Neuer Fortsetzungsroman im WESER-KURIER: „Grausame Schuld“ von C. S. Forester ist ein faszinierender Psychothriller

Mr. Marble geht vor die Hunde

Bremen. Die abscheuliche Tat wird zwar nicht explizit geschildert, aber verborgen wird sie auch nicht: William Marble tötet seinen wohlhabenden Neffen, verscharrt ihn im Garten und hofft, dadurch all seine Probleme gelöst zu haben. Doch mit diesem Mord beginnt das Leben des Bankangestellten aus London erst so richtig kompliziert zu werden.
12.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Mr. Marble geht vor die Hunde
Von Iris Hetscher

Die abscheuliche Tat wird zwar nicht explizit geschildert, aber verborgen wird sie auch nicht: William Marble tötet seinen wohlhabenden Neffen, verscharrt ihn im Garten und hofft, dadurch all seine Probleme gelöst zu haben. Doch mit diesem Mord beginnt das Leben des Bankangestellten aus London erst so richtig kompliziert zu werden. Diesen schleichenden Prozess schildert der britische Schriftsteller C.S. Forester in dem Roman „Grausame Schuld“, den Sie, liebe Leserinnen und Leser, ab heute Tag für Tag in dieser Zeitung verfolgen können.

C. S. Forester hat sein spannendes Buch, das unlängst in der Premium-Reihe des Deutschen Taschenbuch-Verlags (dtv) erschienen ist, im Jahr 1926 veröffentlicht, und in dieser Zeit spielt sich die Geschichte auch ab. Forester beschreibt in seinem psychologisch gewieften Kriminalroman, was eine derart große Schuld mit einem Menschen anrichten kann.

Denn William Marble hat die Tat nicht geplant, es handelt sich um eine Art Kurzschlusshandlung. Der kurz vor dem Bankrott stehende Familienvater sieht in seinem verwaisten Neffen, der aus Australien angereist ist und den niemand vermissen wird, die perfekte Gelegenheit, sich aller Geldsorgen zu entledigen. Geld hat die vierköpfige Familie danach tatsächlich in Hülle und Fülle, doch in Marble nagt nun die Schuld und die ständige Angst davor, entdeckt zu werden.

Foresters Buch fasziniert durch den klugen Aufbau, der langsam, aber sicher auf eine Katastrophe zusteuert, vor allem aber durch die großartige psychologische Schilderung seiner Figuren – außer William Marble sind das noch seine Ehefrau Annie und die Kinder Winnie und John. Diese Zutaten machen das Buch zu einer grandiosen Wiederentdeckung.

C. S. Forester wurde 1im Jahr 899 als Cecil Lewis Throughton Smith in Kairo geboren, in London erzogen und sollte in der britischen Hauptstadt Medizin studieren. Nach ein paar Semestern brach er das Studium allerdings ab und schrieb als Journalist für die „Times“, für die er unter anderem aus dem Spanischen Bürgerkrieg berichtete. Als Schriftsteller veröffentlichte er unter dem Pseudonym C(ecil) S(cott) Forester zunächst „Grausame Schuld“, es folgten die Noir-Krimis „Gnadenlose Gier“ (1930) und „Tödliche Ohnmacht“ (1935), mittlerweile ebenfalls in Neu-Übersetzungen erschienen.

Außerdem schrieb der mannigfach begabte Mann ab den 1930er-Jahren Drehbücher für Hollywood, unter anderem für den Film „African Queen“ mit Humphrey Bogart und Katherine Hepburn, und er arbeitete einen seiner eigenen Stoffe für die Leinwand um: 1951 kam „Des Königs Admiral“ in die Kinos, in dem Gregory Peck die Hauptrolle spielte. Der Film fußt auf einer ungemein erfolgreichen Serie von elf Romanen, die C.S. Forester über Horatio Hornblower schrieb, einen fiktiven Helden der britischen Marine. Die Bücher, die zur Zeit Napoleon Bonapartes spielen, erreichten in den 1950er- und 1960er-Jahren Millionenauflagen. Horatio Hornblower ist dabei ein enger Verwandter von William Marble, dem Anti-Helden aus „Grausame Schuld“: Auch er ist ein Mann, der seine Krisen einsam mit sich selbst ausmachen muss, und Forester hat seinen Seehelden durchaus mit Schwächen ausgestattet. C.S. Forester starb, bevor er den elften und letzten seiner Horatio Hornblower-Romane 1966 vollenden konnte. Der große Erzähler Ernest Hemingway, Pulitzer-Preisträger des Jahres 1953 und Literaturnobelpreisträger des Jahres 1954, sagte seinerzeit über den geschätzten Kollegen und dessen Marine-historische Werke den bemerkenswerten Satz: „Ich empfehle seine Bücher allen, die lesen und schreiben können.“ Das ist ein zwar einfach klingendes, aber ungemein großes Lob.

C. S. Forester: Grausame Schuld.

Deutscher Taschenbuch-Verlag Premium,

München. 237 Seiten, 14,90 .

Lesen Sie ab Dienstag im WESER–KURIER.

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