Der Verein KUNO geht moderne Wege und zeigt Ausstellungen, Konzerte und Lesungen in der digitalen Welt Kunst und Kultur via Display

Langwedel. Sich mit einem Mausklick vom heimischen Sofa aus in eine Ausstellung befördern oder einem Konzert lauschen – das ist dank der Internetseite www.kunoweb.
01.10.2017, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Andrea Kreutzer

Langwedel. Sich mit einem Mausklick vom heimischen Sofa aus in eine Ausstellung befördern oder einem Konzert lauschen – das ist dank der Internetseite www.kunoweb.de möglich. Die Idee zu dieser Online-Plattform und zum Verein namens KUNO, kurz für ‚Kultur im Norden‘, die nicht nur für Künstler, sondern ebenso für Kunst- und Kulturinteressierte sein sollte, hatten Paul Kroker und Rolf Göbbert, der Vorsitzende des Langwedeler Kulturvereins.

Kroker wiederum war viele Jahre als Maler aktiv und darüber hinaus als Dozent für deutsche Literatur an der Übersetzer- und Dolmetscher Hochschule in Mailand tätig. „Künstler sollten problemlos ausstellen und Interessierte diese Beiträge ohne große Hürden konsumieren können – so wurde die Idee geboren, ein kulturelles Angebot in der digitalen Welt auf die Beine zu stellen“, so der 68-jährige Kroker.

Auf sich und ihr Angebot aufmerksam machten sie mit einer monatlichen Radiosendung auf dem Sender Radio-Weser-TV, in der Themen wie Literatur und Musik, Kunst und Kultur behandelt wurden - „also genau die Themen, mit denen wir uns auch im Rahmen von KUNO beschäftigt haben“. Und das Angebot bei ihnen sei sehr vielfältig, neben den verschiedensten Musikern und Malern gebe es beispielsweise auch Architekten, Designer oder auch Philosophen: „Wir haben zum Beispiel mit einer Textilkünstlerin mit usbekischen Wurzeln zusammengearbeitet, die traditionelle Kappen ihres Heimatlandes gefertigt hatte und diese nun der Öffentlichkeit zeigen wollte.“

Wer generell etwas produziere, das er auch anderen zeigen wolle und an sie herantrete, der habe bei ihnen verschiedene Möglichkeiten: Zum einen könne sich jeder im Rahmen der Onlinegalerie vorstellen. „Dafür gibt es keine Voraussetzungen, das steht allen offen.“ Insbesondere als erste Publikationsform sei dies geeignet. Im Vorfeld gebe es lediglich einige technische Details wie Bildgröße und -auflösung der zu präsentierenden Objekte zu besprechen.

Zum anderen könnten sich Künstler, an denen sie interessiert seien, auch via einer dreimonatigen Einzelausstellung präsentieren. Auch bei diesem Format gebe es kaum Vorgaben, welcher Art die Kunstobjekte seien, das sei dem Künstler überlassen. Er und seine Vereinsmitglieder stünden dem Künstler selbstverständlich gerne beratend zur Seite. Um viele Dinge kümmere er sich als erster Vorsitzender selbst, bei anderen Dingen wiederum suche er den Dialog mit anderen, die bei KUNO mitarbeiten. Das sei bis vor Kurzem für drei Monate auch eine Erasmus-Studentin aus der Türkei gewesen, außerdem habe man, ganz im Sinne der Vorstellung, dass Kunst und Kultur etwas Internationales seien, schon mit Praktikanten aus Tschechien und Belgien zusammengearbeitet.

Ist eine Ausstellung zu ende, verschwinde sie aber in jedem Fall nicht in der Versenkung, sondern werde im Archiv gespeichert. „Unser Kunstschatz wächst also beständig weiter.“ Ebenso wachse die Zahl der Kunstobjekte, die ihnen von ausstellenden Künstlern nach Ende der Ausstellung überlassen worden seien. „Und wer weiß, vielleicht wird daraus irgendwann eine eigene Ausstellung werden“, meint Kroker. Um sich einmal Präsentiertes wieder in Erinnerung zu rufen, habe man des Weiteren den sogenannten „eKatalog“ konzipiert, der vergleichbar mit dem Verhältnis von einem Buch zu einem eBook sei.

Schon sehr viel konkreter als die Sammlung geschenkter Kunstobjekte sei hingegen ein anderes, philosophisches Projekt, bei dem auch anderen ein Einblick in den Bereich der Philosophie verschafft werden soll. „Daraus sind letztendlich 18 einzelne Vorlesungen geworden, die in Kürze – wann genau wisse man noch nicht – auf ihrer Homepage eingesehen werden könnten. „Die Rohfassung steht, man darf gespannt sein, in welcher Form sie zu sehen sein werden.“

Auch bei diesem Projekt treffe ihr Leitsatz wieder zu, dass Kunst und Kultur als Prozess von Konsum und Produktion verstanden werden sollte: „Auf der einen Seite, auf der des Künstlers, geht es darum, sich und sein Schaffen zu präsentieren. Auf der anderen Seite geht es für die Kunstkonsumenten darum, Stellung zum dargestellten Kunstobjekt zu beziehen und sich auf diese Weise selbst zu präsentieren.“

Dies könne auf einfache Art und Weise schon durch eine simple Aussage wie „Finde ich toll!“ geschehen, könne aber ebenso in Form einer begründeten Stellungnahme ablaufen. „Und so, indem man mit anderen in den Dialog tritt und seine Meinung den Ansichten anderer aussetzt, wird dann aus einem Kunstkonsumenten selbst ein Produzent.“ Dieser „Prozess der Wandlung“ trage auch einen Namen: „Das sogenannte ‚Webinar‘ ist eine Onlineveranstaltung, bei der der Künstler vorgestellt wird und die Teilnehmer die Möglichkeit haben, miteinander zu diskutieren.“

Diskutieren können Besucher der Homepage zur Zeit über die aktuelle Ausstellung ‚FKK‘ mit elf Künstlerinnen aus Norddeutschland, deren Arbeitsgebiete Malerei und Zeichnung, Grafik und Druck, Bildhauerei und Objektkunst sowie Installation und Performance umfassten. Diese Künstlerinnen präsentierten sich und ihre Kunst im Rahmen einer zweimonatigen Gruppenausstellung - „ein weiteres Format, für das man sich bei uns entscheiden kann“.

Darin, dass zum Beispiel die Teilnahme an Diskussionen für jeden bequem von zu Hause machbar ist, sieht Kroker eine große Chance. „Gerade ältere Personen, die nicht mehr so mobil sind oder vielleicht zudem noch in einer ländlichen Gegend wohnen und nicht so einfach Zugang zu einem vielfältigen kulturellen Angebot haben, können von KUNO profitieren.“ Dennoch sei er sich bewusst, dass so eine digitale Ausstellung keine analoge ersetzen könne: „Das können wir nicht und wollen es auch gar nicht, so ein Bildschirm ist als Mittler von Kunst und Kultur eben nur bedingt zu gebrauchen.“

Vielmehr wolle er KUNO als Einladung verstanden wissen, sich eine Ausstellung vor Ort anzusehen. Ihre Seite solle die Neugier wecken und Menschen die Chance geben, sich über mehr Dinge zu informieren, als man es im wirklichen Leben allein aufgrund des zeitlichen Aspekts könnte.

„Wir bieten unseren Besuchern übrigens nicht ausschließlich digitale Ausstellungen“, berichtet Kroker weiter. Zwar stellten diese den Hauptteil ihres Angebots dar, doch habe man zum Beispiel der Künstlerin Sigi (Sigrid) Brüns im ehemaligen Etelser Käsewerk die Möglichkeit gegeben, ihre Kunstobjekte dort zu präsentieren, wo früher Käse gekühlt worden ist. Auch habe man gerade eine Reihe von Wohnzimmerkonzerten abgeschlossen. Davon zeugen würden daraus entwickelte Videos.

Dass analoge Veranstaltungen seltener seien als virtuelle, liege unter anderem am finanziellen Rahmen: „Wir erhalten zwar hin und wieder eine Schenkung, aber prinzipiell versuchen wir, so kostenneutral wie möglich zu arbeiten, um auch wirklich jedem die Möglichkeit zu geben, bei und mit uns auszustellen.“ Analoge Ausstellungen seien schließlich mit Mietkosten für die Räumlichkeiten verbunden.

Wer mehr über KUNO erfahren möchte, kann sich auf der Homepage www.kunoweb.de informieren, per E-Mail über kulturimnorden@gmail.com Kontakt aufnehmen „oder mich einfach unter der Nummer 0 42 35 / 9 28 29 anrufen“.

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