Kunst Maler Paul Wunderlich mit 83 Jahren gestorben

Hamburg/Eberswalde. Seine Themen waren Eros und Tod, Ekstase und Zerfall. Ironie und Skepsis prägten den künstlerischen Blick Paul Wunderlichs, der in der Nacht zum Montag an seinem Domizil in der Provence im Alter von 83 Jahren an einem Gehirnschlag gestorben ist.
07.06.2010, 19:09
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Hamburg/Eberswalde. Seine Themen waren Eros und Tod, Ekstase und Zerfall. Ironie und Skepsis prägten den künstlerischen Blick Paul Wunderlichs, der in der Nacht zum Montag an seinem Domizil in der Provence im Alter von 83 Jahren an einem Gehirnschlag gestorben ist.

Den Tod bestätigte die Paul-Wunderlich-Stiftung der Nachrichtenagentur dpa. Ein Skandal hatte den Maler und Grafiker 1960 berühmt gemacht: Die Bilder seines erotischen Lithographie-Zyklus' «qui s'explique» wurden von der Staatsanwaltschaft als unzüchtig beschlagnahmt. Das Museum of Modern Art in New York kaufte jedoch nicht nur den umstrittenen Zyklus, sondern auch die Folge «20. Juli 1944», die am Galgen hängende verstümmelte Körper zeigt und an die Hitler-Attentäter erinnert.

Geboren wurde Wunderlich in Eberswalde bei Berlin. Nach Schule, Kriegsdienst und kurzer Kriegsgefangenschaft studierte er von 1947 bis 1951 an der Hamburger Kunsthochschule. Bereits 1951 wurde er dort mit der Leitung der Druckwerkstatt betraut und druckte unter anderem für Oskar Kokoschka und Emil Nolde. Nach einem Aufenthalt in Paris kehrte er 1963 als Professor für Malerei nach Hamburg zurück, 1968 verzichtete er auf seine Professur und lebte seitdem als freier Künstler. Mit seiner Frau, der Fotografin Karin Székessy, wohnte er in Südfrankreich und Hamburg. In seiner Geburtsstadt Eberswalde wurde 2007 ein neues Verwaltungszentrum, das Paul-Wunderlich-Haus, eröffnet. Dort ist auch eine Ausstellung mit seinen Werken zu sehen.

Zu seinen Freunden, Kollegen und einstigen Schülern gehörte auch Horst Janssen (1929-1995). «Ende 1959 teilte sich Hamburg in zwei Feldlager - in die Anhänger des Wunderlich und die des Janssen. (...) Paul lehrte mich, die Dummheit auch in ihrer intellektuellen Kostümierung zu erkennen, und er lehrte mich die Lässigkeit des Mutigen», sagte Janssen zu Wunderlichs 60. Geburtstag im März 1987 im Kloster Cismar. Bis heute hat es in Hamburg keine Einzelausstellung mit Werken Wunderlichs gegeben, dafür zeigten die Kunsthalle in Kiel, das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum und das Buddenbrockhaus in Lübeck seine Arbeiten.

Kritiker warfen dem Künstler, der auch Möbel, Leuchter, Porzellan und Schmuck entworfen hat, die Kommerzialisierung der Kunst vor. «Ich beging die Todsünde, die Grenzen zwischen Kunst und Kunstgewerbe zu überschreiten», sagte Wunderlich einmal. «Ob Sie hier ein Bild, eine Skulptur, einen Tisch, einen Leuchter, eine Teetasse oder Messer und Gabel sehen - alles ist von mir entworfen und in dem von mir geschaffenen surrealen Stil gehalten, den sie stets erkennen können. Ich hätte mich auf den Lorbeeren meines lithographischen Werks ausruhen können, doch das war mir nicht genug.» Vor einigen Jahren überraschte Wunderlich mit einer von ihm bis dahin verschmähten Technik, der Kaltnadelradierung.

Zu seinem 80. Geburtstag wurde Wunderlich, der als einziger deutscher Künstler in die französische «Académie des Beaux Arts» aufgenommen wurde, auch außerhalb Hamburgs geehrt. Das Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein zeigte die Ausstellung «Poesie und Präzision. Das Werk von 1987-2007». Zur Eröffnung des Paul-Wunderlich-Hauses in Eberswalde meinte der Künstler: «Es ist mir eine große Ehre, dass das Haus meinen Namen trägt. Doch ich musste mich erst an den Gedanken gewöhnen, dass künftig jeder Brief des Landrates meinen Namen trägt.» Nach Angaben der Stiftung soll Wunderlich in Südfrankreich seine letzte Ruhe finden. (dpa)

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