Peer Meter schließt seine Serienmörder-Trilogie mit der Menschenfresser-Moritat „Vasmers Bruder“ ab

Karl, der Killer-Kannibale

Der Worpsweder Autor Peer Meter hat seine Serienmörder-Trilogie beendet. Auf die Bände „Gift“ (über Gesche Gottfried) und „Haarmann“ folgt „Vasmers Bruder“. Das im Carlsen-Verlag erschienene Buch schildert den Fall des Killer-Kannibalen Karl Denke, der zwischen 1903 und 1924 im schlesischen Münsterberg (heute Ziebice in Polen) 30 Menschen tötete und, zumindest teilweise, verspeiste. Jetzt hat Peer Meter das mit dem Zeichner David von Bassewitz realisierte Werk vorgestellt – sinnigerweise in der Krimibibliothek.
08.03.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von OLIVER RISTAU
Karl, der Killer-Kannibale

Auszug aus dem Serienmörder-Comic „Vasmers Bruder“. ABBILDUNG: DAVID VON BASSEWITZ

David von Bassewitz

Der Worpsweder Autor Peer Meter hat seine Serienmörder-Trilogie beendet. Auf die Bände „Gift“ (über Gesche Gottfried) und „Haarmann“ folgt „Vasmers Bruder“. Das im Carlsen-Verlag erschienene Buch schildert den Fall des Killer-Kannibalen Karl Denke, der zwischen 1903 und 1924 im schlesischen Münsterberg (heute Ziebice in Polen) 30 Menschen tötete und, zumindest teilweise, verspeiste. Jetzt hat Peer Meter das mit dem Zeichner David von Bassewitz realisierte Werk vorgestellt – sinnigerweise in der Krimibibliothek.

Eine notwendige Erklärung habe man zu machen. So leiteten der gebürtige Bremer Autor Peer Meter und der in Berlin lebende Zeichner David von Bassewitz in der Krimibibliothek die Lesung des Comics „Vasmers Bruder“ ein. Robuste Nerven waren von Vorteil bei der Vorstellung des abschließenden Bandes von Meters Serienmörder-Trilogie. „Gift“, der erste Teil, entstand 2010 in Zusammenarbeit mit Barbara Yelin. Es folgte der Band „Haarmann“, für den Isabel Kreitz die Taten des mörderischen Kannibalen Fritz Haarmann in und um Hannover zeichnerisch umsetzte. Im jetzt erschienenen Werk geht es um den aus Münsterberg stammenden Karl Denke. Der Mehrfachmörder verspeiste seine Opfer nicht nur teils, sondern verarbeitete ungenießbare Überreste zu Hosenträgern und anderen nützlichen Accessoires.

Meters Erklärung zu Beginn diente als Warnung vor den gezeigten Bildern von Denkes makabrer Sammlung. Auf diesen Fotos sind unter anderem die Gebeine der Toten zu sehen; eines zeigte einen unterhalb des Knies abgetrenntes Bein samt Fuß. Der fehlende Hautstreifen im Bereich des Schienbeins und die ebenfalls dazu gezeigten Gürtel verfehlten ihre Wirkung jedenfalls nicht. Dem realen Schrecken folgte der Versuch einer künstlerischen Annäherung an das Unfassbare durch eine Lesung mit Power Point-Präsentation.

Problematisch ist bei derartigen Umsetzungen vor Publikum das Wesen des Comics: Seitenarrangements sind visuelle Kompositionen, die ebenso wie das Einzelbild aussagekräftige Wirkung besitzen. Und das Alleinstellungsmerkmal der Kunstform besteht unter anderem aus der Leistung der Zusammenführung der einzelnen Elemente durch den Leser. Die in der Krimibibliothek präsentierte Auswahl konzentrierte sich daher vorwiegend auf textlose Ausschnitte, um den von Bildpräsentation und inszenierter Lesung geprägten Vortrag nicht zu überladen. Dank stimmiger Intonation und einem Gespür für Momente, in denen die beiden Vortragenden die Wirkung der Zeichnungen durch Stille akzentuierten, war das Ergebnis effektvoll.

„Vasmers Bruder“ erzählt die Geschichte von der Suche eines Mannes nach seinem verschwundenen Bruder, die ihn erst in den abgelegenen Ort Münsterberg und bald darauf in menschliche Abgründe führt. Die Hauptfigur Vasmer verliert sich während dieser Suche im Nachlass von Denke – und taucht immer tiefer in dessen grauenvolle Welt ein, die ihn sowohl abstößt wie auch fasziniert.

Für die Bildrecherche, so erzählte von Bassewitz, fuhr er in eben jenes heute polnische Städtchen und machte etliche Fotos. Neben mit Modellen inszenierten Szenen dienten diese als Grundlage für die zeichnerische Bearbeitung mit Kohle und Kreide. Es entstanden wie ausgeblichen wirkende und beeindruckende Bilder, bei denen nur ein symbolträchtiger Einsatz von Kreuzen etwas zu aufgetragen wirkt. Ansonsten verlieh sein Aufenthalt in Denkes Heimatort nicht nur den von ihm gelesenen Passagen von Vasmers Sicht der Dinge eine morbide Authentizität: Es entstand auch der Empathie weckende Moment, der etwa in „Gift“ den Mensch hinter Gesche Gottfrieds Taten ansichtig machte und so den Schrecken vervielfachte. Dieser Aspekt geht im aktuellen Werk etwas verloren, die psychologische Charakterisierung gerät zugunsten konkret beschriebener Gräuel mehr in den Hintergrund.

Sehr gelungen ist die an verblichene Fotografien erinnernde Visualisierung der im Comic vorherrschenden kalten und misstrauischen Atmosphäre, in der Verdächtigungen unausgesprochen bleiben. Meter führte aus, dass – wie im Rest der Trilogie – sein Interesse dem gesellschaftlichen Versagen in allen Fällen gilt. Denn es gab jeweils viele Ungereimtheiten, bevor die Täter überführt werden konnten.

So wurden an diesem Abend viele Hintergründe des Comics vermittelt, den Meter und von Bassewitz schufen. Zudem verdeutlicht bis 27. März eine Ausstellung in der Zentralbibliothek den Entstehungsprozess. Meters Manuskriptentwurf, von Bassewitz’ darauf basierenden Storyboards, weitere Überarbeitungsstufen und das Endergebnis gewähren einen dichten Einblick in die Arbeitsweise beider Künstler.

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