Aktuelle Tipps Adele kreiert das Pop-Ereignis des Jahres: Die Musik-Highlights der Woche

Shirin David, Heinz Rudolf Kunze, Sting und Adele, die mit "30" das wohl letzte internationale Pop-Highlight des Jahres vorlegt: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.
19.11.2021, 15:55
Lesedauer: 4 Min
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Von teleschau - John Fasnaugh

Da können die anderen internationalen Superstars so viele neue Alben veröffentlichen, wie sie wollen: "30", das neue Album von Adele, ist das größte Pop-Ereignis des Jahres. Insgesamt zwölf neue Songs enthält die neue Platte, fast alle sind zum Heulen schön. Neues und Hörenswertes gibt es daneben auch von Shirin David, Heinz Rudolf Kunze und Sting.

Adele - 30

Billie Eilish, Ed Sheeran, Helene Fischer, zuletzt auch noch ABBA: 2021 war ein Jahr voller nationaler und internationaler Pop-Ereignisse. Aber der größte Kracher, insbesondere aus kommerzieller Hinsicht, kommt erst jetzt. "30", das vierte Album von Adele, das erste seit immerhin sechs Jahren ("25", 2015), versetzt die gesamte Musikbranche in den Ausnahmezustand. Und Hörer wie Kritiker in große Begeisterung. Viele sagen: Es ist das bislang beste Album der inzwischen 33-Jährigen. Das ehrlichste, das intimste, das schmerzhafteste.

Schmerzhaft, intim, ehrlich, stimmt alles. Adele trennte sich 2019 von ihrem Ehemann, was sie in der Comeback-Single "Easy On Me" ausgiebig verarbeitet. Es blieb der gemeinsame Sohn, der in der rührenden R'n'B-Nummer "My Little Love" zu hören ist. Und ansonsten sind da: Chaos, Wut, Zweifel, aber auch viel Erkenntnis und zumindest so viel Hoffnung, dass "30" nicht komplett in die Düsternis abdriftet.

Musikalisch bereitet Adele ihre Selbsterkundung und -entblößung vermehrt mit Retro-Musik auf, die an die 70-er und 60-er, teilweise auch an noch frühere Pop-Epochen erinnert. Soul, R'n'B, Gospel, Jazz: "30" ist ein herausragendes Album mit einer Sängerin in Bestform - aber, noch mehr als frühere Adele-Alben, auch eine ziemlich deutliche Absage an alles, was modernen Pop ausmacht.

Shirin David - Bitches brauchen Rap

Drei Vorab-Singles gab es zum neuen Album, alle drei landeten auf Platz eins der Charts - das schaffte noch keine andere Rapperin vor ihr. Insgesamt steht Shirin David jetzt sogar schon bei fünf Nummer-eins-Hits, und ihre Plattenfirma verkauft sie - mit gutem Recht - als die erfolgreichste deutsche Rapperin aller Zeiten. Den neuen Langspieler "Bitches brauchen Rap" nun genau an dem Tag auf den Markt zu bringen, an dem Adeles "30" erscheint, mag ein bisschen größenwahnsinnig erscheinen. Aber es passt zu Shirin David. Schließlich hat sie nicht nur großen Erfolg, sondern seit jeher auch eine ziemlich große Klappe.

"Ich darf das", so hieß die vielsagende erste Single, deren Titel auch als Leitfaden für das gesamte Album verstanden werden kann. Derbe Texte mit durchgängiger "Ihr könnt mir gar nix"-Attitüde, den eigenen Lifestyle feiern, Doppelmoral anprangern, Videos mit großen Hintern und viel nackter Haut drehen - das gehört alles dazu bei Shirin David. Sie bestimmt einfach selbst, was sie darf und was nicht, lässt in Songs wie "Schlechtes Vorbild" aber auch durchblitzen, dass da irgendwo doch eine zweite Ebene sein könnte. Shirin David, ein billiges Sex-Sells-Produkt? Oder, das andere Extrem, eine moderne Feministin? Die Wahrheit liegt auch auf "Bitches brauchen Rap" wieder irgendwo dazwischen.

Heinz Rudolf Kunze - Werdegang

Seit inzwischen 40 Jahren steht Heinz Rudolf Kunze auf der Bühne, der Meister blickt zurück. Im Oktober kam bereits eine Autobiografie mit dem Titel "Werdegang" auf den Markt, eine Tour sollte es eigentlich auch geben, aber die wurde zuletzt wieder verschoben (auf das Frühjahr 2022). Ein anderes Jubiläumsprojekt konnte die Pandemie dagegen nicht verhindern: Heinz Rudolf Kunze, der hoch angesehene Poet, Denker, Songschreiber, hat einige seiner alten Songs für ein spezielles Best-of, das ebenfalls "Werdegang" heißt, neu interpretiert.

Was auf diesem Best-of landen sollte, wurde nicht vom Künstler selbst, sondern von den Fans bestimmt. 1.000 Kunze-Anhänger konnten in den sozialen Medien festlegen, welche Songs für "Werdegang" neu angepackt werden. Sie wählten gut. "Lola" ist in einer 2021er-Version dabei, auch der Schlager-Evergreen "Dein ist mein ganzes Herz", insgesamt sind es 24 Stücke. Bei den neuen Interpretationen werden die Meinungen der Fans womöglich auseinandergehen. Um die limitierte Fanbox, als die "Werdegang" auch erhältlich ist, werden sie sich aber alle reißen: Kunze hat sein altes Klavier, auf dem er zahlreiche Songs komponierte, in 1.000 Einzelteile zerlegt und je ein Stück in jede der 1.000 Boxen gelegt.

Sting - The Bridge

Er habe in seinem Haus in der Toskana erst einmal nur separate Songs geschrieben, die zusammen nicht viel Sinn ergaben, erinnert sich Sting in einem Presseschreiben. Aber dann sei ihm irgendwann ein Zusammenhang aufgefallen, ein roter Faden. In dem Moment kam er wahrscheinlich auch auf den Albumtitel: "The Bridge". Eine Brücke könne ja so vieles sein - eine Verbindung zwischen Kulturen, zwischen zwei Ufern, oder der Ort, von dem aus man ein Schiff steuert. Sting, auch mit 70 ein Mann mit vielschichtigen Gedanken, ein Freund der Metapher.

Das Problem beim Hören von "The Bridge": Man versteht nicht immer gleich, was Sting mit seinen Metaphern eigentlich meint. Es geht um Erlösung, Frieden, Gott, Träume, fließende Gewässer, die Glocken von St. Paul, und am Ende singt Sting dann noch "(Sittin' On) The Dock Of The Bay" von Otis Redding. Die Zusammenhänge, die Sting in der Toskana erkannte, sie bleiben dem Hörer zumeist verborgen. Aber das ist nicht so schlimm: Auch wer bei diesem ambitioniert geschusterten Album gar nichts kapiert, hört immer noch hochwertigen Folk, Rock, Jazz und Pop.

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