Graphic Novels der Autorin Zeina Abirached sind im Institut français zu sehen Kindheitserinnerungen aus Beirut

Bremen. René Goscinny und Albert Uderzo, die Väter von Asterix, gehören zur französischen Literatur wie Honoré de Balzac und Victor Hugo. Es gibt in der Grande Nation keine Buchhandlung ohne eine gut sortierte Comicabteilung.
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Von Annica Müllenberg

René Goscinny und Albert Uderzo, die Väter von Asterix, gehören zur französischen Literatur wie Honoré de Balzac und Victor Hugo. Es gibt in der Grande Nation keine Buchhandlung ohne eine gut sortierte Comicabteilung. Der Direktor des Institut français Bremen, Philippe Wellnitz, will den Deutschen das Kulturgut seiner Heimat näher bringen und hat die bunte Bilderkunst zu einem Ausstellungsschwerpunkt des Hauses erklärt.

Im Fokus steht derzeit die franko-libanesische Autorin und Zeichnerin Zeina Abirached. „Asterix kennt in Frankreich jeder. Auf den Buchdeckeln steht für Sieben- bis Siebenundsiebzigjährige“, sagt Philippe Wellnitz und macht deutlich, dass bei den Nachbarn jenseits des Rheins die bunten Bände mit den Sprechblasen keineswegs eine Angelegenheit nur für die Jugend sind. Die Exemplare von Zeina Abirached gehören derzeit zu Wellnitz‘ Favoriten. „Sie hat mit ihren schwarz-weißen Zeichnungen eine eigene Stilrichtung begründet. Ich mag ihre Bücher sehr.“

Auf dem Schreibtisch in seinem Büro liegen die Graphic Novels „Ich erinnere mich“ und „Das Spiel der Schwalben“ der Libanesin, die vor zehn Jahren nach Paris zog und seitdem dort arbeitet. In den 2013 und 2014 auf Deutsch erschienenen Bänden schildert Zeina Abirached mit Kinderaugen ihr Leben im vom Krieg erschütterten Beirut. Dieses reicht von der Demarkationslinie bis in die heimische Diele – dem Schutzraum für die Bewohner des Hauses. Die Bomben fallen draußen, im Flur mit den Nachbarn ist es friedlich, ja gemütlich. Künstlerisch anspruchsvoll, reich an Ornamenten und symbolischen Abbildungen sind die puristischen Einblicke in die elterliche Wohnung.

„In Frankreich werden ihre Werke sehr beachtet. Es gab schon immer enge Beziehungen in den Libanon und nach Syrien. Beirut galt als das Paris des Orients“, sagt der Franzose Wellnitz. Aus den Zeichnungen der Bände „Ich erinnere mich“ und „Das Spiel der Schwalben“, die im Institut français Bremen bis zum 23. November ausgestellt sind, spricht gelebte libanesische Zeitgeschichte. Das gelingt ganz ohne Gewehre und Soldaten, sondern mit vergnügtem Plantschen in der Badewanne und mit dem selbst gebackenen Lieblingskuchen. „Mir lag am Herzen, die guten Momente und die Solidarität zu zeigen“, sagt die Absolventin der libanesischen Akademie der Künste in Beirut und der Ecole Nationale des Arts Décoratifs in Paris. Der Vergleich mit Vögeln kam ihr in den Sinn, weil sie sich ein Wandgraffiti einprägte: Sterben, wegziehen, wiederkehren – das ist das Spiel der Schwalben. „Letztendlich waren die Libanesen alle Schwalben – Menschen in einem Zustand des Übergangs. Ob sie nun auf die Ausreise nach Kanada warteten oder auf das Ende des Krieges“, so Abirached. Das Bedürfnis, den Krieg zu thematisieren, treibt die Künstlerin um, weil der Krieg stets ein Tabu war. Bei Recherchen stieß sie einst auf ein Videodokument, in dem eine Frau erklärte, sie glaube, in Sicherheit zu sein. Im Hintergrund sind Detonationen zu hören. Die Frau war Abiracheds Großmutter. Das neue Werk „Le Piano Oriental“, in das sich wieder autobiografische Einflüsse fädeln, stellt die Autorin in Bremen vor und reist dafür extra aus Amerika an. Laut Wellnitz wird es eine Vernissage mit den neuen Comiczeichnungen geben, die Zeina Abirached eröffnet. Außerdem möchte die Künstlerin Schülern in Workshops das politische Zeichnen vermitteln.

Der Band ist gerade auf Französisch erschienen und steht schon im Büro des Direktors. „Es wird sicherlich nicht lange dauern, bis ,Le Piano Oriental‘ ins Deutsche übersetzt wird“, vermutet er. Bis Montag, 23. November, sind die Zeichnungen der Graphic Novels „Ich erinnere mich“ und „Das Spiel der Schwalben“ im Institut français Bremen, Contrescarpe 19, zu sehen. Am Mittwoch, 25. November, stellt Zeina Abirached ihr neues Werk „Le Piano Oriental“ ab 19 Uhr im französischen Kulturinstitut vor. Die Schau mit den Graphic Novels aus diesem Band ist bis Montag, 4. Januar, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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