Neues Helgoländer Literaturhotel widmet sich Autoren und ihren Geschichten rund um die Insel

Logieren auf den Hummerklippen

Helgoland. „Ich taufe dich auf den Namen ‚Hotel auf den Hummerklippen‘, wünsche dir allzeit einen Meter Bücher im Regal und mindestens einen Gast pro Bett.“ Mit diesen Worten sowie einigen verschütteten Tropfen vom Inselsekt hat die Hamburger Übersetzerin und Autorin Isabel Bogdan (47) eine neue touristische Attraktion von Helgoland eröffnet: Das Literaturhotel „auf den Hummerklippen“ ist Menschen gewidmet, die auf der Insel oder über sie etwas geschrieben haben.
03.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Freyenhagen

„Ich taufe dich auf den Namen ‚Hotel auf den Hummerklippen‘, wünsche dir allzeit einen Meter Bücher im Regal und mindestens einen Gast pro Bett.“ Mit diesen Worten sowie einigen verschütteten Tropfen vom Inselsekt hat die Hamburger Übersetzerin und Autorin Isabel Bogdan (47) eine neue touristische Attraktion von Helgoland eröffnet: Das Literaturhotel „auf den Hummerklippen“ ist Menschen gewidmet, die auf der Insel oder über sie etwas geschrieben haben. Jedes Zimmer trägt den Namen eines Schriftstellers oder einer Schriftstellerin.

Benannt ist das Hotel nach der Erzählung von James Krüss: „Der Leuchtturm auf den Hummerklippen“. An den berühmtesten Sohn Helgolands in neuerer Zeit erinnert auch der Timm-Thaler-Raum, wo die Gäste künftig frühstücken oder Lesungen hören bei „Tea and Scones“. Mit dem Blick vom Oberland aufs Meer entsteht dort ein Lebensgefühl, das schon Hoffmann von Fallersleben beschrieben hat: „Lass die wilden Wogen toben, um den Felsen dort und hier, auf dem Felsen wohn ich droben und der Frieden wohnt in mir.“

Von Kafka und Heine über Strindberg und Hebbel bis zu Kleist und Lichtenberg – sie alle weilten auf Helgoland oder schrieben über die Insel in ihren Werken. „Der Himmel hängt voller Violinen, und auch ich rieche es jetzt, die See duftet nach frisch gebackenem Kuchen“, dichtete Heinrich Heine. Während der Pariser Juli-Revolution 1830 kommentierte er die Ereignisse in seinen „Helgoländer Briefen“. Von Friedrich Hebbel ist der Satz überliefert: „Die letzten fünf Tage war ich, wo mich niemand suchte, nämlich auf Helgoland.“

Nicht immer waren die Insel-Schilderungen der Literaten positiv. „Und aus der grauschwarzen, feuchten Leere heulten die Nebelhörner zum Felsen empor“, notierte die Romanautorin Meta Schoepp. In ihrem Buch „Schiff auf Strand“ beschrieb sie die Helgoländer als „dickköpfig und starrsinnig“, ließ sich über deren Marotten so kritisch aus, dass Schoepp den Zorn der „zu gut getroffenen Bevölkerung“ zu spüren bekam. Wie es heißt, wurde sie zunächst der Insel verwiesen. Das Porträt von Meta Schoepp ist auf einer der Zimmertüren im Hotel ebenso zu finden wie das von Isabel Bogdan, der Taufpatin des Hotels auf den Hummerklippen.

Damit schlägt das Haus den Bogen zu den modernen Schriftstellern, schreibt die Literaturgeschichte sozusagen fort. Die Zimmer sind nach heutigen Autoren wie Sebastian Fitzek, Zoe Beck und Maximilian Buddenbohm benannt. Bogdan konnte gleich „ihr“ Hotelzimmer für mehrere Tage beziehen, Buddenbohms Zimmer war belegt. Er wich in ein anderes Autorenzimmer aus. Isabel Bogdan, von der drei Bücher in den Top 20 der aktuellen Bestseller-Listen vertreten sind, las bei der Eröffnungsfeier aus ihrem ersten eigenen Roman: „Der Pfau“.

Buddenbohm gab eine Leseprobe aus seinem neuen Buch „Alles wird einfacher“, das auf Helgoland spielt, aber noch nicht fertig ist. Es soll 2017 erscheinen. Die Zuhörer, darunter viele Helgoländer, spendeten auf der Premiere Applaus. Fast alle Autoren von einst und jetzt bestätigen: „Auf Helgoland bekommt man den Kopf frei, kann klarer denken und seine Gedanken besser formulieren.“

Ein Hotel müsse heutzutage mehr bieten als nur ein Bett und eine Dusche: „Es muss eine Geschichte erzählen,“ sagte Lutz-Michael Liebau, Mitgesellschafter der Rickmers Hotelbetriebs KG. Während das Hotel Rickmers Insulaner eine Galerie mit Gemälden besitze, habe das Hotel auf den Hummerklippen mit seinen 13 Zimmern die Literatur zum Thema. Stolz und glücklich über den neuen Hotelbetrieb zeigte sich Helena Rickmers. Die 23-jährige Juniorchefin vertrat ihren Vater Detlev Rickmers, der aus gesundheitlichen Gründen verhindert war.

Die älteste Tochter Denderah hatte die Hummertapete in den Zimmern ausgesucht. Das Hotel auf den Hummerklippen liegt auf dem Grundstück des früheren Falm-Hotels, wo sich auch die Gaststätte „Wiesbaden“ befand. Detlev Rickmers hat das Gebäude seit fünf Jahren gepachtet und zu einem Themenhotel umgebaut. Eine Erweiterung schließt der Betreiber für die Zukunft nicht aus.

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