Kommentar über den Friedenspreisträger Langzeit-Mahner

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zeichnet Sebastião Salgado mit dem Friedenspreis aus. Eine gute Wahl, weil dessen Fotos eine schöne und gleichzeitig gefährdete Welt zeigen, meint Iris Hetscher.
18.06.2019, 16:16
Lesedauer: 1 Min
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Langzeit-Mahner
Von Iris Hetscher

Als klassisch zu gelten, also mit seinem Wirken die Zeitspanne des eigenen Lebens zu überdauern, ist für Künstler höchstes Lob. Für Sebastião Salgado, dem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seinen diesjährigen Friedenspreis zugesprochen hat, wird Nachruhm stets zweitrangig gewesen sein. Denn seine Kunst ist bewusst im Heute verankert.

Der brasilianische Fotograf hat Wüsten, Berggorillas, indigene Völker in der afrikanischen Steppe abgelichtet. Arbeiter, die inmitten apokalyptisch wirkender Landschaften nach Öl bohren. Immer in schwarz-weiß, immer derart bestechend inszeniert, dass man sich den Bildern kaum entziehen kann: So schön ist unsere Welt, so bedroht und so ungerecht. Das hat ihm auch Kritik eingetragen: Darf man Elend ästhetisieren? Man darf, wenn man Motive nicht als Objekte, sondern als Subjekte sieht. Wenn man sich von einem Begriff leiten lässt, der nicht immer hoch im Kurs steht: Würde.

Sebastião Salgado ist als Fotograf und aktiver Naturschützer ein Langzeit-Mahner. Kühn, weitblickend, auch mal unbequem sind die Künstler, die der Börsenverein Jahr für Jahr auszeichnet – da passt er genau ins Profil.

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