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Kulturhauptstadt wird überrannt

Essen. Mit einer gelungenen Eröffnungsfeier und großem Besucherandrang auf der verschneiten Essener Zeche Zollverein hat am Samstag das Kulturhauptstadtprogramm 2010 im Ruhrgebiet begonnen.
11.01.2010, 09:20
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Kulturhauptstadt wird überrannt

Eröffnungsfeier Kulturhauptstadt 'Ruhr.2010'

dpa

Essen. Mit einer gelungenen Eröffnungsfeier und großem Besucherandrang auf der verschneiten Essener Zeche Zollverein hat am Samstag das Kulturhauptstadtprogramm 2010 im Ruhrgebiet begonnen.

Ein Jahr lang sind rund 2500 Veranstaltungen aus Kunst, Musik und Theater in der einstigen Kohle- und Stahlregion geplant. Ruhr.2010-Chef Fritz Pleitgen will vor allem die Rolle der Kultur für den Strukturwandel eines Industriegebietes herausstellen. «Wir wurden lange unterschätzt. Das soll sich ändern», sagte der gebürtige Duisburger. Das Ruhrgebiet mit seinen 53 Kommunen teilt sich die Kulturhauptstadtwürde mit Pecs in Ungarn und dem türkischen Istanbul.

In Pecs wurde das Programm am Sonntagabend mit einem großen Historien-Spektakel gestartet. Tänzer, Schauspieler, Statisten auf meterhohen Stelzen und 450 Schüler stellten die geschichtlichen Epochen der durch etliche Völker und Kulturen geprägten Stadt dar. Pecs (deutsch Fünfkirchen) will sich offen und jung präsentieren. Das Kulturhauptstadtjahr soll mit seinen über 500 Programmen Touristen und Kulturinteressierte in die Region locken. Ministerpräsident Gordon Bajnai erklärte: «Ein Jahr lang ist Pecs das Schaufenster Ungarns.» In Istanbul ist die Eröffnung erst am 16. Januar geplant.

Das Kulturfest auf der Zeche im Ruhrgebiet wurde schon am ersten Tag von Besuchern fast überrannt: «Essen stürmt Zollverein», schrieb ein Gast im Internetdienst Twitter. Rund 100 000 Besucher zählten die Veranstalter allein bis zum späten Samstagabend.

«Unsere Rechnung ist aufgegangen», sagte Pleitgen. Der im Fernsehen übertragene Eröffnungsfestakt unter freiem Himmel vor der Kulisse der stillgelegten Kokerei Zollverein habe genau die Bilder des Wandels durch Kultur produziert, für die das 2010-Programm stehe. Insgesamt knapp zwei Millionen Menschen verfolgten in ZDF und WDR die Feier, die über die Deutsche Welle auch weltweit gesendet wurde.

Die neue Ruhr-Hymne von Herbert Grönemeyer für das Kulturhauptstadtjahr 2010 schaffte es am Sonntag schon auf Platz eins der MP3-Charts des Internet-Händlers Amazon. Grönemeyer hatte «Komm zur Ruhr» beim Eröffnungsfestakt uraufgeführt.

Köhler: «Ein Wintermärchen»

«Früher qualmten in dieser Region die Schlote. Statt der Kohle von unter Tage werden nun die Ideen gefördert, die in den Köpfen und Herzen der Menschen schlummern», sagte der sichtbar gut gelaunte Bundespräsident Horst Köhler bei der Eröffnungsfeier. «Das ist ja ein Wintermärchen her», rief er angesichts des dichten Pulverschnees.

Köhler kam verspätet, weil sein Flugzeug wegen des Schneefalls nicht pünktlich auf dem Düsseldorfer Flughafen landen konnte. Tief «Daisy» hatte den Organisatoren bis zur letzten Minute Kopfzerbrechen bereitet. «Es hat geklappt, aber es war knapp», sagte Pleitgen. Bei einer vereisten Bühne hätte die Eröffnungsshow mit zum Teil akrobatischen Tanzeinladungen abgesagt werden müssen. Letztlich reichte aber ständiges Nachstreuen und Wischen, besonders gewagte Sprünge wurden gestrichen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso lobte das Ruhrgebiet mit seinen rund 170 Nationalitäten als «Meltingpot (Schmelztiegel) der Völker und Kulturen». Das Ruhrgebiet gestalte den Wandel mit Mut und Kreativität, auch wenn er gelegentlich unbequem sei.

«Heute geht ein Traum in Erfüllung», sagte NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) beim Festakt. Der Titel der Kulturhauptstadt sei ein Glücksfall für Essen und das Ruhrgebiet. Auch nach dem Kulturhauptstadtjahr sollten die Projekte mit Leben gefüllt werden. Deshalb werde das Land nach 2010 zunächst 15 Millionen Euro für das Projekt «Kreativ.Quartiere» freimachen.

Für den rein künstlerischen Etat stehen der Kulturhauptstadt gut 62 Millionen Euro zur Verfügung. Zu den 300 Projekten in diesem Jahr zählt Spitzenkultur wie eine Reise durch sechs Theater der Region, die unter dem Motto «Odyssee» den Homer-Stoff neu inszenieren. (dpa)

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