AnnenMayKantereit veröffentlichen ihre erste CD / Im Sommer auf diversen Festivals zu Gast

Melancholie hier, Tanzbarkeit da

Köln. Ihre Songs laufen schon lange Zeit im Radio. Von allen Seiten werden sie gefeiert.
20.03.2016, 00:00
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Melancholie hier, Tanzbarkeit da
Von Lisa Boekhoff

Ihre Songs laufen schon lange Zeit im Radio. Von allen Seiten werden sie gefeiert. Und um eine schlechte Nachricht gleich vorwegzuschicken: Die Tour ist seit Wochen restlos ausverkauft. Die gute Nachricht ist, AnnenMayKantereit haben in dieser Woche ihr erstes Album veröffentlicht. Trotz des Hypes um sie herum haben die vier Kölner sich für „Alles Nix Konkretes“ Zeit gelassen.

Das hat sich gelohnt. Die Band, die vormals auf der Straße musizierte und irgendwann ziemlich hörens- und sehenswerte Videos ins Netz stellte, unterschrieb einen Vertrag bei einem der Großen der Branche, bei Universal. In den legendären Berliner Hansa-Studios spielten sie ihre Platte ein. Die Stücke darauf erzählen Geschichten – und das im allerbesten Sinne völlig ungezwungen, mit Leichtigkeit. Es passt zu Gitarrist Christopher Annen, Sänger Henning May und Drummer Severin Kantereit, dass sie schlicht ihre Nachnamen zum Bandnamen machten. Für den später dazugestoßenen Bassisten Malte Huck fand sich dann kein Platz mehr. So einfach eklärt sich das, und so wenig verkünstelt wie ihre Songs. Manchmal spielen die Texte poetisch mit dem Klang der Wörter, andere Stellen werden scheinbar so dahingesagt bis -gesungen und wirken dadurch authentisch. Vor allem im Stück „Oft gefragt“ passt einfach alles. Wenn Henning May, Anfang 20, mit seiner weisen rauen Stimme, die ständig auch Schaden zu nehmen scheint, am Klavier sitzt und kräftig schmettert „Zuhause bist immer nur Du“, ist das ziemlich anrührend und schön zugleich. May spricht hier nicht über seine Mutter, die man sich klischeebedingt sofort vorstellt, sondern über die Beziehung zu seinem Vater. Ebenso gelungen transportiert „Barfuß am Klavier“ in einfachen Sätzen wie „Du und ich, wir waren wunderlich … Du und ich, wir waren mal wir“ vieles, ohne es selbst aussprechen zu müssen. Die Songs bleiben lange in Ohr und Kopf. Umzug, Liebeskummer, Trennungsschmerz, Überforderung, sich verloren fühlen – es sind Themen, die nicht nur auf die einprasseln, die sich irgendwo in den Zwanzigern tummeln.

Zur Melancholie gesellen sich viele temporeiche tanzbare Stücke wie „21, 22, 23“, die zeigen, dass AnnenMayKantereit eine echte Live-Band sind. Die frohe Botschaft zum Schluss: Im Sommer spielt die Band auf einigen Festivals.

AnnenMayKantereit: Alles Nix Konkretes.

Label: Universal.

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