Zwei Hamburgerinnen vermitteln Auftritte von Musikern in heimischen Wohnzimmern Livemusik zwischen Sofa und Stehlampe

Es muss nicht schwer sein, ein Konzert zu organisieren. Ein Wohnzimmer, ein Dutzend Zuhörer und eben ein Künstler reichen schon.
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Von Mona Adams

Es muss nicht schwer sein, ein Konzert zu organisieren. Ein Wohnzimmer, ein Dutzend Zuhörer und eben ein Künstler reichen schon. Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt aus Hamburg haben eine Plattform erschaffen, auf der sich Künstler und Gastgeber vernetzen können – europaweit. Per Mausklick.

Es war einer dieser Abende, der das Leben von Marie-Lene Armingeon und Mi­riam Schütt gehörig auf den Kopf stellte. Sie waren bei Freunden. Eine französische Band spielte in einer kleinen Wohnung – alle versammelten sich im Wohnzimmer um die Musiker. „Das war einmalig. Wir waren ganz begeistert und strahlten noch Tage danach. Wir haben uns in der Musikbranche umgehört und gemerkt, dass eine Plattform fehlt, auf der sich Privatkonzerte organisieren lassen“, erzählt Miriam Schütt. Das ist jetzt über zweieinhalb Jahre her. Mit „SofaConcerts“ haben sie ihre Idee umgesetzt. Über SofaConcerts können sich Privatpersonen Musiker nach Hause einladen. 3000 Bands aus 16 Ländern sind im Portfolio. Gastgeber auf der ganzen Welt können sich so mit Künstlern aus New York, Sevilla, Paris oder Berlin per Mausklick vernetzen.

„Wir wollen da Bühnen schaffen, wo es vorher keine gab, und damit jedem Zugang zur Livemusik geben“ erklärt Marie-Lene Armingeon das Prinzip. Nicht nur in Hamburg, europaweit lassen sich Gigs buchen. „Besonders auf dem Land ist die Nachfrage nach Künstlern groß, einfach weil da das kulturelle Angebot nicht so groß ist“, meint Miriam Schütt. Die Geschäftsfrauen sehen sich nicht als Bookingagentur. „Unsere Künstler sind authentisch“. Coverbands sind auf sofaconcerts.org nicht zu finden. Ansonsten ist alles erlaubt,

Von Rock und Pop, über Indie, Folk oder Country, Soul, Gospel und Blues sind Künstler aus wirklich jedem Genre vertreten. La Banda Yolanda aus Bremen macht traditionelle kolumbianische Musik, Flamenco und Pop in bester Singer-Songwriter-Manier, die Musik von Tom Klose aus Hamburg klingt nach Coldplay, James Bay oder Ben Howard, und David Lang aus Berlin singt „mal sanft wie ein Hauch, mal dramatisch wie in einer Oper, mal augenzwinkernd wie ein Liedermacher“. Während Jan Plewka mit seiner Band „Selig“ sonst in den großen Konzertsälen auftritt, spielt er gemeinsam mit Marco Schmedtje in den deutschen Wohnzimmern. Ihr Motto: Zwei Stimmen und eine Gitarre – und das Publikum bestimmt, was gespielt wird.

Die Gründe der Musiker für ihre Privatkonzerte sind unterschiedlich: Einige Künstler wollen ihre neuen Songs vor einem kleinen Publikum ausprobieren, andere wollen bekannter werden, und wieder andere nutzen es als zusätzliche Einnahmequelle. Rund ein Drittel der Künstler, die bei SofaConcerts angemeldet sind, kommen aus dem Ausland. Viele internationale Künstler nutzen die Plattform, um neben ihren bisherigen Gigs europaweit zu touren. So wie Duncan Woods aus Australien, der einen Mix aus Reggae und Pop, HipHop und Folk macht. Jedes Jahr ist er einige Monate in Europa unterwegs, um hier mit seiner Gitarre im Gepäck die Menschen zu begeistern. Auch das Braker Duo „Junoh“ ist auf der Seite angemeldet. Angelo Mammone und Christian Steenken waren schon im Vorprogramm der Sportfreunde Stiller. Sie lieferten mit „All We Are“ den Song zu einer großen Vodafone-Kampagne und waren daraufhin in den Charts gelistet. „Es ist natürlich toll zu sehen, wenn unsere Künstler auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden“, so Miriam Schütt.

SofaConcerts funktioniert wie andere Vermittlerplattformen. Musiker und/oder Gastgeber können ein Profil anlegen und über eine Suchmaske gefunden werden. Bewertungen von anderen Mitgliedern helfen dabei als Orientierung. Der Musiker bringt alles mit. Die Buchung erfolgt dann auch über die Seite. Im vergangenen Jahr waren es rund 1000 erfolgreiche Veranstaltungen. Für jedes Konzert klären Künstler und Gastgeber eine angemessene Gage. Erst wenn beide Seiten einverstanden sind, wird vom Gastgeber fest gebucht. Marie-Lene Ar­mingeon und Miriam Schütt bekommen dann 13 Prozent Provision, die der Künstler trägt. Für jedes Budget gibt es den richtigen Künstler. Um die 150 Euro kann ein Sofakonzert im eigenen Wohnzimmer kosten. Die Gagen für Firmenevents oder Hochzeiten sind höher.

Für ein Konzert bedarf es nicht immer einen Anlass: „Viele laden sich einfach ein paar Freunde nach Hause ein und schmeißen zusammen“, so Miriam Schütt. Doch auch für private Events wie Geburtstage oder Hochzeiten können Musiker gebucht werden. Gerade erst hat ein Mann für seine Frau zum 70. Geburtstag eine französische Band organisiert, erzählt die 30-Jährige. Ihre Firma wollen sie nun weiter ausbauen, ihr Augenmerk neben Deutschland auch stärker auf England und Frankreich legen.

Wer einmal gebucht hat, bucht wieder. So die interne Statistik. „Es ist ein so einmaliges Gefühl, wenn dein Wohnzimmer zur Bühne wird“, erzählt Gründerin Miriam Schütt. Auch sie ist auf der Plattform angemeldet. Gerade erst hat Ryan Tennis aus Philadelphia auch in ihrem Wohnzimmer gespielt. Die Freundinnen suchen den Kontakt zu den Künstlern. Eine Band fehlt ihnen auf ihrer Plattform. Marie-Lene Armingeon: „Die französische Band, die damals gespielt hat, haben wir tatsächlich aus den Augen verloren. Wir wissen nicht mal, ob sie überhaupt noch Musik machen.“

Weitere Informationen im Internet unter www.sofaconcerts.org.
„Wir wollen jedem Zugang zur Livemusik geben.“ Marie-L. Armingeon (l.) und Mi­riam Schütt
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