Zwei Apps ermöglichen Seh- und Hörgeschädigten, Filme auf großer Leinwand zu genießen

Mit „Greta“ und „Starks“ ins Kino

Bremen. Im Pantoffelkino gibt es bereits seit einigen Jahren einen speziellen Service für Hör- und Sehgeschädigte. Man kann sich Untertitel einblenden lassen, wenn man den Text einer Fernsehsendung gar nicht oder nicht ausreichend versteht.
30.12.2014, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Mit „Greta“ und „Starks“ ins Kino
Von Iris Hetscher

Im Pantoffelkino gibt es bereits seit einigen Jahren einen speziellen Service für Hör- und Sehgeschädigte. Man kann sich Untertitel einblenden lassen, wenn man den Text einer Fernsehsendung gar nicht oder nicht ausreichend versteht. Wer schlecht sieht oder blind ist, dem stehen bei einigen Sendungen Audiodeskriptionen zur Verfügung: Der Film wird zum Hörfilm.

Auf das Vergnügen, einen neuen Film auf großer Leinwand im Kino zu sehen, mussten Seh- und Hörgeschädigte allerdings bisher weitgehend verzichten – nur auf Festivals oder bei Sonderveranstaltungen gab es spezielle Vorstellungen für sie. Damit ist nun zumindest bei einigen Filmen Schluss; die Kinos möchten in diesem Bereich barrierefrei werden und setzen auf das Smartphone und zwei spezielle Apps als Hilfsmittel. Beide können Filmfans sich kostenlos im App-Store oder bei Google Play herunterladen. „Greta“ ist dabei etwas für Menschen, die eine Audiodeskription benötigen, „Starks“ liefert Untertitel. Hat man die App heruntergeladen, sucht man sich den gewünschten Film, lädt Untertitel oder Audiobeschreibung herunter und kann diese im Kino starten. Die App erkennt den Film automatisch und synchronisiert sich mit ihm über die vom Film erzeugten Geräusche. Bei den Audiodeskriptionen empfehlen sich In-Ear-Kopfhörer, um die anderen Gäste im Kinosaal nicht zu stören. „Greta“ und „Starks“ funktionieren übrigens auch, wenn der Film von einer DVD abgespielt oder im Fernsehen gezeigt wird. Die Entwicklung der Apps ist unter anderem unterstützt worden von der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Filmförderungsanstalt (FFA) und der Initiative „Europe loves Cinema“. Filme, die keine Fassungen für Hör- und Sehgeschädigte anbieten, werden von der FFA zudem nicht mehr bezuschusst. Gefördert werden soll damit die Barrierefreiheit; für die Kinos geht es aber auch um eine Zielgruppe, die sie bisher nur schlecht erreicht hat: Geschätzte 2,8 Millionen Menschen in Deutschland haben unterschiedlich stark ausgeprägte Hör- und Sehprobleme.

Auch in den Bremer Filmtheatern können derzeit diverse Filme mit „Greta“ und „Starks“ angeschaut und -gehört werden, unter anderem „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, „Die Wolken von Sils Maria“, „Honig im Kopf“ und „Bibi und Tina“.

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