Hollywoodregisseur Mike Nichols ist im Alter von 83 Jahren gestorben: „Die Reifeprüfung“ machte ihn weltberühmt

Mit Mrs. Robinson kam der Durchbruch

Bremen. Grammy, Emmy, Tony, Oscar – Mike Nichols hat sie alle gewonnen; damit gehörte er zu einer exklusiven Minderheit von zwölf Künstlern, die die vier wichtigsten Preise für Musik, Fernsehen, Theater und Film mit nach Hause nehmen konnten. Das zeigt: Regisseur Nichols war ein Unterhaltungsprofi, sattelfest in vielen Bereichen.
21.11.2014, 00:00
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Mit Mrs. Robinson kam der Durchbruch
Von Iris Hetscher
Mit Mrs. Robinson kam der Durchbruch

Der Regisseur Mike Nichols ist im Alter von 83 Jahren gestorben.

Justin Lane, dpa

Grammy, Emmy, Tony, Oscar – Mike Nichols hat sie alle gewonnen; damit gehörte er zu einer exklusiven Minderheit von zwölf Künstlern, die die vier wichtigsten Preise für Musik, Fernsehen, Theater und Film mit nach Hause nehmen konnten. Das zeigt: Regisseur Nichols war ein Unterhaltungsprofi, sattelfest in vielen Bereichen. Jetzt ist der gebürtige Berliner, der mit seinen Eltern 1938 vor den Nationalsozialisten nach Chicago floh, im Alter von 83 Jahren gestorben.

Mike Nichols wird vielen Menschen vor allem durch ein einziges Filmbild im Gedächtnis bleiben: Im Vordergrund ein schwarz bestrumpftes Frauenbein, das Anne Bancroft gehört, im Hintergrund ein konsterniert blickender junger Dustin Hoffman, die Hände linkisch in den Hosentaschen versenkt. Dieses Standbild aus Nichols’ bekanntester Produktion „Die Reifeprüfung“ (The Graduate) hat sich als unverwüstliches Still der 1960er-Jahre seinen Platz in den Filmgeschichtsbüchern verschafft. Und natürlich fällt jedem, der den 1967 gedrehten Streifen gesehen hat, sofort der dazugehörige Hit des Schmuse-Duos Simon & Garfunkel ein: „And here’s to you Mrs. Robinson. . .“ . Für Dustin Hoffman war die Rolle des Collegeboys, der ein Verhältnis mit Mrs. Robinson, der Mutter seines Schwarms, beginnt, der Beginn seiner Weltkarriere. „Die Reifeprüfung“ ist Nichols’ Klassiker, für den er den Regie-Oscar einheimste. Ein Jahr zuvor hatte er sich noch mit einer Nominierung zufrieden geben müssen. Seine Verfilmung des Theaterstücks „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Edward Albee war dabei nicht minder brillant gelungen: Richard Burton und Elizabeth Taylor zerfleischten sich vor der Kamera so intensiv, dass man den Film beinahe für eine Dokumentation der On-and-off-Ehe der beiden halten konnte. Für Nichols war das Psychodrama die erste Arbeit fürs Kino – seine letzte entstand 2008 mit der Politsatire „Der Krieg des Charlie Wilson“ mit Julia Roberts, Tom Hanks und Philip Seymour Hoffman, die auf einer wahren Geschichte basierte.

Vor allem in den 1980er-Jahren drehte Nichols immer wieder Filme, die ihn als Regisseur mit viel Gespür für Ironie ausweisen. Den american way of life spießte er gleich mehrfach auf und konnte für die Umsetzung seiner Ideen oft auf eine ganze Riege an Stars zurückgreifen. Nicht mit allen Filme konnte er allerdings an seine beiden großen Kassenerfolge aus den 1960er-Jahren anknüpfen: Das musste Nichols bereits 1970 erfahren mit der bitterbösen Kriegssatire „Catch 22“. Erst 1983 gelang ihm mit „Silkwood“, einem Thriller mit Meryl Streep und Cher, in dem es um undurchsichtige Vorgänge in einer Plutoniumswiederaufbereitungsanlage geht, wieder ein Hit. Es folgten „Die Waffen der Frauen“, in den 1990er-Jahren der Kassenschlager „The Birdcage – ein Paradies für schrille Vögel“ mit Gene Hackman und Robin Williams und 2004 das Beziehungsdrama „Hautnah“ mit Jude Law und Natalie Portman.

Einen Namen machte Nichols sich seit den 1970er-Jahren zudem als Produzent von Broadway-Stücken, unter anderem dem Dauerbrenner „Ein seltsames Paar“, und von Fernsehserien. Die Miniserie „Engel in America“ über die Reagan-Ära und die Aids-Hysterie, heimste 2003 gleich elf Emmys ein.

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