Kriterien für TV-Preis umstritten Kritik an Grimme-Institut

Marl. Hat der Grimme-Preis nach 50 Jahren noch einen Einfluss auf die Qualität des Fernsehprogramms? Rekordpreisträger Dominik Graf jedenfalls äußert Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern. Die Feststellung der Quote sei mittlerweile das einzige Kriterium, sagte der Regisseur und zehnfache Preisträger dem Deutschlandradio Kultur.
06.04.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Hat der Grimme-Preis nach 50 Jahren noch einen Einfluss auf die Qualität des Fernsehprogramms? Rekordpreisträger Dominik Graf jedenfalls äußert Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern. Die Feststellung der Quote sei mittlerweile das einzige Kriterium, sagte der Regisseur und zehnfache Preisträger dem Deutschlandradio Kultur. „Es gibt sehr viele Abteilungen in den Sendern, die auf diese Preise überhaupt nicht mehr reagieren.“ Darauf müsse sich auch das Grimme-Institut einstellen. Kreativität sei eingeschränkt.

50 Jahre ist der Grimme-Preis jetzt alt, und weiterhin ist sein Ziel: Fernsehleistungen von hoher Qualität auszuzeichnen. Am Freitagabend durften Grimme-Organisatoren, Preisträger und das Publikum im Stadttheater von Marl feiern. Ehemalige Preisträger wie der siebenmalige Grimme-Gewinner Heinrich Breloer waren dabei, ebenso Bundespräsident Joachim Gauck.

Gauck lobte den Grimme-Preis und das, wofür er steht. „Dass das Medium allein eben noch nicht die Botschaft ist, sondern dass es auf die Inhalte und deren Qualität ankommt – darauf immer wieder hinzuweisen, ist das Verdienst des Grimme-Preises und des Grimme-Institutes.“ Und Gauck appellierte, Neuland zu betreten und sich nicht beirren zu lassen. Selbst die Tatortfigur Schimanski sei damals auf Widerstand gestoßen. Kaum etwas habe Duisburg so populär gemacht wie der erfundene Kommissar. Es habe aber wütende Proteste aus Duisburg und dem ganzen Ruhrgebiet gegeben, weil man ein schlechtes Image gefürchtet habe. Und trotzdem habe sich der Schimanski-Krimi durchgesetzt.

Beim Grimme-Geburtstag holte der österreichische Tatort „Angezählt“ (ORF) mit Harald Krassnitzer den siebten Grimme-Preis in der vier Jahrzehnte langen Tatort-Geschichte. Der Deutsche Volkshochschulverband als Preisstifter zeichnet die Krimireihe zudem mit der „Besonderen Ehrung“ aus. Autor und Regisseur Heinrich Breloer lobte seinen Kollegen und aktuellen Preisträger Raymond Ley. Der hatte das Buch zu dem Afghanistan-Film „Eine mörderische Entscheidung“ (NDR/Arte) geschrieben und auch Regie geführt. Die Auszeichnung des Films, der einen von fünf Grimme-Preisen in der Kategorie Fiktion gewinnt, ist typisch für die Zielrichtung der Juroren. Sie müssen Sendungen und Leistungen herausfiltern, die für die Programmpraxis vorbildlich sind.

Damit neben gut gemachten und spannenden Filmen sowie der Rubrik „Information und Kultur“ die leicht verdauliche Kost nicht zu kurz kommt, wurden zwei von zwölf Grimme-Preisen an die Unterhaltung vergeben. Mit „Circus HalliGalli“ (ProSieben) und der satirischen Late-Night-Show „Neo Magazin“ (ZDF neo) gewinnen zwei ähnliche Formate die Preise.

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