Erfolgsautorin Cornelia Funke stellte in der Glocke ihr neues Buch vor / Schreibblockaden kennt sie nicht Kam ein Wort durch die Nacht

Mehr als 20 Millionen Bücher hat Cornelia Funke („Die wilden Hühner“, „Tintenherz“) bereits verkauft, sie sind in über 40 Ländern erschienen. Mit „Reckless“ hat die Bestseller-Autorin 2010 einen Fantasy-Roman kreiert, der sich an die Märchen der Brüder Grimm anlehnt. Den dritten Band der Reihe, „Das goldene Garn“, stellte die frühere Hamburgerin mit Hörbuchsprecher Rainer Strecker in der Bremer Glocke vor.
07.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kam ein Wort durch die Nacht
Von Uwe Dammann

Mehr als 20 Millionen Bücher hat Cornelia Funke („Die wilden Hühner“, „Tintenherz“) bereits verkauft, sie sind in über 40 Ländern erschienen. Mit „Reckless“ hat die Bestseller-Autorin 2010 einen Fantasy-Roman kreiert, der sich an die Märchen der Brüder Grimm anlehnt. Den dritten Band der Reihe, „Das goldene Garn“, stellte die frühere Hamburgerin mit Hörbuchsprecher Rainer Strecker in der Bremer Glocke vor.

. Zunächst musste einmal ein starker Kaffee her. Cornelia Funke litt ein bisschen an Jetlag – was auch kein Wunder war. Vorgestern war sie noch in ihrer Wahlheimat Los Angeles, gestern morgen in London und am Abend dann in Bremen. Lesereisen können für international erfolgreiche Schriftsteller ganz schön anstrengend werden. Allerdings war der Erfolgsautorin der Reisestress bei der Stippvisite in der Glocke nicht anzumerken.

Präsent und charmant plauderte sie mit dem Moderator und mit dem Publikum über ihr Leben in den USA, wie sie auf ihre Buchideen kommt oder wie man als Deutsche im fernen Amerika so lebt. „Bei uns ist es morgens auch kalt – fünf, sechs Grad, aber nachmittags gehen die Temperaturen auf 23 Grad rauf“, schildert Cornelia Funke das Klima im sonnigen L.A. Aber für den Wetterbericht war sie wahrlich nicht nach Bremen gekommen. Die Erfolgsautorin stellte im kleinen Saal der Glocke auf Einladung der Thalia-Buchhandlung ihr neues Buch – den dritten Teil der „Reckless“-Reihe vor. Gemeinsam mit Rainer Strecker las sie aus dem Werk. Der Schauspieler hat die Hör-CD eingesprochen und ergänzte sich bei der Lesung mit der Autorin hervorragend.

„Reckless. Steinernes Fleisch“ hieß der erste Band der weltweit erfolgreichen Fantasy-Romanreihe von Cornelia Funke. Der Roman lehnt sich an die Märchen der Gebrüder Grimm an.

Als Nachfolger erschien „Reckless. Lebendige Schatten“ im Jahr 2012

,

und nun liegt mit „Reckless. Das goldene Garn“ der dritte Teil vor. Kurz zur Grundidee: Als zwölfjähriger Junge begibt sich Jacob aus Sehnsucht nach seinem verschwundenen Vater John Reckless in dessen Zimmer. Dort findet er eine Botschaft, mit deren Hilfe er durch einen Spiegel in eine Spiegelwelt gerät. Dort existieren die Figuren der Grimmschen Märchen tatsächlich, die Welt hat sich aber weiterentwickelt und modernisiert und befindet sich nun in einem Zustand des Verfalls. Im dritten Band führt die Reise hinter dem Spiegel Jacob weit gen Osten. Das Ganze ist spannend, fantasievoll und vor allem in einer bildhaften, aber gleichsam prägnanten Sprache geschrieben. Insgesamt will die Erfolgsautorin Funke die Reckless-Reihe über alle fünf Kontinente fortsetzen, um möglichst viele Märchentraditionen aufgreifen zu können.

Mindestens so spannend wie die Geschichte war der anschließende Talk mit der Erfolgsautorin. Cornelia Funke plauderte in der Glocke nicht nur mit dem Publikum, sondern stellte sich auch den Fragen des Moderators.

Wie kommt sie auf ihre Geschichten? Cornelia Funke ist fest davon überzeugt, dass die Geschichten, die sie erzählt, schon in irgendeiner Weise existieren, wenn sie auf sie stößt. Sie helfe den Geschichten, sich zu zeigen, so die Autorin. So lässt sich zum Beispiel das Motto verstehen, das Cornelia Funke ihrem Erfolgsbuch „Tintenherz“ vorangestellt hat: „Kam, kam. Kam ein Wort, kam, kam durch die Nacht, wollte leuchten, wollte leuchten . . .“, zitiert sie den französischen Dichter Paul Celan.

Schreibblockaden – das glaubt man einer Autorin von über 50 verschiedenen Titeln gerne – kennt Cornelia Funke nach eigenem Bekunden nicht. Geschrieben wird überall – auf Reisen, in Hotelzimmern, zunächst in Kladden, die dann zu Hause in L.A. abgetippt werden. Natürlich färbt auch die unmittelbare Umgebung ab. Da Cornelia Funke Venedig sehr liebt, spielt die Handlung des Bestsellers „Herr der Diebe“ rund um den Dogenpalast.

In Los Angeles lebt die Autorin seit mehr als zehn Jahren, und obwohl sie die Lebensart im sonnigen Kalifornien liebt, ist sie mit der Filmstadt Hollywood fertig. 75 Millionen Dollar hat ein Studio damals ausgegeben, um die Geschichten von „Tintenherz“ auf die Leinwand zu bringen – von dem Film war Funke wenig begeistert. Sie tut sich grundsätzlich schwer, ihre Geschichten auf der Leinwand zu verfolgen. Allenfalls für Regisseur Detlev Buck, der „Hände weg von Mississippi“ verfilmte, hat sie ein Lob: „Er hat die Idee des Buches sehr schön umgesetzt“, so Funke. Die Filmrechte an Reckless hat sie jetzt – trotz Bedenken – an Constantin verkauft.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+