Melancholie in Dortmund

Kaum hat sich der letzte „Tatort“ des Leipziger Teams aus den Köpfen verflüchtigt, legen die Ermittler-Kollegen aus Dortmund mit einer ähnlich gelagerten Themenkonstellation nach. Auch in „Schwerelos (heute, ARD, 20.
03.05.2015, 00:00
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Melancholie in Dortmund
Von Iris Hetscher

Kaum hat sich der letzte „Tatort“ des Leipziger Teams aus den Köpfen verflüchtigt, legen die Ermittler-Kollegen aus Dortmund mit einer ähnlich gelagerten Themenkonstellation nach. Auch in „Schwerelos (heute, ARD, 20.15 Uhr) werden vor allem die privaten Krisen des vierköpfigen Teams seziert – doch anders als bei der völlig verunglückten Wuttke/Thomalla-Posse sind hier mit dem ehemaligen Bremer Schiffbaustudenten Ben

Braeunlich (Drehbuch) und Züli Aladag (Regie) Könner am Werk. Sie nehmen sich Zeit, die unterschiedlichen Erzählstränge zu einer logischen Einheit zu verknüpfen – dieser „Tatort“ ist nichts für Ungeduldige.

Leo Janek wird mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Notaufnahme eingeliefert. Der Banker ist fanatischer Fallschirmspringer – vor allem sogenannten „Base Jumps“ ist er zugetan: Sprüngen von hohen Gebäuden, nicht immer ganz legal. Vor einem dieser Sprünge hat offenbar jemand seine Ausrüstung manipuliert. Verdächtige gibt es einige, die Motive reichen von Geld über Eifersucht bis Vernachlässigung. Wie immer in den Dortmunder „Tatorten“ ist die Stimmung von internen Spannungen und unterschwelliger Melancholie geprägt. Nora Dalay (Aylin Tezel) hat die Entscheidung, abzutreiben, noch nicht verarbeitet und gerät in den Sog der Base-Jumper-Szene, immer hilflos-eifersüchtig verfolgt von ihrem Ex-Freund und Kollegen Daniel Kossik (Stefan Konarske). Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) ist sowieso der schwermütigste unter den „Tatort“-Ermittlern, zudem gerät Kommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) völlig aus der Fassung – ihr Sohn ist verschwunden. Die Aufklärung des Falls ist in dieses engmaschige Beziehungsnetz eingebettet; immer stärker kristallisiert sich im Verlauf der Handlung heraus, dass „Schwerelos“ vor allem die Themen Trauer und Abschied verhandelt. Und zwar so eindrucksvoll wie gleichzeitig leise. Iris Hetscher

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