalten, bis bis Nationalparkmitarbeiter eintrafen.

"Der Luchs war vor allem an dem kleinen Hund interessiert, mein großes Lob gilt dessen Besitzerin, sie hat das tapfer durchgestanden", erzählt Anders. "Statt sich einfach in ihr Auto zurückzuziehen, hat sie uns angerufen und 'Pauls' Interesse an ihrem Hund wachgehalten." Schließlich konnte der Projektleiter, der schnell an Ort und Stelle war, die große Katze mit einem Schuss aus dem Betäubungsgewehr mattsetzen.

Motiv der illegalen Luchsbefreiung bleibt unklar

Bereits in der Nacht zu Sonnabend war "Paul" zwischen Ilsenburg und Stapelburg gesichtet worden, als er sich in der Nähe einer Straße an einem toten Reh stärkte. "Wir gehen nicht davon aus, dass er das Reh gerissen hat, sondern vermuten eher, dass es von einem Auto angefahren wurde". Für die beiden Luchse werde es schwer, in Freiheit zu überleben, hatte der Nationalpark Harz kurz nach dem Verschwinden der jungen Tiere erläutert. "Sie haben das Jagen nicht gelernt. Und sie müssen sich ihren Artgenossen stellen". Revierkämpfe seien Alice und Paul nicht gewohnt.

Für Ole Anders und die Nationalparkverwaltung ist das Motiv der illegalen Luchsbefreiung nach wie vor ein Rätsel. In den 14 Jahren seit Bestehen des Geheges habe es keinerlei Vandalismus oder irgendwelche Forderungen nach einer Freilassung der Luchse gegeben. Deswegen sei die Aktion völlig überraschend gewesen. "Es bleibt ein ungutes Gefühl, wir haben keine Ahnung, was das gesollt hat."

Im Frühjahr hatte eine eine Jägerin aus dem Landkreis Verden einen Luchs im Nachbarkreis Walsrode gesehen. Der strengen Kriterien unterworfene Nachweis habe sich bislang nicht nicht erbringen lassen. Deshalb geht Ole Anders davon aus, dass die nördliche Verbreitungsgrenze der Großkatzen bei Hameln liegen könnte. (jr)

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