Deutsche Museums-Eisenbahn

Mit Volldampf durchs Land

An den Adventswochenenden veranstaltet die Deutsche Museums-Eisenbahn ihre alljährlichen Nikolausfahrten zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf.
10.12.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Maatz (Fotos) und Aljoscha-Marcello Dohme (Text)
Mit Volldampf durchs Land

Die historische Deutsche Museums-Eisenbahn bei ihrer alljährlichen Nikolausfahrt.

Karsten Maatz

Auf dem Gelände des Deutschen Eisenbahn-Vereins in Bruchhausen-Vilsen herrscht geschäftiges Treiben. Von Oktober bis Dezember fahren zwar keine Züge nach Asendorf im Kreis Diepholz – zu tun gibt es aber trotzdem genug. Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder bringen die 1927 erbaute Dampflokomotive „Plettenberg“ zurück auf die Schiene.

Der Verein hatte die Lok an die Sauerländer Kleinbahn ausgeliehen. Mit einem Tieflader ist sie aus Nordrhein-Westfalen wieder zurück in die niedersächsische Gemeinde gekommen. Nicht nur auf dem Außengelände, auch in der Werkstatt herrscht Betrieb. Dort werden die Züge restauriert und auf Vordermann gebracht.

Der Dampfkessel sorgt für angenehme 17,3 Grad Celsius in der Lok.

Der Dampfkessel sorgt für angenehme 17,3 Grad Celsius in der Lok.

Foto: Karsten Maatz

Die 7,8 Kilometer lange Schmalspurbahn zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf ist die älteste Museums-Eisenbahn Deutschlands. Der Verein gründete sich 1964 und hat aktuell etwa 1400 Mitglieder. Rund 140 beteiligen sich aktiv am Vereinsleben und sind zum Beispiel als Heizer oder Lokführer tätig.

Einer davon ist Elmar Böcker, der seit 1971 Mitglied der Eisenbahnfreunde ist und damals noch in Berlin lebte. In den ersten Jahren ist er an den Wochenenden von der Spree nach Niedersachsen gependelt, um seinem Hobby nachzugehen. 17 Jahre später verlegte Elmar Böcker seinen Lebensmittelpunkt nach Bruchhausen-Vilsen, der Eisenbahn zuliebe. Doch nicht alle Mitglieder wohnen so wie Elmar Böcker vor Ort. Wer von weiter her kommt, kann auf dem Gelände des Vereins übernachten.

"Da wird aus dem Hobby ein knallharter Beruf"

Die Mitglieder kommen aus unterschiedlichen Berufen, Eisenbahner sind viele von Haus aus aber nicht. Elmar Böcker hat vor seiner Pensionierung als Speditionskaufmann gearbeitet. Die nötigen Fertigkeiten für den Eisenbahnbetrieb bekommen die Mitglieder von Fachleuten vermittelt. Böcker legte seine Eisenbahnerprüfung bei der Farge-
Vegesacker Eisenbahn in Bremen-Nord ab. Für die Museums-Eisenbahn gelten dieselben Vorschriften, wie für den regulären Verkehr der Deutschen Bahn. „Da wird aus dem Hobby ein knallharter Beruf“, sagt Elmar Böcker.

Rund 300 Fahrgäste befinden sich während der Tour nach Asendorf in dem historischen Zug.

Rund 300 Fahrgäste befinden sich während der Tour nach Asendorf in dem historischen Zug.

Foto: Karsten Maatz

Auch wenn die historischen Züge nicht mit so hohen Geschwindigkeiten unterwegs sind wie moderne Bahnen, sind zusätzlich zu den regulären Eisenbahnregeln spezifische Kenntnisse zum Führen der Dampflokomotiven nötig. Ist etwa der Dampfkessel nicht ausreichend gekühlt, kann er zerreißen. „Man darf keine Angst haben, aber man darf den Respekt davor nicht verlieren“, betont Elmar Böcker.

An den vier Adventswochenenden ist das Interesse an der Museums-Eisenbahn besonders groß. Dann veranstaltet der Verein seine Nikolausfahrten. Jürgen Werder geht dann als Gehilfe des Nikolaus durch jedes Abteil und stimmt das Lied „Lasst uns froh und munter sein“ an. Schließlich soll unter den Fahrgästen die richtige Stimmung aufkommen.

Dafür sind die Wagen natürlich auch festlich geschmückt. Kurz nachdem sich der mehr als 100 Jahre alte Zug in Bruchhausen-Vilsen in Gang gesetzt hat, steigt der Nikolaus mit seinen drei Engeln am Bahnhof Vilsen-Ort zu. Auf dem Weg nach Asendorf verteilt er Präsente an die Kinder und unterhält sich ein wenig mit ihnen. Einige der kleinen Fahrgäste sind vorbereitet und überreichen dem Nikolaus selbstgemalte Bilder.

Lokführer Robert Angerhausen ist für die Nikolausfahrt eigens aus Rheinberg in Nordrhein-Westfalen angereist.

Lokführer Robert Angerhausen ist für die Nikolausfahrt eigens aus Rheinberg in Nordrhein-Westfalen angereist.

Foto: Karsten Maatz

Während die Lokomotive „Hermann“ mit insgesamt neun Wagen unterwegs nach Asendorf ist, hält Manfred Nordloh als örtlicher Betriebsleiter in der Zugleitung die Stellung. „Wenn mehr als eine Lok auf der Strecke ist, dann muss der Eisenbahnverkehr von hier aus gesteuert werden“, erzählt Nordloh.

Damit die Züge auf der eingleisigen Strecke nicht kollidieren, müssen die Zugführer per Funk um eine Abfahrtserlaubnis bitten, bevor sie einen Bahnhof verlassen. Auf den Einsatz von Computern verzichten die Eisenbahnfreunde – als Betreiber einer
Museumsbahn fühlen sie sich historischer Authentizität verpflichtet. So zeichnet der örtliche Betriebsleiter die
Streckenführungen der Züge mit Stift und Lineal auf und erteilt auf dieser Basis die Streckenfreigaben.

Nach rund 40 Minuten Fahrtzeit erreicht der Zug seinen Zielbahnhof Asendorf. Nach einer kurzen Pause geht es dann wieder zurück nach Bruchhausen-Vilsen. Doch vorher muss rangiert werden. Dafür wird die Lok über ein Nebengleis und mehrere Weichen vom Ende des Zugs an den Anfang gesetzt. Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, und der örtliche Betriebsleiter die Fahrerlaubnis erteilt hat, setzt sich die Lok wieder in Gang und fährt gemütlich mit 20 Kilometern pro Stunde zurück in den Luftkurort. Dort warten schon die nächsten Fahrgäste auf ihr historisches Reiseerlebnis.

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