Michel Houellebecq liest in Köln Keine besonderen Vorkommnisse

Köln. Eine riesige Bühne mit schwarzem Vorhang im Hintergrund, vier Sessel, die etwas verloren dastehen. In einem davon ein zerbrechlich wirkender Mann, der leise und nachdenklich spricht.
21.01.2015, 00:00
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Eine riesige Bühne mit schwarzem Vorhang im Hintergrund, vier Sessel, die etwas verloren dastehen. In einem davon ein zerbrechlich wirkender Mann, der leise und nachdenklich spricht. Der mit größter Spannung und auch mit Befürchtungen erwartete Auftritt von Michel Houellebecq in Köln, sein erster nach den Terroranschlägen von Paris, verlief ohne Zwischenfall. Schon nach wenigen Minuten fiel die Anspannung von den 600 Zuhörern im Saal ab. Einige Karten waren aus Furcht vor Gewalt zurückgegeben worden, andere im Publikum gestanden ein mulmiges Gefühl. Denn das Massaker in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ wurde an dem Tag begangen, als Houellebecqs „Unterwerfung“ in Frankreich erschien. Der Autor tauchte daraufhin ab – und nun in Köln wieder auf.

Natürlich standen die Fragen im Raum: Macht Houellebecq Angst vor dem Islam? War auch das ein Motiv der Terroristen, die zwölf Menschen ermordeten? Seine Botschaft in Köln: Sein Buch sei nicht islamophob, aber man dürfe auch ein islamophobes Buch schreiben, wenn man wolle.

In Köln befragt ihn Nils Minkmar von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nicht nur nach Fantasien, sondern auch nach politischen Einschätzungen. Etwa danach, was den rechtsextremen Front National von Marine Le Pen so attraktiv mache. „Ich würde gerne eine Zigarette rauchen, um darüber nachzudenken“, murmelt der Autor, steckt sich auf der Bühne eine an – und sagt dann: Der Front National vereinnahme immer mehr Themen für sich, erst die Furcht vor der Zuwanderung, dann die Ablehnung der Europäischen Union, jetzt die Angst vor dem Islam. Das Publikum kann Houellebecq sozusagen beim Denken zuhören. Am Ende befürchtet er selbst, nicht immer klar geantwortet zu haben: „Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich meine Gedanken etwas sauberer aufgeschrieben“, sagt er – und dankt für den Schlussapplaus.

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