Tatort-Kritik

Heißer Fall

Ein Mann steht unter Mordverdacht, aber beteuert seine Unschuld. Der neue "Tatort" aus Dresden ist eine atemlose Suche nach der Wahrheit – und der bisher beste Film des Teams.
04.04.2020, 21:41
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Heißer Fall
Von Katharina Frohne
Heißer Fall

Louis (Max Riemelt, links) und Anna Bürger (Katia Fellin) in einer Szene des Dresdner "Tatorts" "Die Zeit ist gekommen"

Michael Kotschi/dpa

Dieser „Tatort“ ist schwer mit anzusehen, das beginnt schon in Szene eins. Ein junger Mann hockt in einer dunklen Gefängniszelle, spitzt eine Zahnbürste an, rammt sie sich ins Ohr. Viele schmerzhafte Sekunden lang. Wer da schon versucht ist, wegzuzappen, dem sei geraten: durchhalten. Es lohnt sich. Sehr.

„Die Zeit ist gekommen“ (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) heißt der neue Fall aus Dresden, und er ist der bislang beste dieses ohnehin oft sehr solide Unterhaltung abliefernden Teams. Worum geht's? Louis, der Mann aus der Zelle, saß schon einmal im Knast, kam wieder frei, steht jetzt unter Mordverdacht. Ein Autobahnpolizist ist tot, Louis' Fingerabdrücke wurden an der Mordwaffe gefunden. Er aber beteuert seine Unschuld.

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Verkörpert wird dieser verzweifelte, zwischen Angst und Hoffnung hin und her taumelnde Mann von Max Riemelt („Im Angesicht des Verbrechens“, „Sense8“) – und dessen großartiges Spiel trägt diesen zusätzlich gut geplotteten, keine Sekunde langweiligen Krimi (Regie: Stephan Lacant, Buch: Stefanie Veith und Michael Comtesse). Ist Louis Täter oder Opfer? Und ist es vielleicht möglich, beides zu sein? Gorniak (Karin Hanczewski) und Winkler (Cornelia Gröschel) wühlen sich im sommerlich-schwülen Dresden durch Indizien, Aussagen und widersprüchliche Bauchgefühle – und wissen lange nicht, wem sie glauben sollen. Ein aufwühlender, atemloser Fall, der die Kommissarinnen und Chef Schnabel (Martin Brambach) gehörig ins Schwitzen bringt. Und den Zuschauer mit ihnen.

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